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Hinterland Kirschenkönigin ohne Wahl
Landkreis Hinterland Kirschenkönigin ohne Wahl
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18:30 04.07.2021
Greta-Franziska Bamberger wird vielleicht irgendwann die Nachfolgerin von Kirschenkönigin Sophia I. Am Freitag ließ sie sich schon mal mit Krone und Mantel ablichten.
Greta-Franziska Bamberger wird vielleicht irgendwann die Nachfolgerin von Kirschenkönigin Sophia I. Am Freitag ließ sie sich schon mal mit Krone und Mantel ablichten. Quelle: Gianfranco Fain
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Gladenbach

Am Freitag (2. Juli) genossen die Gladenbacher wenigstens etwas, womit zur Zeit des größten Volksfestes der Region sonst immer fest zu rechnen ist – das sprichwörtliche Kirschenmarktwetter. Weil die sommerliche Attraktion wegen der Corona-Pandemie nun zum zweiten Mal ausfällt, versuchten Mitgliedsbetriebe des Gladenbachers Gewerbevereins mit einigen Aktionen etwas Kirschenmarkt-Flair in der Stadt aufblühen zu lassen. Eine war die Autogrammstunde der an diesem Tag noch amtierenden Kirschenkönigin Sophia Krämer vor dem Fotostudio Wiegand. An einem roten Teppich wartete Sophia I. auf die Gladenbacher, die an der Fotoaktion teilnehmen wollten, redete mit Passanten, die sie auf ihre dritte Amtszeit ansprachen, die formell an diesem Freitag begann.

Kirschenkönigin studiert Lehramt in Leipzig

Denn traditionell findet am Freitagabend des Kirschenmarktes die Wahl der neuen Regentin statt, setzt die Vorgängerin ihrer Nachfolgerin die Krone auf. Doch die Wahl fällt in diesem Jahr ebenso aus wie ein Jahr zuvor. Schon 2020 erklärte sich Sophia bereit, das repräsentative Amt ein weiteres Jahr auszuüben, und auch diesmal sagte sie nicht nein, als der Magistrat sich im Vormonat einstimmig für eine weitere Amtszeit aussprach. „Es macht mir einfach super viel Spaß“, bekennt die 19-Jährige, die an der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg gerade ihr Abitur erlangte.

Das Reifezeugnis öffnet ihr das Tor zu einem neuen Lebensabschnitt, lässt aber auch etwas Wehmut aufkommen. Es werde schwieriger für sie, die vielen Termine als Kirschenkönigin wahrzunehmen, weil sie nach Leipzig zieht. Dort will Sophia Krämer die Fächer Deutsch und Religion fürs Lehramt an Gymnasien studieren. Von Sachsen aus könne sie aber auch viele Termine wahrnehmen, glaubt die Mornshäuserin, „wenn sie früh genug angekündigt werden“. Nach Gladenbach werde sie immer gerne kommen, weil die Stadt einmalig sei, sagt Sophia I. und bekennt, dass sie jetzt schon nostalgisch wird, wenn sie durch die Kirschenmarktstadt geht. So verwundert es nicht, dass ihr Plan eine Rückkehr nach dem fünfjährigen Studium vorsieht, um hier ihr Referendariat zu absolvieren.

So wie ihr die Hinterlandstadt fehlen wird, so verhält es sich auch mit den Ereignissen rund um das Volksfest. Nicht nur das Eröffnen des Markttreibens, die Wahl der Kirschenkönigin oder auch das Aufsetzen der Krone auf das Haupt ihrer Nachfolgerin – all das „fehlt mir schon sehr“. Auch dass während der Pandemie viele Veranstaltungen ausfielen, bedauert sie. Neue Menschen kennenzulernen, Kinder mit einem Winken oder einem Lächeln glücklich zu machen, war eine fantastische Erfahrung.

Posiert eine zukünftige Kirschenkönigin zur Probe?

Daran erinnere sie sich gern, sagt sie und winkt einem kleinen Mädchen zu. Greta-Franziska Bamberger ist mit ihrer Mutter zum Fotostudio gekommen, will sich mit Krone, Zepter und Samtmantel ablichten lassen. Ob da eine zukünftige Kirschenkönigin zur Probe posiert? Das Regentschafts-Gen scheint in der Familie vorhanden zu sein. Wie die Mutter berichtet, war eine Großtante von Greta-Franziska die erste Kirschenkönigin Gladenbachs.

Die Regentschaft von Sophia I. wird dagegen wohl für immer einmalig sein. Sie geht in die Annalen als diejenige Kirschenkönigin ein, die als einzige drei Amtszeiten hintereinander absolvierte.

Von Gianfranco Fain

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