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Hinterland Gewerbepark-Berge lassen Unmut wachsen
Landkreis Hinterland Gewerbepark-Berge lassen Unmut wachsen
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14:27 11.07.2021
Firmeninhaber auf niedriger gelegenen Grundstücken im Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal sehen meterhoch aufgeschüttete Erdmengen.
Firmeninhaber auf niedriger gelegenen Grundstücken im Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal sehen meterhoch aufgeschüttete Erdmengen. Quelle: Gianfranco Fain
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Mornshausen/S

Es rumort im Gladenbacher Stadtteil Mornshausen. Der Grund ist nicht nur der Lärm, den die vielen mit Erdreich voll beladenen Lastwagen erzeugen, die den Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal (IGS) an der Gemarkungsgrenze zur Gemeinde Lohra ansteuern. Auch auf politischer Ebene gibt es erneut Aktivitäten, die sich mit der derzeitigen Entwicklung des Gewerbeparks befassen. Die Fraktionschefs der Zählgemeinschaft aus Freien Wählern (FW) und SPD der Gladenbacher Stadtverordnetenversammlung übermittelten einen zweiten Fragenkatalog an den parteilosen Bürgermeister Peter Kremer, den Vorsitzenden des IGS-Verbandes.

Widersprüchliche Entwicklung

Der Sozialdemokrat und IGS-Delegierter Robby Jahnke fordert gar das Einberufen einer außerordentlichen Sitzung der Verbandsversammlung des IGS, die sich aber erst am 20. Juli konstituieren wird. Jahnke begründet seinen Antrag mit der Entwicklung im Gewerbegebiet, das „augenscheinlich immer mehr zum Erd-Ablagerungsplatz verkommt“, aus dem die Unternehmen „immense Gewinne“ erzielten. Diese unschöne, dem Image und der eigentlichen Bestimmung eines Interkommunalen Gewerbeparks widersprechende Entwicklung sollte unbedingt verhindert werden, meint Jahnke.

Worum es den Mornshäusern genauer geht, weiß Manfred Hetche. Er ist Ortsvorsteher und Ansprechpartner der Bürger im Ort. Etwa 20 Mornshäuser sowie zwei Firmeninhaber aus dem Gewerbegebiet hätten sich schon vor Wochen an ihn gewandt und ihre Sorgen und Befürchtungen vorgetragen. Dabei geht es um die Fahrten von schwer beladenen Lastwagen durch den Ort, die sehr zugenommen haben und mit Lärm und Schmutz verbunden sind, sowie die Sorge, für entstehende Schäden an den Straßen aufkommen zu müssen.

Von Geldmacherei sei die Rede

Auch stören sich die Mornshäuser an einem vermeintlichen „Erdtourismus“, da die Lastwagen mit dem Aufschüttungsmaterial Kennzeichen aus dem südhessischen Raum haben. Von Geldmacherei sei im Zusammenhang mit den Aufschüttungen die Rede und davon, dass unter dem angefahrenen Material auch Bauschutt und Schrott zu finden sei. Ob solche Aufschüttungen für das Aufstellen von Fotovoltaik-Anlagen überhaupt erforderlich seien und weshalb der ursprüngliche Gedanke, produzierendes Gewerbe anzusiedeln, seit Jahren nicht mehr verfolgt werde und deshalb Zuschüsse zurückgezahlt werden müssen.  

Auf viele dieser Fragen habe er vom Bürgermeister schon Antworten erhalten, berichtet Hetche, der als Stadtverordneter der FW-Fraktion angehört, könne diese im Ort aber nur in Einzelgesprächen weitergeben. Dabei sei eine breit gestreute Information wichtig. Laut Bürgermeister Kremer seien die Erdbewegungen und Aufschüttungen vom Regierungspräsidium Gießen grundsätzlich genehmigt und die Straßen für den schweren Lastwagen-Verkehr ausgelegt, Schäden wären also nicht zu erwarten.

Platz für neue Gewerbeflächen

Die aufgeschütteten Flächen sollen befestigt werden, damit eventuell in 20 Jahren, nach dem Auslaufen der Förderung und dem darauf wahrscheinlich folgenden Abbau der Fotovoltaik-Anlagen, die Flächen für das Ansiedeln von Gewerbe genutzt werden können. Der IGS müsse zwar Zuschüsse an das Land zurückzahlen, wenn es zu förderschädlichen Nutzungen komme, erhalte aber im Gegenzug von den Grundstückskäufern einen höheren Kaufpreis.

Nach Hettches Ansicht hätte bei der Gründung des Gewerbeparks festgelegt werden müssen, dass das Begradigen des Geländes nicht durch das Aufschütten von Erde, sondern durch Abtragen zu erfolgen habe: „Dies ist damals versäumt worden.“

Von Gianfranco Fain