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Hinterland „Ankermieter“ bleibt bis Ende 2023
Landkreis Hinterland „Ankermieter“ bleibt bis Ende 2023
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16:58 20.06.2020
Rechtsanwältin Katharina Koch und Vermieter Klaus Reschny freuen sich: Das Oberlandesgericht in Frankfurt verurteilte den Rewe-Konzern dazu, den Einkaufsmarkt bis zum Ende des gekündigten Mietvertrags Ende 2023 geöffnet zu halten. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Gladenbach

Ein Urteil des Oberlandesgerichts dürfte nicht nur den Vermieter Klaus Reschny, sondern auch viele fußläufige Nutzer des Einkaufsmarktes am Gladenbacher Marktplatz freuen. Die Frankfurter Richter entschieden Ende Mai als letzte Instanz, dass der Rewe-Konzern seinen Einkaufsmarkt am Gladenbacher Marktplatz bis zum Auslaufen des gekündigten Mietvertrages am 31. Dezember 2023 weiter betreiben muss.

Er freue sich über das Urteil, bekannte Klaus Reschny am Donnerstag beim gestrigen Pressetermin mit den Rechtsanwälten Katharina und Gunthard Koch, denn damit habe man erreicht, dass die Kunden die Einkaufsmöglichkeit am Gladenbacher Marktplatz weiter nutzen können. Darunter befänden sich viele ältere Mitbürger aus der Innenstadt, fügt Reschny an. Für den Kaufmann gab es allerdings auch andere Beweggründe, gegen die vom Rewe-Konzern angekündigte Schließung zum 30. November des vorigen Jahres rechtlich vorzugehen.

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Eine vorzeitige Schließung mit anschließendem Leerstand bis zum Ende des Mietvertrages hätte den Wert der Immobilie und die Attraktivität des Standortes für andere Mieter gemindert. Der Grund: Solche sogenannten Ankermieter, also große Geschäfte, ziehen mit ihrem Sortiment viele Kunden an, von denen auch weitere Geschäfte profitieren.

Deshalb hätte Reschny einen fließenden Übergang auf einen anderen Mieter bevorzugt, fand damit aber beim Lebensmittelkonzern kein Gehör. Infolgedessen berief sich Reschny auf den 1982 geschlossenen Mietvertrag, der nach seiner und der Ansicht seiner Rechtsanwälte eine Betriebsverpflichtung des Mieters vorsieht.

Dieser Ansicht folgten erst das Marburger Landgericht und nun das Oberlandesgericht als letzte Instanz. Allerdings öffneten die Frankfurter Richter dem Rewe-Konzern ein Hintertürchen, indem es die Betriebspflicht auf jemand anderen übertragen darf. Somit ist eine Untervermietung der rund 1 500 Quadratmeter Ladenfläche möglich.

Für Klaus Reschny bedeutet das nicht angreifbare Urteil des Oberlandesgerichts einen Zeitgewinn. „Wir versuchen nun, einen anderen Mieter in derselben Branche zu finden“, sagt der Kaufmann. Es gebe schon lose Kontakte, die nun vertieft werden sollen.

Die Entwicklung am Marktplatz zeichnete sich seit Jahren ab. Mit der Eröffnung des neuen, familiengeführten und wesentlich größeren Marktes im Kirchbergcenter nahm die Attraktivität des Standortes am Marktplatz ab, bis der Konzern entgegen vorheriger Beteuerungen im vergangenen Jahr die Schließung ankündigte. Nach begonnener Räumung des Geschäftes ist das Sortiment mittlerweile wieder aufgefüllt.

Von Gianfranco Fain

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