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Hinterland Nach vier Jahren erneuter Prozess
Landkreis Hinterland Nach vier Jahren erneuter Prozess
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17:57 24.08.2021
Wegen mehrerer sexueller Übergriffe auf Mädchen steht ein Hinterländer ab Donnerstag erneut vor Gericht.
Wegen mehrerer sexueller Übergriffe auf Mädchen steht ein Hinterländer ab Donnerstag erneut vor Gericht. Quelle: Maurizio Gambarini
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Marburg

Am Donnerstag rollt die Erste Strafkammer des Marburger Landgerichts unter dem Vorsitz von Dr. Heike Schneider einen Vergewaltigungsprozess wieder auf. Dessen Urteil – zehn Jahre Haft wegen 42-facher Vergewaltigung sowie des sexuellen Missbrauchs eines Kindes – vom 23. Mai 2017 hielt in der Revision vor dem Bundesgerichtshof nicht stand.

Die Richter in Karlsruhe befanden, dass 37 der zur Last gelegten Vergewaltigungsfälle vom Angeklagten wohl erzwungen wurden, aber nicht in einem „Klima der Gewalt“ erfolgten. Aus dem Aufheben des Urteils in diesen 37 Fällen folgt das Aufheben der Gesamtfreiheitsstrafe. Zudem hoben die Richter des höchsten Gerichtes in Deutschland auch die fünf anderen Vergewaltigungsstrafen sowie die des sexuellen Missbrauchs auf, um „dem neuen Tatrichter eine insgesamt stimmige Entscheidung über die Einzelstrafen und die Gesamtstrafe zu ermöglichen“.

Opfer lange in Behandlung

Wie die OP berichtete, stand vor mehr als vier Jahren ein damals 56-jähriger Hinterländer vor Gericht, der die Taten bis zuletzt abstritt, als sozial integriert galt, sich vielfältig engagierte und ein bürgerliches Leben führte. Die Beweisaufnahme unter dem Vorsitz von Richter Dr. Thomas Wolf gestaltete sich schwierig, da sich die ihm vorgeworfenen Taten laut Anklage in den Jahren von 1996 bis 2000 ereigneten. Seine Stieftochter war der Überzeugung des Gerichts zufolge beim ersten Missbrauch 13 Jahre alt. Das bei der ersten Verhandlung 34-jährige Opfer hielten die Richter laut Thomas Wolf für „absolut glaubhaft“; sie habe bis zum Jahr 2014 die Vergewaltigungen verdrängt, erst dann seien sie aus der Frau herausgebrochen. Seitdem befand sie sich „fast durchgehend“ in psychiatrischer Behandlung.

Die Frau machte während einer vierstündigen Aussage auf die Richter einen „sehr eindrucksvollen und überzeugenden“ Eindruck, der auch eine Sachverständige überzeugte. Einen weiteren Beweis bildete das Tagebuch des Vergewaltigungsopfers. Demnach verging sich der Angeklagte erstmals in einem Abstellraum im Keller des Hauses mit Gewalt an der 13-Jährigen, danach auch im Zimmer der Nebenklägerin, und dies mindestens einmal pro Monat.

Das Gericht befand den Mann ebenfalls für schuldig, im Jahr 2012 der Tochter einer weiteren Ex-Ehefrau an die Brust und in den Schritt gefasst zu haben. Auch diese war damals 13 Jahre alt.

Die Verhandlung beginnt am 26. August um 9 Uhr in Saal 101 des Landgerichts.

Von Gianfranco Fain

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