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Hinterland Exempel statuiert, Jugendtreff torpediert
Landkreis Hinterland Exempel statuiert, Jugendtreff torpediert
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20:00 31.05.2021
Auf der asphaltierten Fläche zwischen Rabentreff und Landstraße beabsichtigte der Gemeindevorstand drei Container aufzustellen, damit Jugendliche darin einen festen Treffpunkt haben. Die Gemeindevertreter lehnten dieses Ansinnen mehrheitlich ab.
Auf der asphaltierten Fläche zwischen Rabentreff und Landstraße beabsichtigte der Gemeindevorstand drei Container aufzustellen, damit Jugendliche darin einen festen Treffpunkt haben. Die Gemeindevertreter lehnten dieses Ansinnen mehrheitlich ab. Quelle: Gianfranco Fain
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Lohra

Die Befürworter eines neuen und in die Zukunft gerichteten Standortes für einen Jugendraum in der Gemeinde Lohra sparten am Donnerstagabend während der Gemeindevertretersitzung nicht mit Kritik an den Gegnern. Sie sei erschüttert über die große Einmütigkeit zum Abschmettern des Antrags, bekannte die Christdemokratin Susanne Kappeller; und Ronald Brauner sagte gar, er fasse es nicht, „welche Ignoranz hier herrscht“. Der Sozialdemokrat sprach davon, dass die Container ein Anfang seien, weil die Gemeinde „nicht die Kohle“ für eine andere Lösung habe. Und wer dem bsj in Abrede stelle, eine Ahnung von Jugendarbeit zu haben, solle sich erst mal besser informieren.

Auch die Erste Beigeordnete der Gemeinde versuchte in Vertretung des Bürgermeisters den Vorschlag des Gemeindevorstands zu retten. Rosemarie Wollny berichtete vom Förderantrag an den Verein Marburger Land im Juni des Vorjahres, der nun bewilligt sei, und dass damit eine Übernahme der Kosten in Höhe von 65 Prozent der 89 000 Euro möglich wäre, somit die Gemeinde nur 40 000 Euro zu tragen hätte, worin auch die Kosten für den bsj enthalten seien. Der Ersatz sei notwendig, da die Jugendlichen zuletzt aus dem ehemaligen Bahnhofsgebäude ausziehen mussten und das Dorfgemeinschaftshaus in Damm vor dem möglichen Verkauf stehe, dieses zudem nicht aus allen Ortsteilen gut erreichbar sei. Andere Möglichkeiten schieden entweder an den Baukosten oder aus anderen Gründen aus. Der vorgesehene Standort in Lohra liege dagegen verkehrsgünstig und weise eine gute Infrastruktur auf. Das gemeindliche Grundstück liege in der Nähe des Rabentreffs und sei durch die zentrale Bushaltestelle aus allen Orten gut erreichbar. Zudem überarbeiten die bsj-Angestellten gerade das Konzept der gemeindlichen Jugendarbeit.

Da niemand sagen könne, ob die Gemeinde den Zuschuss des Vereins Marburger Land im nächsten Jahr auch bewilligt bekommen würde, richtete Wollny einen „ganz dringenden Appell“ an die Gemeindevertreter, ihre Entscheidung noch mal zu überdenken, um den Kindern und Jugendlichen der Gemeinde einen Ort der Zusammenkunft zukommen zu lassen.

„Stimmt bitte zu“, bat auch SPD-Fraktionschef Markus Hemberger, weil die Jugendlichen einen Ort bräuchten, „wo sie Boden fassen können“, nachdem sie schon dreimal ihre Bleibe verloren und sich sonst „nur an die Bushaltestellen setzen können“. Selbst dass Wollny „sehr bedauerte“, dass die Gemeindevertreter sich übergangen fühlen, und um Entschuldigung bat, da derzeit alles anders sei als sonst, fruchteten nicht. Denn der Vorsitzende der Gemeindevertretung monierte, dass es die Vorlage schon Monate gebe, die Gemeindevertreter sie aber erst zwei Wochen vor der Entscheidung vorgelegt bekommen hätten. Da dies öfter vorkomme, der Bürgermeister aber eine engmaschige Information versprochen habe, müsse man ein Exempel statuieren, sagte Hans-Wilhelm Kisch.

Neben allgemeiner Kritik an der Anzahl der erreichten Jugendlichen, dem Vernachlässigen der Ortsteile zugunsten des Zentrums und dem vorgesehenen Standort allgemein sowie der Container-Lösung äußerten die Gemeindevertreter weitere Kritikpunkte.  „Mir gefällt nicht, dass wir konzeptionell raus sind“, sagte Karl Klefenz von den Grünen. Seine Parteikollegin Nadine Keßler meinte, man solle die Jugendlichen fragen, wo sie gern einen Treffpunkt hätten, und forderte ein Konzept für alle Jugendliche Lohras. Auch Knut Schäfer meinte, er könne nicht zustimmen. Es gehe um eine Kostenübernahme und man könne keine Ideen entwickeln, monierte der BfB-Mann. Mit 20 Nein- bei 7 Jastimmen und 2 Enthaltungen lehnten die Gemeindevertreter den Antrag ab.

Von Gianfranco Fain