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Hinterland Gegenwind für Solarpark
Landkreis Hinterland Gegenwind für Solarpark
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17:00 20.11.2021
Am Südhang in Rachelshausen soll laut Landes-Energie-Agentur Hessen ein Solarpark entstehen. Der Ortsbeirat gibt nach wie vor Gegenwind für das Projekt.
Am Südhang in Rachelshausen soll laut Landes-Energie-Agentur Hessen ein Solarpark entstehen. Der Ortsbeirat gibt nach wie vor Gegenwind für das Projekt. Quelle: Foto: Patrick Stein
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Rachelshausen

Die Energiewende gehört zu den beherrschenden Themen in der Bundespolitik. Auch auf kommunaler Ebene streiten Anhänger verschiedener Lager um zukünftige Versorgungsmöglichkeiten. Der Rachelshäuser Ortsbeirat hat sich erneut gegen eine großflächige Freiflächenfotovoltaik-Anlage ausgesprochen.

Ortsvorsteher Bernd Müller berichtete von einer Informationsveranstaltung für Gladenbacher Kommunalpolitiker. Vertreter der Landes-Energie-Agentur Hessen stellten dort Pläne zur Umsetzung der Energiewende vor. Ein wesentlicher Punkt dafür ist die Stromgewinnung durch Sonnenlicht. In der Prioritätenliste stehen Fotovoltaikanlagen auf Dächern und Industriebrachen an den oberen Stellen; Brachland, Äcker und Wiesen folgen. „Klar ist, dass wir so zügig wie möglich die Energiewende schaffen müssen. Jeder muss daran mitwirken“, sagte der Ortsvorsteher.

Müller führte aus, dass 2,6 Prozent des Gladenbacher Stadtgebietes im Teilregionalplan Energie Mittelhessen als Vorbehaltsfläche für Fotovoltaik ausgewiesen sind. Ein Großteil davon befindet sich nach aktuellem Planungsstand um Rachelshausen herum. „Das ist auch der Hauptgrund, weshalb von unserer Seite erst mal Gegenwind kommt“, sagte Fred Debus. Im Juli war der Ortsbeirat der Meinung vieler Rachelshäuser gefolgt und hatte sich gegen die Nutzung der Vorbehaltsflächen am Südhang ausgesprochen. „Andernorts werden landwirtschaftliche Flächen stillgelegt, und wir sollen genutztes Ackerland mit Fotovoltaikanlagen zubauen. Das darf so nicht sein“, sagte Müller, „natürlich ist es wichtig, dass wir die Wende schaffen, aber ich sehe viele Vorteile, wenn wir die Flächen innerhalb der Kommune gemeinsam planen.“

„Rachelshausen soll aber nicht die Hauptlast tragen“

Debus gab zu bedenken, dass im Ort bereits hitzige Debatten um solche Anlagen und ebenso um Windräder geführt wurden. Natürlich sei man nicht gegen die flächenmäßige Nutzung der Sonnenenergie. Brachland könne man bereitstellen. „Rachelshausen soll aber nicht die Hauptlast tragen“, betonte das Ortsbeiratsmitglied. Bei einer gemeinsamen Planung könnten Vertreter aller Stadtteile geeignete Flächen auswählen.

„Wir haben kaum Handlungsmöglichkeiten. Wir können vermitteln und uns für eine faire Lösung einsetzen. Es liegt auch an den Grundstückseigentümern, und eventuell finden sich in anderen Stadtteilen Besitzer, die ihre Flächen zur Verfügung stellen, weil sie nicht genutzt werden“, sagte Müller.

Einen weiteren Streitpunkt will der Ortsbeirat aus der Welt schaffen. Einige Hundebesitzer beseitigen den Kot ihrer Vierbeiner nicht. „Wenn die Pferde ihre Äpfel hinterlassen, dauert es nicht lange, und die Besitzer sind mit Besen und Schippe bei der Arbeit. Bei den Hundebesitzern scheint das noch nicht angekommen zu sein“, berichtete Tanja Jung-Künkel. Aus Ortsbeiratsmitteln sollen nun drei Hundekotbeutel-Spender angeschafft werden, die über einen Mülleimer verfügen. „Hunde laufen frei im Ortskern und in der Umgebung herum. Der Kot bleibt oftmals einfach liegen. Es gehört zu einem guten Miteinander, dass man den Dreck wegmacht, den sein Tier hinterlässt“, sagte Ortsvorsteher Müller. Die Spender sollen an der Hohen Straße, am Oberstadtring und im Steinbruchweg aufgestellt werden.

Dorfverein bekommt die Ehrenamtspauschale

Der Ortsbeirat hofft, dass sich die Situation mit den verdreckten Gehwegen verbessert. Mit den Beutel-Spendern möchte er Hundebesitzer zu einem Umdenken bewegen. „Es kann nicht angehen, dass die Situation so bleibt. Wir denken dabei an spielende Kinder im Ort und die Landwirte, die den Hundekot auf ihren Wiesen liegen haben. Bei der Heu- oder Silageernte kann das zu großen Schäden führen. Ist ein Ballen verunreinigt, kann er nicht mehr verfüttert werden“, gab Fred Debus zu bedenken.

Positiver war die Stimmung bei den Vorschlägen für die Ehrenamtspauschale des Landkreises. Die 305 Euro sollen dem Dorfverein zugutekommen. Die Gruppe kümmert sich mit vielen Projekten um Verschönerungen in Rachelshausen. So übernehmen die Mitglieder Patenschaften für Blumenschmuck im Ort und richten Veranstaltungen im Stadtteil aus.

Ebenso freut sich das Gremium über die Anschaffung von 120 neuen Stühlen und 30 dazu passenden Tischen für das Dorfgemeinschaftshaus.

Am 17. Dezember übernimmt Rachelshausen eine Veranstaltung zum „lebendigen Adventskalender“ der evangelischen Kirche im Gladenbacher Land. Ausgerichtet wird dies am Bürgerhaus von Feuerwehr und Ortsbeirat. Es wird ein großes Fenster weihnachtlich geschmückt.

In der Adventszeit ist außerdem wieder ein „Weihnachtsbaum-Schmück-Fest“ geplant. In diesem Jahr werden erstmals zwei Bäume aufgestellt – einer an der Bushaltestelle, ein anderer am Backhaus. Das Datum und der Ort der Veranstaltung müssen noch festgelegt werden.

Von Patrick Stein