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Hinterland „Ich brauche Leute um mich herum“
Landkreis Hinterland „Ich brauche Leute um mich herum“
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10:58 24.01.2021
Sobald die Corona-Beschränkungen fallen, will Christel Pfeifer wieder für ihre Gäste am Zapfhahn stehen – auch mit 85 Jahren noch.
Sobald die Corona-Beschränkungen fallen, will Christel Pfeifer wieder für ihre Gäste am Zapfhahn stehen – auch mit 85 Jahren noch. Quelle: Sascha Valentin
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Hartenrod

Christel Pfeifer ist ein gastronomisches Urgestein. Seit 60 Jahren führt sie ihre Gaststätte in Hartenrod, die weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus als „Dachsbau“ bekannt ist.

Auch mit mittlerweile 85 Jahren denkt die rüstige Seniorin keineswegs ans Aufhören. „So lange ich gesund bin, mache ich weiter“, sagt Pfeifer. Zu sehr liegt ihr ihre Berufung am Herzen, gibt sie zu.

„Als mein Mann im November gestorben ist, haben viele geglaubt, dass ich jetzt schließen würde“, erzählt sie. „Aber das kann ich nicht. Ich brauche die Leute um mich herum.“

Schon als Jugendliche hat Christel Pfeifer in einem Gasthaus gekellnert und dabei auch ihren Mann Willy kennengelernt, der immer mit ein paar Freunden in die Wirtschaft kam.

Betrieb anfangs allein „geschmissen“

Nach ihrer Hochzeit arbeitete Christel Pfeifer zunächst noch in der Bad Endbacher Zigarrenfabrik, bevor sie und ihr Mann sich 1961 schließlich entschlossen, eine eigene Wirtschaft im Elternhaus Willys zu eröffnen. Anfangs habe sie den Betrieb noch alleine „geschmissen“, sagt Pfeifer, und ihr Mann sei arbeiten gegangen. Als in den 70er-Jahren jedoch der Fremdenverkehr boomte, hängte auch Willy seinen Beruf an den Nagel, um ebenfalls im „Dachsbau“ mitzuhelfen.

Ihren Namen hat die Kneipe der ehemaligen Dachsbergschanze zu verdanken, die der Skiclub Ende der 50er-Jahre dort angelegt hatte und die bis in die 80er-Jahre hinein etliche Wintersportler nach Hartenrod zog. Wer dort zuvor ausgiebig dem Wintersport gefrönt hatte, kehrte anschließend zum Après-Ski gerne in die Gaststätte ein, und so erhielt diese schließlich ihren Namen.

Nette Anrufe von Kunden

Obwohl er es nie gelernt hatte, war Willy Pfeifer für die Küche zuständig und traf mit seinen Gerichten den Geschmack der Besucher, die damals noch deutlich zahlreicher kamen, als das in den letzten Jahren der Fall war. „An manchen Abenden waren teilweise über 100 Gäste anwesend“, erinnert sich Christel Pfeifer. Das war anstrengend, aber auch schön, gibt sie zu.

Genau dieser Kontakt ist es, der ihr jetzt während der Corona-Beschränkungen am meisten fehlt. Deswegen hat sich die 85-Jährige auch entschieden, weiterhin Speisen zum Abholen anzubieten, wovon im Ort auch durchaus Gebrauch gemacht werde. „Manchmal rufen auch Leute an und sagen einfach nur, dass sie mich vermissen“, erzählt Christel Pfeifer. In diesen Momenten seien die Gedanken ans Aufhören besonders fern, berichtet sie.

„Ich habe ein bisschen Angst“

„Ich glaube, dass mich der Kontakt zu den Menschen auch jung und gesund hält“, betont sie und erzählt von den vielen Pärchen, die sich im „Dachsbau“ kennengelernt haben. Allein in Eiershausen im Dillkreis seien es sieben, erzählt sie.

„Kürzlich war sogar einer der Männer hier und meinte, dass sie irgendwann kommen müssen, um ihr Jubiläum hier zu feiern“, berichtet Christel Pfeifer und lacht: „Einige der Kunden, die heute kommen, kannte ich schon, als sie noch in die Schule gingen.“

Umso mehr macht ihr die aktuelle Situation zu schaffen – weniger ihres Geschäftes wegen als vielmehr wegen dem, was die Kontaktbeschränkungen mit den Menschen machen. „Ich habe ein bisschen Angst, dass es nie mehr so wird wie vorher“, sagt Pfeifer.

Allein wenn sie einmal draußen spazieren gehe, beobachte sie es ganz oft, dass die Menschen sich instinktiv aus dem Weg gehen. Das wäre für Christel Pfeifer der bitterste Schlag überhaupt, denn sie ist Gastwirtin mit Herz und Seele und braucht die Menschen um sie herum.

Von Sascha Valentin

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