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Hinterland Im Winter gibt’s Bierzelt statt Heizpilz
Landkreis Hinterland Im Winter gibt’s Bierzelt statt Heizpilz
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13:58 07.10.2020
Marita Gliesche vom „Frauental“ in Biedenkopf hat sich dafür entschieden, ein beheiztes Zelt mit Fußboden aufzustellen. Dort sei mehr Platz als im Gasthaus und die Abstände könnten besser eingehalten werden. Quelle: Sascha Valentin
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Hinterland

Nachdem sie Mitte Mai ihre Lokale wieder öffnen durften, hat der Sommer den Hinterländer Gastronomen ein Stück weit das Geschäft gerettet. Wer seinen Gästen einen Biergarten oder Freisitz bieten konnte, verzeichnete durchaus regen Besuch.

Doch das sei nun vorbei, berichtet Peter Fischer von der Neuen Krone in Biedenkopf. So lange draußen gesessen werden konnte, lief es ganz gut. Aber mit dem Ende des Terrassengeschäfts sei der Besuch rapide eingebrochen.

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Ähnliches berichtete auch Michael Ferron, der die Gastronomie in der Lahn-Dill-Bergland-Therme in Bad Endbach betreibt. Neben dem Bistro für die Thermengäste gibt es dort auch einen normalen Restaurantbetrieb für Besucher, die nicht das Schwimmbad nutzen. „Während der Biergartenzeit war der externe Bereich teilweise sehr gut besucht“, erzählt Ferron. Drinnen blieben die Gäste hingegen weitgehend fern.

Damit sich das in der kalten Jahreszeit ändert, hat Ferron in die Hygienetechnik seiner Gaststätte investiert. „Wir haben Luftreiniger eingebaut und Plexiglastrenner an den Tischen angebracht“, betont er. Bei den Gästen sei das sehr gut angekommen.

Warmluftgebläse heizt Frauenthal-Zelt

„Die wollen wirklich sehen, dass die Betriebe sich Gedanken machen und auch etwas tun, um das Infektionsrisiko zu minimieren“, glaubt Ferron. „Deswegen halten wir uns auch recht streng an die Hygieneregeln.“ Eines würde er allerdings nicht machen, um das Außengeschäft weiter am Laufen zu halten: Heizpilze aufstellen. „Das wäre eine Umweltsünde“, betont er.

Auch Marita Gliesche, Inhaberin des Wirtshauses „Frauental“ in Biedenkopf, hält vom Heizpilz nichts. „Das ist was, wenn man draußen steht und einen Glühwein trinkt. Aber für Leute, die sitzen, hat er überhaupt keine Wirkung“, sagt sie. Deswegen setzt Gliesche in dem Zelt, das sie auf dem Gelände des Biergartens aufgebaut hat, Warmluftgebläse ein. „Wir werden das Zelt, das einen festen Boden hat, jeden Freitag und Samstag öffnen und werden den Besuchern dort auch etwas bieten – sowohl kulturell als auch kulinarisch“, berichtet sie.

Gerlach: Im Zelt fehlt die Gemütlichkeit

So wird es Konzerte geben, wie zuletzt mit Peter Hohenecker, oder auch Lesungen. „Wer gerne etwas machen möchte, kann sich bei uns melden“, sagt Gliesche. Ergänzend soll es auch kulinarische Themenabende geben – zum Beispiel mit typisch hessischen oder bayerischen Gerichten. Gliesche ist sich auch sicher: Ohne das Zelt würde sich der Betrieb im Frauental vermutlich kaum lohnen. Das hat die erste Zeit seit der Rückkehr in die geschlossenen Räume deutlich gezeigt. „Drinnen sind die Leute doch noch sehr zurückhaltend.“

Dennoch kann sich zum Beispiel Martina Gerlach, Inhaberin des „Chilis“ in Dautphe, nicht mit dem Gedanken an ein Zelt anfreunden. „Gerade jetzt in der Jahreszeit, wenn alles gemütlicher wird, hätte das doch gar keinen Charme“, betont sie. Das „Chilis“ biete genug Platz, damit die Gäste auch drinnen mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand sitzen könnten.

„Wir haben tatsächlich sehr lange diskutiert, ob wir ein Zelt aufstellen sollen, aber da fehlt einfach die Gemütlichkeit“, sagt Gerlach. Und auch wenn in erster Linie auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet werden müsse, sollte die Atmosphäre doch möglichst wenig darunter leiden. Denn gerade die sei mit dafür verantwortlich, dass die Leute in die Restaurants gehen.

Marburg fördert Infrarotheizstrahler

Die Verlängerung der Outdoor-Saison kann im Jahr der Corona-Pandemie für viele Gastronomiebetriebe eine enorme Unterstützung bedeuten. Mit der Installation von Heizstrahlern können die Außenbereiche von Restaurants auch in der kalten Jahreszeit genutzt werden.

Auf Anregung von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) haben die Stadtwerke Marburg ein neues Förderprogramm aufgelegt, mit dem Gastronomiebetriebe bei der Anschaffung von Infrarotheizstrahlern unterstützt werden.

„Angesichts von Corona wird die Außengastronomie in diesem Winter sicher eine höhere Bedeutung haben – für die Gastronomiebetriebe und die Gäste. Wir verstehen daher den Wunsch und auch die Not der Gastronomie, die Außenbereiche zu beheizen“, sagt Oberbürgermeister Spies.

Stadtwerke: Betrieb ist CO2-neutral

Unter dem Aspekt des Klimaschutzes ist die Nutzung von gasbetriebenen Heizpilzen nicht zu empfehlen. „Infrarotheizstrahler sind im Vergleich zu Gasstrahlern wesentlich umweltfreundlicher. Der Betrieb ist mit unserem Ökostrom vollkommen CO2-neutral, da er zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammt“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster.

Im Vergleich dazu verbrauche ein Gasheizstrahler zirka elf Liter Flüssiggas in 20 bis 30 Betriebsstunden, was bis zu 100 Kilogramm CO2 freisetze. Zudem sei der Betrieb mit Infrarotheizstrahlern auch kostengünstiger. Gastronomiebetriebe der Stadt Marburg, die Stromkunden der Stadtwerke sind, können sich bis zu drei Infrarotheizstrahler fördern lassen mit jeweils bis zu 100 Euro.

Informationen dazu gibt es im Stadtwerke-Kundenzentrum in Marburg unter der Telefonnummer 0­6421/205505 oder unter  www.stadtwerke-marburg.de/service/foerderprogramme

Von Sascha Valentin