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Hinterland Für den Ernstfall gerüstet
Landkreis Hinterland Für den Ernstfall gerüstet
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18:59 13.04.2020
Auch die Berglandklinik in Bad Endbach unterliegt den von der Landesregierung im Kampf um die Eindämmung der Corona-Pandemie erlassenen Einschränkungen. Quelle: Gianfranco Fain
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Bad Endbach

Normalbetrieb so weit wie möglich unter erschwerten Bedingungen, so läuft derzeit die Arbeit an den beiden großen Endbacher Kliniken angesichts der durch die Landesregierung vorgegebenen Einschränkungen, mit denen versucht wird, die Corona-Pandemie einzudämmen. Außenstehenden fallen als erstes die Schilder an den Eingangstüren auf, die auf das Besuchsverbot hinweisen.

„Viele unserer Patienten leiden an mehreren Erkrankungen, sind also sehr gefährdet“, verdeutlicht Hardo Lingad die Sinnhaftigkeit der angeordneten Vorkehrungen. Darunter fallen auch Schulungen für die Mitarbeiter. Die seien durch ihre Arbeit mit Patienten zwar mit Infektionen vertraut, erklärt der Chefarzt der Berglandklinik, doch ihr Wissen werde noch mit Informationen um Covid-19 ergänzt.

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Schutzmaterial wie Mund-Nase-Masken oder Brillen seien für den Routinebetrieb in ausreichender Zahl vorhanden. Sollte sich aber die Situation verschlimmern, würde der Vorrat nur für rund 14 Tage reichen, schränkt Lingad ein. „Wir haben aber schon eine Palette mit Schutzmaterial geordert“, sagt Claudia Koller. Die Lieferung soll in den nächsten Tagen eintreffen und wird mit der Rheumaklinik geteilt, erklärt die Geschäftsführerin. 

Arbeit in Ambulanz „sehr stark reduziert“

Die Schutzausrüstung ist derzeit auch in der Rheumaklinik noch ausreichend vorhanden, wird aber auch verstärkt in Anspruch genommen. „Unsere Mitarbeiter halten zwar mehr Abstand zu den Patienten, wenn dies aber nicht möglich ist, muss der Schutz erhöht werden“, erklärt Ulrich Gaschler, Leiter des Bereichs Zentrale Aufgaben. Da passt es, dass die Klinik derzeit weniger Patienten als üblich stationär, jährlich rund 3.400, betreut.

In der auf Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung spezialisierten Klinik wirke sich die reduzierte Anzahl an Operationen in den vorgelagerten Krankenhäusern aus. Auch die Arbeit in der Ambulanz sei „sehr stark reduziert“, weil aus den Arztpraxen weniger Patienten zugewiesen werden.
In der geriatrischen Abteilung der Berglandklinik wird dagegen in vollem Umfang weitergearbeitet. Aber auch dort wurden einige Veränderungen vorgenommen.

Kliniksleitungen und Gesundheitsamt konferieren

„Wir haben zum Beispiel für die Therapeuten eine strenge Zuordnung eingeführt, um die Bewegungen innerhalb des Hauses zu minimieren“, beschreibt Lingad eine der Aktionen. Und wenn zwischen den Behandlungen doch einmal Zeit bleibt, „nähen beispielsweise die Ergotherapeuten freiwillig Mundschutze“, ergänzt Claudia Koller.

Die Kliniksleitungen beschäftigt derweil ein weiteres Thema. Beide Häuser sind dafür vorgesehen, die Krankenhäusern bei der Maximalversorgung zu entlasten, falls dort die Zahl der Corona-Patienten stark zunimmt. Seit Mitte März finden dazu Besprechungen statt, berichtet Gaschner und Claudia Koller lobt in diesem Zusammenhang die Kliniksleitungen und das Gesundheitsamt, weil diese Videokonferenzen sehr schnell zustande kamen und „wir durch den Austausch von Informationen in der Krise näher zusammenrücken“. 

Endbacher Kliniken können 48 Betten bereitstellen

Die Rheumaklinik hat laut Krankenhauseinsatzplan 36 Betten vorzuhalten, die vorerst mit „klassisch erkrankten Menschen“ aus den Akut-Kliniken belegt werden, erklärt Ulrich Gaschner. Die Berglandklinik vermag innerhalb von 24 Stunden eine halbe und nach weiteren 24 Stunden eine ganze Station frei zu ­räumen. Dann stehen 12 der insgesamt 90 Betten des ­Hauses zur Verfügung, um aus den großen Häusern des Landkreises Patienten zu übernehmen.

Vorerst werden das welche sein, die „dem Versorgungsauftrag des Hauses entsprechen“, sagt Chefarzt Lingad. „Sollte es allerdings zu einer Eskalation kommen, wird die Lage ständig neu bewertet“, ergänzt Gaschler. Dann könnten auch Covid-19-Patienten nach Bad Endbach verlagert werden.

In einem solchen Fall seien die Klinken auch auf eine Verteilung von Schutzmitteln durch das Land angewiesen, ergänzt der Geschäftsführer der Rheumaklinik. Claudia Koller fügt noch eine Bitte an, um die Rettungsdienste zu entlasten. Patienten, die regulär entlassen werden, sollten möglichst von Angehörigen abgeholt werden.

Von Gianfranco Fain

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