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Hinterland Schnipp schnapp, Haare ab: Kamm und Schere wieder im Einsatz
Landkreis Hinterland Schnipp schnapp, Haare ab: Kamm und Schere wieder im Einsatz
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21:00 01.03.2021
Martina Klein, Innungsobermeisterin, ist froh, in ihrem Salon in Niederweimar wieder Haare schneiden zu dürfen.
Martina Klein, Innungsobermeisterin, ist froh, in ihrem Salon in Niederweimar wieder Haare schneiden zu dürfen. Quelle: Nadine Weigel
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Wetter

Als die Uhr 0.01 anzeigt, endet das monatelange Warten: Friseurmeisterin Süheyla Caiada nimmt die Schere in die Hand und legt los – für die ersten Haarschnitte seit langer Zeit im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Mehr als zwei Stunden kümmert sich die 29-Jährige am 1. März, die sich pünktlich zum Friseur-Lockdown-Ende in Wetter in die Selbstständigkeit wagt, um die unfreiwillig lange und dichte Haarpracht von Kunden. „Endlich geht es wieder los und ich kann meinem Beruf nachgehen – und Geld verdienen“, sagt sie am Ende eines außergewöhnlichen langen Arbeitstags erschöpft, aber glücklich. „Es hat Spaß gemacht – auch die Aktion in der Nacht.“

Tage vorher aufgeregt

Schon Tage vorher waren Salih Günes, seine Familie und seine Mitarbeiter aufgeregt. Der Stadtallendorfer Friseur eröffnete gestern zugleich seinen neuen, wesentlich größeren Salon an anderem Standort in der Stadtmitte. Das ganze Team hatte gestern reichlich Arbeit. „Der Terminkalender ist voll und wird immer voller“, freute sich Halime Günes.

Aber ihr Mann und sie sind sich bei allem Stress sicher: „Wir packen das.“ Trotzdem müsse man sich nach der langen Zwangspause von mehreren Monaten erst einmal wieder an die Abläufe gewöhnen, erst recht im neuen Salon, sagt Salih Günes. Das Lockdown-Ende begann für Regina Happel allerdings schon vor zwei Wochen. Seitdem vergab sie an ihre Stammkundschaft Termine für die Zeit nach dem 1. März. „Die ersten drei Wochen sind schon ausgebucht“, berichtete die Inhaberin des Salon Keller in Gladenbach. Der Vorlauf war erforderlich, um einen Schichtplan für die insgesamt sieben Frisörinnen zu erstellen. Gestern begann die erste Schicht um sieben Uhr, die zweite arbeitete bis 18 Uhr, die dritte bis 20 Uhr. „Der Rücken schmerzt mittlerweile“, gesteht die Inhaberin am späten Nachmittag. Neben dem Waschen, Schneiden, Legen und Fönen ist nebenbei auch noch das Telefon zu bedienen. „Das klingelt am laufenden Band“, sagt Regina Happel.

Die ersten beiden Wochen wird die Belegschaft so wie gestern im Einsatz sein, ab der dritten Woche „müssen wir mal sehen“. Die Ungewissheit, wie es weitergeht, wenn der erste Berg an Haaren am Boden liegt und die Köpfe wieder in Form gebracht sind, beschäftigt die Salon-Inhaberin derzeit schon. Sowohl von der Fachseite wie von Kundenseite überwiegt deutlich die Freude, dass die Salons wieder öffnen dürfen, was aber auch mit strengen Regeln verbunden ist.

„Wir schneiden auf Teufel komm raus, der Neustart ist großartig, war für den ein oder anderen aber nicht so einfach“, sagt Martina Klein, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetik-Innung der Kreishandwerkerschaft Marburg.

Süheyla Caiada, Friseurmeisterin in Wetter, wäscht dem ersten Kunden im Landkreis Marburg-Biedenkopf am 1. März um 0.01 Uhr die Haare. Quelle: Privatfoto

Locker ein 13-Stunden-Tag

Das liegt auch an der Zehn-Quadratmeter-Regelung pro Person im Salon, die in der Regel die Voraussetzung für die Ladenöffnung ist. Gerade in kleinen Salons „eine knappe Angelegenheit“; streng genommen dürfen sich bei einem Geschäft von 20 Quadratmetern Größe also nur ein Friseur und ein Kunde zeitgleich aufhalten.

Andernfalls brauche es ein spezielleres Hygienekonzept, als es die Vorgaben verlangen. Das sei aber meist ebenfalls möglich, vom Öffnen der Fenster bis zur Tür, „wir halten uns streng an die Hygieneauflagen“. Auch ganz kleine Salons würden daher nicht abgehängt und können loslegen.

Auch Martina Klein hatte gestern locker einen 13-Stunden-Tag und auch die nächste Zeit noch besonders viel Arbeit vor sich; die ersten 200 Anmeldungen sind längst gebucht. „Die Kunden freuen sich riesig und wir auch“, sagt sie erleichtert.

Von Björn Wisker, Gianfranco Fain, Michael Rinde und Ina Tannert