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Landkreis Hinterland Mutmacher für den Endspurt
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19:27 17.09.2021
Friedrich Merz sprach am Freitag auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU im Gladenbacher Haus des Gastes.
Friedrich Merz sprach am Freitag auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU im Gladenbacher Haus des Gastes. Quelle: Thorsten Richter
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Gladenbach

Zehn Tage vor der Wahl und angesichts eines deutlichen Umfrage-Rückstands von vier Prozentpunkten schwor CDU-Promi Friedrich Merz bei seinem Besuch vor 200 Besucherinnen und Besuchern in Gladenbach seine Partei ein: „Wir müssen jetzt kämpfen!“ Wie vor Bundestagswahlen seit Jahren gewohnt, sprach Merz von einer „Richtungswahl“ und machte seinen Parteifreunden Mut: „CDU/CSU sind trotz allem in der Lage, stärkste Fraktion zu werden.“ Und während die Union ein „Schattenkabinett“ hat, dem im übrigen auch Merz angehört, haben SPD und Grüne, so bezeichnete es der Gladenbacher Ortsvereinsvorsitzende Mark Bastian, ein „Gruselkabinett“, bestehend aus unter anderem Saskia Esken, Anton Hofreiter und Kevin Kühnert.

Unter welchen geopolitischen Vorzeichen findet die Wahl statt? Merz findet, wie man das von ihm gewohnt ist, klare Worte: „Afghanistan hat gezeigt, dass es eine Machtverschiebung gibt.“ Die USA zögen sich von ihrer Rolle als Weltordnungsmacht zurück, und Europa sei geschwächt: „Wir verlieren Großbritannien.“ Ausgerechnet in dieser Situation stehe die Stärke des Euro mit auf dem Stimmzettel: „Scholz will für die Schulden der EU mit aufkommen – wir wollen keine Schuldenunion, wir wollen keine Weichwährung.“ Wer dies gleichfalls nicht wolle, für den seien SPD, Grüne und Linke keine Option am 26. September.

Klimawandel ist menschengemacht

Anders als in früheren Jahren ist Merz’ Haltung zum Klimawandel klar: „Der Klimawandel ist menschengemacht“, sagt der Unions-Wirtschaftsexperte, der aber, an die Adresse von Fridays for Future und anderen Initiativen gerichtet, klarstellt: „Klimaneutralität ist mit einer reinen Vermeidung von CO2 nicht zu erreichen.“ Merz wendet sich gegen die Verbotspolitik in diesem Zusammenhang und den „Irrglauben“, man könne mit Verboten irgend etwas erreichen oder gar Innovationen erzwingen.

„Wenn dem so wäre, dann wäre die DDR eine Hochburg der Innovation gewesen“, sagt Merz unter dem Jubel seiner Anhänger. Man könne nicht immer nur aussteigen – aus der Atomenergie, aus der Kohle – ohne zu sagen. wohin die Reise gehen soll. „Dies ist nicht die Stunde der Ideologen, sondern die Stunde der Ingenieure“, sagte Merz und nannte als Beispiel für erfolgreiche Verfahren im Kampf um den Klimawandel etwa Abscheidetechnologien.

40 Prozent reduziert

Dabei dränge die Zeit. „Wir stehen mit unseren Anstrengungen schon in der zweiten Halbzeit.“ Um 40 Prozent seien die Kohlenstoff-Emissionen bereits seit 1990 reduziert, „aber wir sind noch weit vom Ziel entfernt“. Das dürfe aber nicht zu Kurzschlussreaktionen führen: „Ich lasse mir den Spaß am Autofahren nicht nehmen“, sagte der Sauerländer – erneut hatte er den Saal auf seiner Seite. Mindestens ebenso wichtig ist aber das von ihm vorgetragene Argument: „Die Menschen in den ländlichen Regionen brauchen das Auto, um zur Arbeit zu kommen.“

Die Frage sei, ob Deutschland auch beim Kampf gegen den Klimawandel eine führende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien einnehmen oder dafür im Ausland bezahlen wolle.

Ein europäischer Schritt

Wie groß der Umbruch ist, in dem die Welt sich befindet, erklärte Merz so: „Erst waren Ackerbau und Viehzucht, dann kam die Dampfmaschine, jetzt sind wir in der Digitalisierung, und wir stehen vor der Dekarbonisierung.“ Und Merz appellierte: „Wir müssen das gemeinsam europäisch lösen, Deutschland muss dabei der Schrittmacher sein.“

Und bei all dem ist für Merz CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet der richtige Mann: „Diesem Mann kann man die Bundesrepublik anvertrauen – er hat verstanden, vor welchen Herausforderungen dieses Land steht.“

Von Till Conrad

15.09.2021
15.09.2021