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Hinterland Freie Zeit fürs Freizeitzentrum
Landkreis Hinterland Freie Zeit fürs Freizeitzentrum
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15:58 23.06.2021
Die Sommerrodelbahn im Freizeitzentrum ist jetzt im zweiten Jahr Pandemie-bedingt geschlossen. Die Stadt Biedenkopf geht davon aus, dass 84 der 154 Elemente erneuert werden müssten, bevor die Bahn wieder in Betrieb gehen könnte.
Die Sommerrodelbahn im Freizeitzentrum ist jetzt im zweiten Jahr Pandemie-bedingt geschlossen. Die Stadt Biedenkopf geht davon aus, dass 84 der 154 Elemente erneuert werden müssten, bevor die Bahn wieder in Betrieb gehen könnte. Quelle: Foto: Mark Adel
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Biedenkopf

Sommerrodelbahn und Sessellift stehen seit zwei Jahren still. Ob die Anlagen auf der Sackpfeife 2022 wieder laufen, kann die Stadt nach eigenen Angaben derzeit nicht beantworten. Die Wiederaufnahme des Betriebs würde viel Geld kosten. Allein für die Rodelbahn müssten neue Elemente im Wert von 84 000 Euro her. Entscheiden muss die Politik.

Pandemie-bedingt war das Freizeitzentrum im vergangenen Jahr geschlossen. Und auch 2021 bleiben Rodelbahn, Sessellift, Bungee und Scooter zu. „Wir haben uns im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2021 darauf verständigt, keine Mittel für Sanierungsmaßnahmen und den Betrieb bereitzustellen“, berichtet Wolfgang Müller, städtischer Fachdienstleiter für Freizeit, Tourismus und Kultur.

Die Entscheidung fiel demnach unter dem Eindruck der angespannten Haushaltslage im Herbst letzten Jahres. Infolge der Pandemie waren die Steuereinnahmen der Stadt 2020 eingebrochen. Und es war klar, dass der städtische Haushalt 2021 nur mit großer Mühe würde ausgeglichen werden können.

Für das Freizeitzentrum hätte die Stadt für dieses Jahr Betriebskosten in Höhe von 230 000 Euro einplanen müssen, sagt Gerold Schneider, Fachdienstleiter für Finanzen. Hinzu wären Kosten für Investitionen gekommen. Dieses Geld habe die Stadt nicht. Schneider: „Hätten wir das Freizeitzentrum in Betrieb genommen, hätten wir keinen Haushaltsausgleich geschafft und hätten schlicht und einfach keine Haushaltsgenehmigung bekommen.“

Dass der Betrieb des Freizeitzentrums tatsächlich so teuer ist, untermauert Wolfgang Müller mit Zahlen aus den Jahren vor Corona. Demnach hat die Stadt 2017 bei den laufenden Betriebskosten ein Defizit von 196 000 Euro auf der Sackpfeife eingefahren. 2018 lag das Minus bei 193 000 Euro. 2019 betrug es 267 000 Euro. Und: Dabei seien Investitionen noch nicht mitgerechnet, betont Müller.

Überhaupt: die Investitionen. Was da auf die Stadt zukommt, wenn Rodelbahn und Lift 2022 wieder laufen sollen, dazu will Bauamtsleiter Thorsten Schmack derzeit nicht mal ansatzweise eine Kostenschätzung abgeben. Klar wird aber: Die Probleme der alten Anlagen – der Lift ist Baujahr 1978, die Rodelbahn stammt aus 1980 – sind enorm.

„Die Sommerrodelbahn besteht aus 154 Segmenten, davon sind 84 noch original. Sprich: Die sind schon über 40 Jahre alt“, erklärt Wolfgang Müller. 70 Segmente seien inzwischen erneuert worden. „Ich gehe heute davon aus, dass wir vor der Inbetriebnahme alle alten Elemente erneuern müssten“, sagt Müller.

Ein neues Element koste rund 1 000 Euro. Bei 84 Elementen kämen somit 84 000 Euro zusammen. Hinzu kämen noch die Kosten für den Einbau der neuen und die Entsorgung der alten Elemente.

Laut Müller gibt es zudem ein Beschaffungsproblem: Ersatzteile für Rodelbahn und Lift seien nur noch mit Mühe zu bekommen. Die Anlagen seien veraltet, es gebe kaum noch Hersteller. Die Wartezeiten seien lang. Wie lange es Rodelbahn-Elemente überhaupt noch geben wird, sei offen. Müller: „Wir haben seit Jahren Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung“.

Und dann sind da noch die von der Aufsichtsbehörde vorgeschriebenen Sicherheitsauflagen. „Wenn wir den Sessellift 2022 wieder in Betrieb nehmen wollten, müssten wir ein Brandschutzgutachten erstellen. Und die darin aufgeführten Maßnahmen müssten umgesetzt werden“, sagt Müller. Insbesondere der Brandschutz an Berg- und Talstation könnte dabei zum Problem werden.

„Berg- und Talstation sind hölzerne Bauwerke. Da würde es einiges abzuarbeiten geben“, befürchtet Bauamtsleiter Schmack. Zudem müsse die Stadt herausarbeiten, wie sie im Notfall Besucher von der Sesselbahn evakuieren würde. Weitere Auflagen könnten infolge der Jahresprüfung 2022 – eine Art TÜV für den Sessellift – auf die Stadt zukommen.

Die Biedenkopfer Politik steht somit vor der Frage, ob sie 2022 hohe Summen ausgeben will, um Rodelbahn und Lift wieder in Betrieb nehmen zu können. Entscheidet sie sich dagegen, könnte das auch auf die dauerhafte Stilllegung der Anlagen hinauslaufen.

Stadt steckt 25 000 Euro in Erneuerung des Spielplatzes

„Das ist eine schwierige Aufgabenstellung für die neue ,AG Sackpfeife‘“, sagt Bauamtsleiter Schmack mit Blick auf die Arbeitsgruppe, die das Biedenkopfer Parlament eingerichtet hat. Die „AG Sackpfeife“ soll beraten, wie es kurz- und langfristig mit dem Freizeitzentrum weitergehen soll.

Schmack und Müller betonen dabei, dass die Stadt aktuell den Parkplatz und die Wanderwege an der Sackpfeife weiter bewirtschaftet. Auch die Grillplätze können weiterhin gemietet werden. Und den Spielplatz wird die Stadt in diesem Jahr erneuern: 25 000 Euro sind dafür eingeplant. Im Übrigen gilt laut Müller: Wer aus früheren Jahren noch nicht eingelöste Tickets für die Rodelbahn besitzt, kann die bei der Stadt zurückgeben.

Offen ist, was aus den Plänen für die neue Berggaststätte wird. Die Baugenehmigung liegt vor. Laut Schmack hat die Stadt auch Fördermittel für den Neubau in Aussicht. Einen Pächter für die Gaststätte hat sie aber nicht gefunden. Deshalb geht es mit dem Projekt im Moment nicht weiter.

Für das Freizeitzentrum wiederum gibt es ein Stufenkonzept, das Millionenprojekte wie den Bau einer Ganzjahresrodelbahn vorsieht. Dieses Konzept soll auch Grundlage für die Beratungen der neuen „AG Sackpfeife“ sein.

Inwieweit die Biedenkopfer Politik das ambitionierte Konzept aber umsetzen kann und will, wird vermutlich nicht zuletzt von der Entwicklung der städtischen Finanzen in den kommenden Jahren abhängen.

Von Susan Abbe