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Hinterland Fortbestehen der Gemeinschaftspraxis ist besiegelt
Landkreis Hinterland Fortbestehen der Gemeinschaftspraxis ist besiegelt
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13:00 19.12.2021
Ärztin Ulrike Griesel beobachtet, wie Dr. Franziska Bartl die Urkunde über die Ansiedlungsförderung für Landärzte gegenzeichnet. Diese überbrachte Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt, da Bartl Griesels Anteil an der Gemeinschaftspraxis in Friedensdorf übernimmt.
Ärztin Ulrike Griesel beobachtet, wie Dr. Franziska Bartl die Urkunde über die Ansiedlungsförderung für Landärzte gegenzeichnet. Diese überbrachte Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt, da Bartl Griesels Anteil an der Gemeinschaftspraxis in Friedensdorf übernimmt. Quelle: Gianfranco Fain
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Friedensdorf

In der Gemeinschaftspraxis Griesel und Schwarz in Friedensdorf läuft alles wie vorgesehen. Zum 1. Januar übernimmt Dr. Franziska Bartl den Anteil von Ulrike Griesel an der ältesten Landarztpraxis in dem Ort der Gemeinde Dautphetal. Viele der rund 2 000 Patienten kennen Franziska Bartl schon, da sie seit rund einem Jahr in der Praxis tätig ist. Nach dem im Sommer erfolgten Ablegen der Prüfung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin ist für die zweifache Mutter nun auch der Zeitpunkt gekommen, den halben Anteil an der Praxis zu übernehmen.

Die andere Hälfte hält weiterhin Hans Georg Schwarz, bis sein Sohn Jan ebenfalls die Ausbildung zum Facharzt beendet, den Anteil des Vaters übernimmt und mit Franziska Bartl die Gemeinschaftspraxis weiterführt. Bis dahin ist Dr. Bartl aber nicht auf sich allein gestellt. Vielmehr sichert ihr Ulrike Griesel Hilfe zu, steht bereit, „wenn die Hütte brennt“.

Das war am Mittwoch nicht der Fall, vielmehr gab es einen freudigen Anlass. Bürgermeister Bernd Schmidt überbrachte die Bewilligung der Ansiedlungsförderung für Hausärzte der Gemeinde Dautphetal.

Fortbestand von drei Praxen

Froh und dankbar sei er, dass die beiden Ärzte zwei Nachfolger fanden und eine traditionelle Praxis, wo der Landarzt seine Patienten noch fast das ganze Leben lang kenne, so am Leben erhalten werden kann, sagte Schmidt. Das sei heutzutage nicht mehr so selbstverständlich, weil die Praxen immer größer, schöner und moderner sein müssten, merkte Schmidt an, und wie Griesel ergänzte, viele junge Kollegen nur halbtags arbeiten wollen. Dem Bürgermeister zufolge, „ist und bleibt“ die ärztliche Versorgung eine Aufgabe der Daseinsversorgung der Kommunen vor Ort.

Er freut sich, dass die Bemühungen der Gemeinde fruchteten und die Ansiedlungsförderung der Gemeinde dazu beitrug, den Fortbestand von drei Praxen in Friedensdorf, Dautphe und Holzhausen zu sichern.

Die Politik habe den richtigen Weg eingeschlagen und man werde in Dautphetal die Hände nicht in den Schoß legen, auch wenn Dr. Schirnding in Buchenau versichert habe, noch einige Jahre weiter zu praktizieren, ergänzte Bürgermeister Schmidt, der den Freien Wählern angehört.

Hohes Durchschnittsalter

Angesichts des hohen Durchschnittsalters der praktizierenden Hausärzte, dem Ausbleiben von Nachfolgern und dem damit einhergehenden Verlust mehrerer Praxen beschloss die Dautphetaler Gemeindevertretung im Jahr 2017 auf Initiative der CDU-Fraktion, die Ansiedlung von Ärzten mit einem Geldbetrag zu fördern. Die Förderung war umstritten, die SPD-Fraktion und ein Teil der Freien Wähler stimmten dagegen. Ende 2018 stand auch die Höhe der Förderung fest, kurz nach dem Satzungsbeschluss kam es auch zur Bewilligung der ersten 20 000 Euro.

Entscheidend für ihren Entschluss sei zwar das zwischenmenschliche Verständnis mit ihren Kollegen, erklärte Dr. Franziska Bartl, doch die Ansiedlungsförderung sei ein attraktiver Anreiz. Die 20 000 Euro will sie für Investitionen in die Ausstattung der Praxis nutzen, wie zum Beispiel ein neues EKG- und auch ein Ultraschall-Gerät sowie die Telematik-Infrastruktur.

Die finanzielle Hilfe ist umso willkommener, da Bartl von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen keinen Zuschuss mehr erhält. „Richtig ärgerlich“ findet dies Ulrike Griesel, da die 66 000 Euro praktisch schon zugesagt waren. Doch nun heiße es, die Gemeinde Dautphetal sei nicht mehr förderungswürdig.

Die Gemeinde fördert dagegen sogar künftige Ärzte. Studierende der Medizin können ein Stipendium erhalten, wenn sie sich zu einer zeitlich begrenzten Tätigkeit innerhalb der Gemeinde nach Studienende verpflichten.

Von Gianfranco Fain