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Hinterland „Fohlen war bei der Geburt nicht lebensfähig“
Landkreis Hinterland „Fohlen war bei der Geburt nicht lebensfähig“
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13:04 21.04.2021
Regina Hillesheim mit Hatta, der Mutter des toten Fohlens.
Regina Hillesheim mit Hatta, der Mutter des toten Fohlens. Quelle: Nadine Weigel
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Wiesenbach

Wurde das am Ostersamstag bei Familie Hillesheim auf der Pferdeweide entdeckte Fohlen von einem Wolf gerissen? Diese Frage wird wohl weiterhin unbeantwortet bleiben. Denn gestern wurde das Ergebnis der DNA-Analyse bekannt. Und die lautet: „Es ist keine Artbestimmung möglich.“ Auf Nachfrage der OP erläuterte Susanne Jokisch, die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen, warum:

„Das Gelingen der genetischen Beprobung von Kadavern hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem ist es wichtig, dass die Beprobung möglichst innerhalb des Tages des Auffindens, aber spätestens am nächsten Tag erfolgt“, erklärt die Diplom-Biologin. Dieser Zeitraum sei im vorliegenden Fall – trotz der Osterfeiertage – gut eingehalten worden. Die Islandpferde-Züchter Peter und Regina Hillesheim hatten kurz nachdem sie den schrecklichen Fund gemacht hatten, das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) informiert. Eine Mitarbeiterin des Wolfsmonitorings war daraufhin nach Wiesenbach gefahren und hatte das Fohlen mitgenommen, sodass noch am selben Tag eine DNA-Probe genommen werden konnte.

Allerdings hatten die Hillesheims das Fohlen in einen Plastiksack gewickelt und vom „Tatort“ entfernt. „Verständlicherweise“, muss auch die Wolfsbeauftragte zugeben. Denn der Anblick des Fohlens war entsetzlich: Es lag in einer Blutlache, die Organe waren weggefressen. „Das sollten die Nachbarskinder nicht sehen“, erklärte Regina Hillesheim. Die Weide grenzt nämlich direkt an ein Wohngebiet.

Durch das Einwickeln in einen Plastiksack könne es allerdings passiert sein, dass genetische Spuren verwischt oder überdeckt wurden, so Jokisch. „Es kann aber genauso gut sein, dass tatsächlich kein großer Beutegreifer, auf den hier getestet wurde, Kontakt mit dem Fohlen hatte“, sagt die Wolfsbeauftragte. Denn im Rahmen des Wolfsmonitorings werde gezielt auf Wolf, Hund und Goldschakal getestet. „Dazu werden spezielle Markersysteme eingesetzt, die DNA-Spuren dieser genannten Arten anzeigen würden. Es ist also gut möglich, dass weder Hund noch Wolf am Fohlen gefressen haben“, erläutert die Expertin. Sollten Wildschweine, Füchse oder andere Aasfresser wie zum Beispiel Marder oder Waschbär für die Fraßspuren am toten Fohlen verantwortlich sein, würde dies nicht über diese Markersysteme angezeigt.

Neben der DNA-Analyse wurde der Kadaver des Fohlens auch pathologisch untersucht. Der vorläufige Befund habe ergeben, dass das Fohlen „nicht lebensfähig war“, so Jokisch. Ob es sich um eine Totgeburt handelte oder kurz nach der Geburt verendet ist, sei laut Jokisch noch offen. Allerdings handele es sich „bei der überwiegenden Anzahl der dem HLNUG gemeldeten Nutztierkadaver um Totgeburten, die postmortal von Aasfressern genutzt wurden“, erklärt die Wolfsbeauftragte auf Nachfrage der OP. Die Beprobung dieser Kadaver bringe dann häufig das Ergebnis „keine Artbestimmung möglich“.

Für Regina und Peter Hillesheim ist dieses „Ergebnis“ sehr unbefriedigend. „Besser schlafen können wir damit nicht“, so Regina Hillesheim. Sicherheitshalber haben sie die tragenden Stuten, die in den nächsten Wochen noch Fohlen zur Welt bringen sollen, auf einer anderen Weide untergebracht.

Von Nadine Weigel

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