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Hinterland Förster: „Es wird mir nicht schwer gemacht“
Landkreis Hinterland Förster: „Es wird mir nicht schwer gemacht“
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10:58 01.05.2020
„Es läuft gut“, sagt Eckehard Förster, der seit etwas mehr als fünf Wochen in Siegbach als Staatsbeauftrager eingesetzt ist. Quelle: Katrin Weber
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Herborn-Seelbach

„Ich bin Rentner“, sagt Eckehard Förster, lacht und lehnt sich entspannt in seinem Bürostuhl zurück. Der ehemalige Bürgermeister von Siegbach ist seit fünf Wochen quasi nicht mehr „a.D.“ und nun wieder an seiner alten Wirkungsstätte aktiv: Als Staatsbeauftragter regelt er derzeit die Verwaltungsaufgaben im Rathaus in Eisemroth. Ob sein Vorhaben, alle zusammenzubringen und miteinander zu reden, bisher klappt, hat er im Gespräch verraten. Vorweg: „Es läuft ordentlich.“

Förster sieht die ersten Wochen als Staatsbeauftragter in Siegbach bisher durchweg positiv: „Es wird mir nicht schwer gemacht.“

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Der 76-Jährige kommt bei vielen gut an, gilt als vertrauenswürdig und als jemand, der nach Lösungen sucht. So viel klingt bei seinen Worten durch, wenn er zufrieden sagt: „Der Rückhalt bei den Bürgern ist schon gut.“

Seit etwas mehr als fünf Wochen sitzt er nun im Bürgermeisterbüro in der Siegbacher Gemeindeverwaltung und vertritt als Staatsbeauftragter den seit dem vergangenen Sommer erkrankten Bürgermeister Berndt Happel.

Als Förster, der die Gemeinde aus seiner Zeit als Bürgermeister in den Jahren 1998 bis 2010 gut kennt, das Amt antrat, stand für ihn fest: Man müsse miteinander reden und dafür alle an einen Tisch holen. Zur Erinnerung: In Siegbach waren die Kosten für die geplante Sanierung des Bürgerhauses und den vorgesehenen Anbau explodiert. Dies stieß auf heftige Kritik aus der Bevölkerung, es bildete sich eine Bürgerinitiative. Die Fronten schienen verhärtet. Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen haben Försters Pläne, mit allen Beteiligten zu reden, nicht durchkreuzt. „Wir nutzen das Telefon. Das klappt hervorragend“, sagt der 76-Jährige. Außerdem treffe sich montags der Gemeindevorstand zu seinen Sitzungen, natürlich mit Abstand, versichert Förster. Dieses Gremium war in Siegbach einige Zeit nicht handlungsfähig. Seit Mitte März kann der Gemeindevorstand wieder entscheiden.

Auch von dieser Zusammenarbeit ist der Staatsbeauftragte angetan. „Es funktioniert bestens. Jeder sagt: ,Jetzt wollen wir‘“, beschreibt Förster den Schwung und das anscheinend neue Credo in dem Gremium. Allerdings sieht er, dass die Bürger derzeit nicht zusammen zu bekommen sind. Bei diesem Vorhaben hat ihm das Coronavirus bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Förster ist sich aber sicher, dass alle wissen und angekommen ist: Das Bürgerhausprojekt hat Priorität. „Die energetische Sanierung mit allem, was dazu gehört, aber ohne die ursprünglich geplanten baulichen Veränderungen beschäftigt uns intensiv“, sagt er über die Arbeit in der kleinen Gemeindeverwaltung. Sechs Mitarbeiter hat er, mehr nicht. Mit ihnen und den Kommunalpolitikern versucht er, die Sanierung wieder auf Kurs zu bringen. Schon in der kommenden Sitzung möchte Förster das Thema gerne auf die Agenda setzen.

Dabei spielt Siegbach in die Karten, dass wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus die Abgabefrist für die Abrechnung des Projekts verlängert worden ist, sagt er: „So haben wir die Chance, die Zuschüsse für die energetische Sanierung abzugreifen. Diese Chance wollen wir nutzen.“ Rund 300 000 Euro von Bund und Land wären dies. In der Verwaltung sei man dran, mit der Gemeindevertretung und den Ausschüssen den Baubeginn zu forcieren.

Ausschüsse ist das nächste Stichwort. Sie sind in Siegbach derzeit nicht funktionsfähig. Friedhelm Wisthof hat die SPD-Fraktion verlassen und ist nun fraktionsloser Gemeindevertreter. Dadurch müssen die Ausschüsse umbesetzt werden. Der Ältestenrat sollte eine Lösung dafür erarbeiten. Ob dies geklappt hat, wird sich in der nächsten Parlamentssitzung zeigen, die voraussichtlich in der ersten Maihälfte stattfinden wird.

Es gibt noch ein paar weitere Themen, die dem Staatsbeauftragten unter den Nägeln brennen. Beispielsweise ist die Jagdgenossenschaft derzeit ohne Vorstand. Sobald wie möglich müsse es eine Versammlung der Jagdgenossenschaft geben, um diese Lücke zu schließen. Der Einbau von Funkwasserzählern gehört ebenfalls zu den Punkten, die schnell geklärt werden müssten.

Der Staatsbeauftragte will zu all dem die Siegbacher Bürger „ins Boot holen“. Er sagt: „Wenn es möglich ist, dass man wieder eine Versammlung abhalten kann, wird zu einer Infoveranstaltung durch die Gemeinde eingeladen.“

Sein persönliches Zwischenfazit nach den ersten Wochen als Staatsbeauftragter in Siegbach? „Ich habe keinen erhöhten Blutdruck“, sagt er lachend. Ob dies auch am positiven Echo der Bürger ihm gegenüber liegt, weiß er nicht: „Die Bürger wissen, es wird eine Entscheidung geben. Es wird mit ihnen gesprochen, und das offene Ohr in der Verwaltung ist da.“

Von Katrin Weber

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