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Hinterland „Dieser Verein lebt für die Jugend“
Landkreis Hinterland „Dieser Verein lebt für die Jugend“
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17:58 30.07.2020
Viel Erfolg beim Bau des Kunstrasenplatzes: Staatssekretär Dr. Stefan Heck übergab Katrin Happel den Bescheid für die Landesförderung in Höhe von 84.000 Euro. Quelle: Michael Tietz
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Erdhausen

„Ein Verein – eine Familie“ steht auf den roten Poloshirts. Dass dies nicht nur ein netter Slogan ist, beweist die Vorstandsriege des Sportvereins Kickers Erdhausen ihren Ehrengästen auf eindrucksvolle Art.

Mit Herzlichkeit und kleinen Geschenken bedanken sich die Fußballfreunde für die Förderbescheide, die ihnen Vertreter von Land, Kreis und Stadt für den Bau des Kunstrasenplatzes übergeben.

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Für 430.000 Euro bekommt die Sportanlage am Hasengarten ein neues Gesicht. Der alte Tennenplatz hat ausgedient und wird nun in einen modernen, ganzjährig bespielbaren Kunstrasenplatz umgewandelt. Dabei verzichten die Bauherren komplett auf Gummigranulat als Füllstoff für die Spielfläche.

Die Bedeutung des Bauvorhabens unterstreicht Carsten Brück vom geschäftsführenden Vorstand: „Nur so kann der SV Kickers Erdhausen seinen Fortbestand sichern – dieser Verein lebt für unsere Jugend und unsere Zukunft.“ Dies soll Anfang 2021 und damit rechtzeitig zum 100. Vereinsjubiläum fertig sein.

Verein stemmt mehr als die Hälfte allein

Der offizielle Baustart für den Kunstrasenplatz hängt von der Rodungsgeneh­migung ab. Die liegt noch nicht vor. Beantragt hat der Verein außerdem eine Baugenehmigung für einen Parkplatz, der „nebenbei“ noch entstehen soll. Mehr als 5.000 Arbeitsstunden wollen die Sportfreunde aus Erdhausen für ihr Zukunftsprojekt aufbringen, 820 haben sie bereits in den Abbau der alten Infrastruktur am Hasengarten investiert.

Mit Eigenmitteln und Manpower stemmt der Sportverein mehr als die Hälfte der Gesamtkosten für den neuen Platz. Der Förderkreis der Kickers bietet Sportfreunden zudem die Möglichkeit, Rasenpate zu werden. Die dazu ins Leben gerufene Spendenaktion steht unter dem Motto „Mach mit beim Zukunftsprojekt Kunstrasen“. Unter der Internet-Adresse  kickers-erdhausen.fussball-kunstrasen.de findet sich ein virtueller Sportplatz. Dort können sich Freunde und Förderer des Vereins eine oder mehrere Parzellen des Kunstrasenplatzes sichern.

„In vielerlei Hinsicht ein besonderer Verein“

Dass Ausdauer und Eigenleistungen den Ehrenamtlichen nicht fremd sind, macht Brück während der kleinen Feier am Beispiel vorheriger Projekte der Kickers deutlich. Die brachten 2003 ihren Hartplatz wieder in Schuss, legten ein Rasenkleinspielfeld an, installierten eine neue Flutlichtanlage und nahmen ab 2008 Schritt für Schritt die Modernisierung des Sportheims in Angriff.

Der SV Kickers Erdhausen sei „in vielerlei Hinsicht ein besonderer Verein“, stellt Dr. Stefan Heck (CDU) anerkennend fest. Der Staatssekretär im Hessischen Innenministerium verweist auf das Engagement der Verantwortlichen im sportlichen sowie insbesondere im gesellschaftlichen Bereich. So integrierte der Sportverein Flüchtlinge in seine Fußball-Abteilung. Außerdem riefen die Kickers eine Aktion ins Leben, mit der sie unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern unbürokratisch helfen.

Mit 84.000 Euro unterstützt das Land Hessen den Bau des Kunstrasenplatzes. „Wir sind uns sicher, dass dieses Geld bei ihnen in guten Händen ist und wir damit einen Beitrag leisten, damit die beeindruckende Geschichte ihres Vereins in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht weiter gelingen wird“, betont Heck.

„Vereine sind Rückgrat des Landkreises“

Die Landesregierung investiert in diesem Jahr knapp 20 Millionen Euro in den Sportstättenbau und die Sanierung von Sportanlagen. Die Sportförderpolitik setzt laut Heck bei den kleinsten Einheiten an: bei den Vereinen und Kommunen. Dort könne die Landesregierung den Bestand und die Vielfalt des Sports sichern. „Das fördert die Motivation aller in den Vereinen, gemeinsam Sport zu treiben und sich einzubringen“, sagt der Staatssekretär.

Wie wichtig es ist, ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen, unterstreicht auch Landrätin Kirsten Fründt (SPD): „Vereine sind nicht nur das Rückgrat unserer Gesellschaft, sondern des gesamten Landkreises.“ Der Sport sorge eben nicht nur dafür, dass sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bewegten, sondern dass Gesellschaft gestaltet und mitgeprägt werde. Für das Ziel, den SV Erdhausen mit einem neuen Platz nachhaltig in die Zukunft zu bringen, stellt der Kreis 38.000 Euro bereit.

Falk sieht „viel Begeisterung und Engagement“

„Alle Achtung, was ihr geleistet habt und was ihr noch leisten müsst“, betont Bürgermeister Peter Kremer (parteilos). Er lässt es sich an seinem Geburtstag nicht nehmen, den Fußballfreunden ebenfalls viel Erfolg für ihr großes Bauvorhaben zu wünschen. Das Gladenbacher Parlament hatte bereits im November 2018 einstimmig eine maximale Förderung von 40.000 Euro genehmigt. „Die erste Rate ist überwiesen“, versichert Kremer.

Landtagsabgeordneter Horst Falk (CDU) bescheinigt den Sportfreunden ebenfalls „viel Begeisterung und Engagement“. Er erinnert außerdem an den verstorbenen Finanzminister Thomas Schäfer, der sich sehr stark für das Kunstrasen-Projekt eingesetzt habe.

Als kleines Dankeschön für die Finanzspritzen gibt es für die Ehrengäste neben einem Imbiss auch Geschenke: passend zur aktuellen Lage einen Mund-Nasen-Schutz in den Vereinsfarben und mit dem Logo der Kickers.

Wie die „Kickers“ zu ihrem Namen kamen

Der SV „Kickers“ Erdhausen blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Karl Werner hatte 1921 die Idee, mit Gleichgesinnten den Sportverein zu gründen. Bei der Namenssuche half Werners Schwiegervater Ludwig Evelbauer mit. Er brachte in den Wintermonaten Wollware nach Offenbach.

Sein Quartier bezog er im Vereinslokal von Kickers Offenbach. Deshalb laufen die Erdhäuser Fußballer unter dem Namen „Kickers“ auf. Ihre Vereinsfarben sind ebenfalls Rot-Weiß.

Die ersten Heimspiele trug der Klub nahe der Kuhrtsmühle aus. Später zogen die Fußballer von den Wiesen an der Salzböde hinauf zum Hasengarten.

Von Michael Tietz

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