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Hinterland „Mehr Veränderung geht nicht“
Landkreis Hinterland „Mehr Veränderung geht nicht“
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16:24 08.08.2017
Unternehmer Wolf Hoppe (links) und Betriebsleiter Thomas Hahn im Versandbereich des umstrukturierten HOPPE-Werkes in Crottendorf. Foto: Silke Koppers
Unternehmer Wolf Hoppe (links) und Betriebsleiter Thomas Hahn im Versandbereich des umstrukturierten HOPPE-Werkes in Crottendorf. Quelle: Silke Koppers
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Crottendorf

1990, mit der Wiedervereinigung Deutschlands, waren Friedrich Hoppe und seine Söhne fest entschlossen, beim Aufbau der freien und sozialen Marktwirtschaft im Osten Deutschlands aktiv mitzuwirken. Nach Sondierungen, Gesprächen vor Ort und dann mühsamen Verhandlungen mit der Treuhandanstalt (THA) wurde am 1. Juli 1991 in Crottendorf ein ehemaliger Volkseigener Betrieb zur Herstellung von Beschlägen, der unter der Verwaltung der THA stand, übernommen – mit allen damals 98 Mitarbeitern.

Parallel dazu wurde ein neues Werk im gerade entstehenden Gewerbegebiet gebaut, das 1993 eingeweiht wurde. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 252. Von Anfang an habe es sich um ein Werk mit kompletter Wertschöpfung gehandelt – also nicht um eine „verlängerte Werkbank“, wie sie sich viele Unternehmen aus Westdeutschland in dieser Zeit aus Kostengründen im Osten schufen, teilt HOPPE mit.

Die Werksgeschichte begann mit der Fertigung von Beschlägen aus Aluminium, was die nächsten gut zwei Jahrzehnte die Kernkompetenz des Betriebes blieb. Aber auch Beschläge aus Messing wurden zwischenzeitlich hergestellt, zeitweise erfolgte die Auslieferung von in anderen Werken gefertigten Produkten für die Bau- und Heimwerkermärkte von Crottendorf aus. Und auch die Montage für Klein- und Kleinstaufträge fand dort statt.

Seit 1997 hat das Werk mit 31.500 Quadratmetern Produktionsfläche kontinuierlich mehr als 500 Mitarbeiter, die sich bei allen Herausforderungen immer wieder gut bewährt hätten.

Paket umfasst rund ein Dutzend Einzelprojekte

2012 wurde das „Strategie-Projekt“ der HOPPE-Gruppe gestartet. „Die Strukturen zu renovieren, um die Wirksamkeit der Prozesse des Unternehmens zu optimieren und so den Nutzen für die Kunden zu maximieren, war das Ziel des ‚intensivsten Fitness-Programms‘ in unserer Geschichte bisher“, erklärt Unternehmer Wolf Hoppe.

Das Gesamtpaket umfasst etwa ein Dutzend von Einzelprojekten, die alle Bereiche des Unternehmens betreffen. Zur Optimierung der Produktion wurden die Kompetenzen der Produktionsstätten in Deutschland, Italien und Tschechien gebündelt und die Werke wurden auf ihre Stärken fokussiert.

Nach intensiven Planungen begannen Ende 2013 in Crottendorf die Umgestaltungen: Das Werk sollte von einem Betrieb zur Herstellung von Aluminium-Beschlägen zu einem Montage- und Logistik-Zentrum für die gesamte HOPPE-Gruppe werden – „mehr Veränderung geht nicht“.

Maschinen und Anlagen wurden „in vollem Lauf“ in andere Werke verlagert. Einen wichtigen Einschnitt habe dabei der Abbau von Eloxal- und Abwasseranlage markiert, wie Mitarbeiter erzählen. Neue Montagearbeiten aus den anderen Werken kamen im Gegenzug ins Erzgebirge. Ein neues Lager- und Transportsystem wurde geplant.

Mannsgroße Sägeblätter durchschneiden den Beton

Umfangreiche Bauarbeiten starteten 2015 als Voraussetzung für das neue Nutzungskonzept. Thomas Krüger, Mitglied des Betriebsleitungsteams und von Anfang an führend am Projekt beteiligt, ist in diesem Zusammenhang als besonders beeindruckend in Erinnerung, dass drei Durchbrüche durch die 50 Zentimeter starken Decken für die „Heber“ nötig waren. Die Löcher wurden mit mannsgroßen Sägeblättern in den Stahlbeton geschnitten.

Ein hoher einstelliger Millionenbetrag wurde in Montage- und Lagertechnik investiert. Weitere Verlagerungen zwischen den Werken fanden statt. Eine Verzögerung bei den Arbeiten gab es ab November 2016. Der von Fachleuten empfohlene Weg, eine neue Unternehmens-Software und das ­Lagerverwaltungssystem gleichzeitig einzuführen, war nicht erfolgreich.

Eine grundlegend neue personelle, organisatorische und technische Konzeption war nötig. Auch, wenn die Umsetzung der Planung damit länger gedauert habe und teurer geworden sei, als geplant – heute könne das „neue“ Werk mit Zuversicht in die Zukunft schauen, teilt HOPPE mit.

Montiert werden demnach in Crottendorf rund 35.000 Fertigproduktvarianten. Das Lager- und Transportsystem ist seit März in Betrieb und befindet sich derzeit in der Optimierungsphase. Die interne Transportstrecke ist gut einen Kilometer lang, die mehr als 40 autonomen Transportroboter befördern die Aufträge auf den verschiedenen Ebenen, die mit Hebestationen verbunden sind.

Neben der Montage der Klein- und Kleinstserien und der Logistik wird im Werk noch Halbfertigware aus Stahl und Zink hergestellt – ein wenig Produktion gebe es noch an dem Standort. Doch insgesamt sei der Betrieb, in dem derzeit 638 Mitarbeiter tätig sind, ein völlig anderer geworden. Ende des Jahres dürften die letzten Verlagerungen abgeschlossen sein. Die Bedeutung des Werkes für die gesamte HOPPE-Gruppe sei schon jetzt eine noch wichtigere als früher, teilt das Unternehmen mit.