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19:05 13.03.2017
Damit es mit dem Dorftreff vorangeht, übergab Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (rechts) dem Vorsitzenden der „Dammer Spatzen“, Kurt Rink (links), 2000 Euro. Foto: Gianfranco Fain
Damit es mit dem Dorftreff vorangeht, übergab Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (rechts) dem Vorsitzenden der „Dammer Spatzen“, Kurt Rink (links), 2000 Euro. Quelle: Gianfranco Fain
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Damm

Was machen engagierte Menschen, wenn es im Dorf keine Gaststätte mehr gibt, das Dorfgemeinschaftshaus zum Verkauf steht und auch noch die Feuerwehr fusioniert und ins neue Feuerwehrgerätehaus im Gemeindemittelpunkt zieht? Die Dammer vereinten zwei Vereine und kauften der Gemeinde das Feuerwehrgerätehaus ab.

„Der Kaufpreis war gut, das Engagement war gut“, beschreibt Bürgermeister Georg Gaul die damalige Situation. Zum 1. Januar, nach dem Umzug der Feuerwehrabteilung, unterzeichneten die Vertreter der Gemeinde Lohra und der Dammer Spatzen den Kaufvertrag.

Für 3000 Euro ging das Feuerwehrgerätehaus samt 400 Quadratmeter großem Grundstück in den Besitz des „Dammer Spatzen – Dorf- und Feuerwehrverein“ über. Zudem verpflichtete sich der Verein, 20 Jahre lang den benachbarten Spielplatz zu pflegen und bei Bedarf Spielgeräte zu ersetzen sowie für fünf Jahre dem gemeindlichen Bauhof die Pflege des Bleichplatzes abzunehmen.

Tradition des Feuerwehrvereins weiterführen

Das dürfte für den Verein kein Problem sein, stieg die Mitgliederzahl doch schnell auf 78 an. „Die meisten waren schon in beiden Vereinen“, erklärt Vorsitzender Kurt Rink, der mit Peter Müller und Horst Friebertshäuser das Team an der Spitze der Spatzen bildet. Doch auch aus den Nachbarorten schlossen sich einige Interessierte dem neuen Projekt an.

Denn der neue Zusammenschluss will die Tradition des Feuerwehrvereins weiterführen und aus der Fahrzeuggarage einen großen Raum für Feiern der Bevölkerung entstehen lassen sowie den Schankraum als Vereinstreff erhalten. So soll sich das ehemalige Feuer­wehrgerätehaus unweit des Dorfgemeinschaftshauses zum Dorfmittelpunkt entwickeln.

„Wir haben im Dorf sonst keine Möglichkeit zu Veranstaltungen im kleinen Rahmen“, sagt Rink. Und so packten die Dammer an. Schon 600 Stunden an Arbeitsleistungen steckten sie in das Gebäude, am sichtbarsten ist das in der alten Fahrzeughalle. Die weist schon eine neue Zwischendecke auf, und Elektrokabel für die Beleuchtung sind gelegt.

Diese Woche sollen die schon entfernten Tore durch einen neuen Zugang ersetzt werden. Wobei neu relativ ist. „Die Tür haben wir vom Altenheim in Gladenbach“, erzählt Bernd Jung. Unentgeltlich ging das, im Tausch mit dem Ausbau. Man habe auch schon Fenster aus Frankfurt geholt, berichtet Jung und nennt auch gleich den Grund: Nur so geht‘s, die Kosten niedrig zu halten.

Schäfer lobt „bemerkenswerte Initiative“

Rund 11.000 Euro haben die Dammer schon in das Gebäude investiert. „Etwa 15.000 Euro 
 benötigen wir noch“, sagt der Vorsitzende. Unter anderem für 






einen neuen Boden für den großen Saal, Heizkörper und eine Küchenzeile. Alle Arbeiten übernehmen die Vereinsmitglieder möglichst selbst, genug Handwerker sind darunter, die dem 15-köpfigen harten Kern helfen.

Nur die Putz-, die Heizungs- und die Elektroarbeiten wollten die Dammer machen lassen. Doch für die Elektroinstallation haben die „Spatzen“ ein goldenes Korn gefunden. Ein Dorfbewohner, der nicht Mitglied des Vereins ist, ist bereit, das unentgeltlich zu erledigen. „Da sollten wir über eine Ehrenmitgliedschaft nachdenken“, meint Vorsitzender Rink.

Kein Wunder, dass Dr. Thomas Schäfer von einer „bemerkenswerten Initiative“ sprach, als er sich am ersten Sonnentag des Frühlings bei einem frisch gezapften Getränk vor dem Haus vom Dammer Projekt erzählen ließ. Da „so viel Gemeinsinn ­keine Selbstverständlichkeit ist“, brachte der Hessische Finanzminister den Dammern auch „einen kleinen Beitrag“ aus dem Lottofonds.

Wie Ortsvorsteher Johannes Plitt in seiner Dankesrede bemerkte, bringen die 2000 Euro das Projekt „entscheidend voran“ und dem Christdemokraten eine Einladung zur Einweihungsfeier am 12. August ein.

von Gianfranco Fain