Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland „Rote Riesen“ gehen in Dienst
Landkreis Hinterland „Rote Riesen“ gehen in Dienst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 06.12.2021
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Frohnhausen und Rüchenbach haben neue Fahrzeuge erhalten. Diese wurden von den Wehrführern Norbert Evebauer aus Frohnhausen (links) und Jürgen Weisbrod aus Rüchenbach entgegengenommen.
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Frohnhausen und Rüchenbach haben neue Fahrzeuge erhalten. Diese wurden von den Wehrführern Norbert Evebauer aus Frohnhausen (links) und Jürgen Weisbrod aus Rüchenbach entgegengenommen. Quelle: Patrick Stein
Anzeige
Frohnhausen

Mehr als 30 Jahre waren ihre Vorgänger im Dienst, im Mai wurden sie in Pension geschickt. Die Neuen übernahmen sogleich ihre Plätze. Allerdings dauerte es ein halbes Jahr, bis die Stadt Gladenbach die beiden Löschfahrzeuge an die Feuerwehren in Frohnhausen und Rüchenbach übergab. 190.000 Euro kosteten die beiden „roten Riesen“. Das Land Hessen stellte eine Summe von 78.000 Euro zur Verfügung, den Rest zahlte die Kommune.

Die beiden Tragkraftspritzenfahrzeuge mit Wasser (TSF-W) vom Typ Iveco Daily sind nahezu identisch. Sie bieten Platz für sieben Wehrleute. Einziger Unterschied: Die Frohnhäuser Wehr ist künftig mit Automatikgetriebe unterwegs, während die Rüchenbacher das Schaltgetriebe wählten. Der Aufbau erfolgte bei der Firma BTG in Görlitz.

„Es ist ein Quantensprung“, sind sich die Wehrführer Norbert Evelbauer (Frohnhausen) und Jürgen Weisbrod (Rüchenbach) einig. Diese sind nun technisch auf dem neuesten Stand und verfügen über die Ausstattung, die die Aktiven für ihre zum Teil brenzligen Situationen im Einsatz benötigen.

Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) betonte: „Die Feuerwehren leisten hervorragende Arbeit. Sie sind ein fester Bestandteil der örtlichen Strukturen und immer zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Da ist es umso wichtiger, dass sie gut ausgestattet sind.“

Jede Menge neue Technik: Wehrführer Jürgen Weisbrod aus Rüchenbach zeigt stolz die Ausstattung des neuen Feuerwehrfahrzeugs. Bereits im Mai wurden neue Fahrzeuge an die freiwillligen Feuerwehren in Frohnhausen und Rüchenbach ausgeliefert. Nun wurden sie offiziell von der Stadt Gladenbach übergeben. Quelle: Patrick Stein

Auch Stadtbrandinspektor Alexander Wagner beglückwünschte Evelbauer und Weisbrod, stellvertretend für ihre Kameraden. „Die gesamten Vorarbeiten waren geprägt von einem konstruktiven Miteinander. Von der Planung bis zur Auslieferung lief alles prima. Ich wünsche mir, dass dies zukünftig so weitergeht“, sagte Wagner. Kreisbrandinspektor Lars Schäfer sagte: „Jeder Euro, der in die Feuerwehr fließt, ist gut investiert. Die Ehrenamtlichen sind hoch motiviert und die vielen Innovationen kommen ihrer Arbeit zugute. Natürlich wünschen wir uns alle, dass nichts passiert. Aber im Ernstfall sind die Kameraden zur Stelle, gut ausgebildet und gut ausgestattet. Leider kommen nicht viele Ehrenamtliche bei den freiwilligen Feuerwehren in den Genuss neuer Fahrzeuge in ihrer Laufbahn.“

Die Neuerungen machen sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar: „Die Fahrzeuge verfügen über einen eigenen Wassertank, mit einem Fassungsvermögen von 750 Litern. Bis ein Schlauchtrupp eine Wasserversorgung aufgebaut hat, kann der Angriffstrupp parallel bereits vorrücken. Das war mit den alten Fahrzeugen nicht möglich“, schildert Jürgen Weisbrod. Daneben führt jedes TSF-W ein faltbares Wasserreservoir mit, das 5 000 Liter fasst.

Feuerwehrleute haben viele Stunden geübt

Den Ehrenamtlichen steht unter anderem ein Lichtmast auf dem Fahrzeugdach zur Ausleuchtung von Einsatzstellen zur Verfügung. Zur weiteren Ausstattung gehört ein neues Stromaggregat für Stark- und Schwachstrom, neue B-,C- und D-Schläuche mit einer Gesamtlänge von 400 Metern und Verbindungssysteme, eine Wärmebildkamera, die Ausrüstung für vier Atemschutzgeräteträger sowie eine „Waldbrand-Komponente“ – ein Schlauchsystem, das speziell für kleinere Schwelbrände entwickelt wurde und griffbereit in einem Schlauchkorb aus dem Fahrzeug entnommen werden kann. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, sich an einer „Hygiene-Station“ Hände und Gesicht zu waschen und die Stiefel von grobem Dreck zu reinigen. „Sogar an einen Spiegel wurde gedacht“, sagt Weisbrod mit einem Lächeln.

Ebenfalls an Bord sind verschiedene Lösch- und Bindemittel, zur Brandbekämpfung von Öl und anderen brennbaren Stoffen – unter anderem eine Tauchpumpe und eine Motorkettensäge und erweitern das Einsatzspektrum.

Die Fahrzeuge wurden ebenfalls mit neuen Tragkraftspritzenpumpen ausgeliefert. Aufgrund einer leichteren Bedienung vom Aufbau heraus werden die alten Pumpen jedoch weiterhin genutzt. Die Neuen stehen in Gladenbach als Ersatz und Reserve.

Die Ausstattung muss von den Helfern im Ernstfall auch genutzt werden können. „Neben den standardmäßigen Einweisungen haben wir natürlich auch viel geübt“, sagt Norbert Evelbauer. Jürgen Weisbrod bestätigt: Seit Auslieferung fand alle zwei Wochen mindestens eine Übung der Aktiven statt. Zwischendurch nutzt die Jugendfeuerwehr das neue TSF-W zu Übungszwecken.

„Die Kameraden wollen fit bleiben und das Fahrzeug mit seinen Möglichkeiten kennenlernen. Die Neuanschaffung motiviert natürlich zusätzlich“, sagt der Rüchenbacher Wehrführer.

Von Patrick Stein