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Hinterland Fast ausverkauft und trotzdem Misstöne
Landkreis Hinterland Fast ausverkauft und trotzdem Misstöne
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12:58 22.07.2021
Das Aufschütten von Flächen im Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal steht in der Kritik der Freien Wähler Gladenbachs. Für diese gab es in der Verbandsversammlung wiederum wenig Verständnis.
Das Aufschütten von Flächen im Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal steht in der Kritik der Freien Wähler Gladenbachs. Für diese gab es in der Verbandsversammlung wiederum wenig Verständnis. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Lohra

„Dieser Gewerbepark ist ein Segen für die drei Kommunen und unsere Region – hier sind mehr als 300 Arbeitsplätze angesiedelt und die Firmen wachsen weiter“, betonte Werner Waßmuth. Den Christdemokraten aus Lohra wählten die Vertreter der Kommunen Bad Endbach und Lohra sowie der Stadt Gladenbach am Dienstagnachmittag einstimmig zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung des Interkommunalen Gewerbeparks Salzbödetal (IGS). Er sei seit Beginn der Verbandsversammlungen des IGS deren Vorsitzender, habe sich immer bemüht, die Sitzungen zielorientiert und ohne Umschweife zu leiten und noch nie so viel gesprochen wie an diesem Tag.

„Ich verstehe nicht, warum jetzt plötzlich Stimmung gegen dieses Gewerbegebiet gemacht wird, das Vorbildcharakter in Mittelhessen hat“, sagte Waßmuth und spielte damit auf die von den Freien Wählern Gladenbach geäußerte Kritik an den Bauarbeiten im IGS an. Die hält schon seit Wochen an und äußert sich vornehmlich in Fragenkatalogen an den parteilosen Bürgermeister der Stadt Gladenbach, der zugleich Verbandsvorsitzender ist. In der Verbandsversammlung trug Klaus Bartnik, Fraktionsgeschäftsführer der Freien Wähler (FW) Gladenbachs die Kritikpunkte vor, und erhielt im Großen und Ganzen dieselben Antworten, wie auf die schriftlichen Anfragen.

Zum Beispiel, dass aufgrund der Topografie des Geländes jedem Beteiligten schon Ende der 1990-Jahre bewusst gewesen sein müsse, dass auf den Grundstücken Aufschüttungen erforderlich sind. „Die Firmen haben dazu entsprechende Bauanträge gestellt und diese sind alle genehmigt worden“, fügte Waßmuth an. Ohne die Gewerbesteuereinnahmen aus dem IGS hätten Lohra und Gladenbach „riesige finanzielle Probleme“.

„Wir stellen nicht den Gewerbepark infrage, wir monieren ein Detail“, erklärte Bartnik. Als Kommunalpolitiker sei es seine Aufgabe, auf die Sorgen der Bürger einzugehen. Die FW monieren die Aufschüttungen für den Solarpark, weil diese mit Fremdmaterial erfolgen. „Hunderttausende Lastwagen“, würden laut Bartnik dazu in den Gewerbepark fahren. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht, wenn die Terrassen mit dem Material des Hügels erfolgen würde. So erwecke die derzeitige Baustelle den Eindruck einer Erddeponie.

„Ich bin stolz darauf, was hier entstanden ist. Das war mein Kind. Wir haben hier den ersten interkommunalen Gewerbepark in Hessen geschaffen. Das darf uns aber nicht davon abhalten, Fehlentwicklungen als solche auch zu bezeichnen“, sagte Bartnik, der als SPD-Bürgermeister von Gladenbach die Satzung des IGS mitunterzeichnet. „Es bringt uns nicht weiter, wenn wir immer dasselbe Thema reiten und über Dinge diskutieren, auf die wir keinen Einfluss haben“, sagte Waßmuth. Gemeint war, dass nicht festgelegt ist, wie das Terrassieren der Grundstücke zu erfolgen hat, und dass die Eigentümer natürlich bemüht sind, dies so kostengünstig wie möglich zu bewerkstelligen.

Würde das Begradigen vor dem Verkauf getätigt, so entstünden die Kosten dem Verband, erklärte Lars Plitt. Der Geschäftsführer ergänzte, dass zum Beispiel für die Grundstücke der Firma Hof „deutlich mehr“ aufgefüllt wurde und zum Beispiel die Firma Michel wegen der angelegten Böschung zum Sichern der Aufschüttung einen Flächenverlust von 30 Prozent habe. Plitt machte auch deutlich: „Wenn auf den anderen verkauften Grundstücken gebaut wird, geht es mit den Aufschüttungen so weiter. Auch in Richtung Lohra werden Terrassen entstehen.“

Den Schwenk zum Ansiedeln von Photovoltaikanlagen habe die Verbandsversammlung erst vor drei Jahren vollzogen, erklärte Plitt. Dies weil dem Verband in fünf Jahren viele Interessenten absagten. „Der Verkauf scheiterte immer an der Topografie“, betonte der Geschäftsführer. Der berichtete zuvor fast ausschließlich Positives. Demnächst entstehen auf dem Areal zwischen Gladenbach-Mornshausen und Lohra zwei weitere Solarkraftwerke. Am Netz ist schon das erste der Lahn-Dill-Bergland-Energie GmbH mit einer Leistung von 750 Kilowatt-Peak.

Die von der Verbandsversammlung beim Grundstücksverkauf gefordert Bürgerbeteiligung ist erfolgt. Kleininvestoren zahlten über die Lahn-Dill-Bergland Energiegenossenschaft und die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf rund 120 000 Euro ein und erhalten dafür eine feste Rendite. „Das ist eine ganz erfreuliche Entwicklung“, sagte Plitt. Während für das zweite Solarfeld der Lahn-Dill-Bergland-Energie derzeit das Gelände aufgeschüttet wird, plant die MachWas Energie-Genossenschaft aus Cölbe, auf einem 11 255 Quadratmeter großen Grundstück oberhalb der Firma Optima ohne Aufhäufungen auszukommen.

Gegenüber der Firma ACS befindet sich das einzig noch unverkaufte Flurstück des Gewerbeparks. Ein „vielversprechenden Kaufinteressent“ sagte aber in der vergangenen Woche ab. Dies weil das Unternehmen eine Million Euro in eine Stützmauer hätte investieren müssen, um ein größeres Gebäude auf dem 6 127 Quadratmeter ­großen Grundstück zu errichten.

Dagegen liegt die Baugenehmigung für das Errichten einer Halle auf dem Grundstück des Baustoffhandels Michel auf der aufgefüllten Fläche am unteren Wendehammer vor, die Arbeiten sollen im Herbst beginnen. Für den Bau einer Halle auf dem daneben liegenden Grundstück der Firma Barth, prüft der Landkreis derzeit den Bauantrag. Positiv beschieden ist dagegen die Bauvoranfrage für eine Halle auf dem Barth-Grundstück an der Einfahrt des IGS.

Die mehrgeschossige Halle der Firma Optima Pharma steht dagegen schon (OP berichtete). Außerdem ließ das Unternehmen einen großen Mitarbeiter-Parkplatz erstellen, wodurch die Autos der Angestellten von der Straße verschwinden können.

Von Gianfranco Fain