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Hinterland Familie Yilmaz nimmt erste Hürde
Landkreis Hinterland Familie Yilmaz nimmt erste Hürde
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09:58 30.08.2021
Der erste Entwurf für einen Hotelneubau neben der Bad Endbacher Therme sieht 33 Zimmer vor. Eine Erweiterung sei möglich, sagt Hotelier Yasar Yilmaz. Doch es gibt einen Mitbewerber für das gemeindeeigene Grundstück.
Der erste Entwurf für einen Hotelneubau neben der Bad Endbacher Therme sieht 33 Zimmer vor. Eine Erweiterung sei möglich, sagt Hotelier Yasar Yilmaz. Doch es gibt einen Mitbewerber für das gemeindeeigene Grundstück. Quelle: Illustration: Rosner-Architekten
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Bad Endbach

Im Rennen um einen Hotelneubau neben der Lahn-Dill-Bergland-Therme steigen die Chancen der Bad Endbacher Familie Yilmaz. Beide Parlamentsausschüsse empfahlen am Mittwochabend mit der Mehrheit von CDU und FWG, eine Exklusivitätsvereinbarung mit dem Hotelbetreiber abzuschließen. Eine Stunde stellten sich Yasar Yilmaz und Architekt Ralf Rosner den Fragen der Kommunalpolitiker.

Der Mitbewerber um das gemeindeeigene „Sahnestück“ am Rande des Kurparks, die Projektierungsgesellschaft um Rechtsanwalt Sven Ludwig (Ebsdorfergrund), war bei der Sitzung im Bürgerhaus nicht anwesend. Ludwig befinde sich im Urlaub, sagte Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD). Was den Vorsitzenden des Bau- und Planungsausschusses Jürgen Plaum (FWG) verwunderte. „Der 25. August war Ludwigs Wunschtermin.“

Das Familienunternehmen Yilmaz betreibt seit über 20 Jahren ein Gesundheitshotel an der türkischen Westküste, in Bad Endbach kaufte der Hotelier und Arzt 2018 die „Heckenmühle“. 2020 entstand die Idee, neben der Therme zu bauen. Wald, Wasser, Wellness, drei Ws, die für den Gründer der Naturmed-Hotels die Besonderheit von Bad Endbach ausmachen. Zwei Hotels, die sich gegenseitig ergänzen, schweben Yasar Yilmaz vor. „Diejenigen, die vor allem Ruhe suchen, wählen die ,Heckenmühle‘, wer in erster Linie die Therme nutzen will, das neue Hotel.“

Architekt Rosner stellte die bisherige Planung vor. 33 Doppelzimmer sollen „momentan“ in dem Hotel entstehen. Die Struktur sei aber so angelegt, dass eine Aufstockung möglich sei. Die Statik und die Anlage des Treppenhauses ließen dies zu. Das Hotel soll auch über eine Innen- und Außengastronomie verfügen und eine direkte Verbindung zur Therme erhalten. 50 Parkplätze sind auf einer weiteren Schleife vorgesehen, die sich an die bestehenden Stellplätze der Therme anschließt. Optisch soll sich der Bau an der kubischen Form der Therme anlehnen. Baustoffe wie Holz, Naturstein und Glas sollen verwendet werden, um den Bezug zur grünen Umgebung herzustellen.

Stufenweise Entwicklung

Rolf Bernshausen (SPD), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, war trotz der Erweiterungsoption skeptisch. Man brauche für die Vermarktung der Therme eine „Lokalität“, um eine ganze Gruppe von Busreisenden dort unterzubringen. „Unsere Vorstellung war eigentlich, dass auf diesem Sahnestück ein Hotel hinkommt, das so etwas ermöglicht.“ Bernshausen warnte vor einer Konzentration des Konzepts auf ein Gesundheitszentrum. „Das engt uns in unserer Entwicklung als Gemeinde ungeheuer ein.“ Yilmaz versprach: „Ja, wir können auch Busse aufnehmen.“ Das Konzept sehe natürlich auch Familien und Geschäftsreisende als Zielgruppe vor. Yilmaz versicherte, dass ein Ausbau bei Bedarf „Schritt für Schritt“ möglich sei. „Wir wollen aber nicht auf einmal sehr groß bauen und leerstehende Zimmer schaffen.“ Beziehe man die „Heckenmühle“ mit ein, dann könnten maximal bis zu 180 Betten zur Verfügung stehen. Yilmaz: „Das ist die Höchstgrenze. Wir wollen kein Massenhotel.“

Sowohl Plaum als auch Marie-Sophie Künkel, Fraktionsvorsitzende der CDU, unterstützten eine stufenweise Entwicklung. „Ein Riesenhotel mit leeren Betten wäre ein schlechtes Marketing für Bad Endbach“, sagte Künkel. Wenn nicht gerade ein Doppeldecker anreise, kämen die Gäste auch in einem 66-Betten-Hotel unter, ergänzte Tobias Aßmann (CDU). Thorsten Grob (FWG) wollte wissen, ob die Anbindung an die Therme bedeute, dass dem Hotel dort Kapazitäten vorbehalten werden müssten. „Es gibt auch heute schon Hotels, die Reservierungen vornehmen“, sagte Schweitzer. Hotels in Wetzlar oder Marburg etwa schickten ganze Gruppen.

„Wir entscheiden heute hoffentlich nicht, wer morgen mit dem Bau beginnt“, sagte Tamara Reiers, Vorsitzende der SPD-Fraktion. „Es geht heute nur – in Anführungszeichen – um eine Exklusivitätsvereinbarung.“ Konzepte entwickelten sich weiter. Damit sorgte sie für Irritationen. „Wir hatten schon einmal eine Vereinbarung mit der Gemeinde“, sagte Yilmaz. Ein Jahr habe man gearbeitet, mit Banken gesprochen, Zusagen bekommen, in Pläne investiert. Nach einem Jahr sei ein zweiter Investor gekommen. So etwas will Yilmaz nicht noch einmal erleben.

Ein Projekt müsse auch unterstützt werden. Yilmaz: „Wenn immer wieder ein Fragezeichen gesetzt wird, ist das für einen Investor unerträglich. Irgendwann muss man einmal anfangen.“ Dazu gebe es eine Preisexplosion und Materialknappheit im Bausektor, ergänzte Architekt Rosner.

Hotel mit 125 Zimmern

Sie wünsche sich eine „ernst gemeinte Exklusivitätsvereinbarung und dass daraus tatsächlich etwas verwirklicht wird“, sagte Künkel. Der Bauausschussvorsitzende Plaum fragte nach einem Zeitplan. Mit mindestens einem halben Jahr rechnet Rosner, bis eine Baugenehmigung vorliegen werde. Danach halte er einen Zeitraum von zwei Jahren für möglich, bis das Hotel stehe.

Die Diskussion im Ausschuss erbrachte Neues zu den Plänen eines Bewerbers. Yasar Yilmaz war dafür eigens aus der Türkei angereist, um die Gremien zu informieren. Hier gebe es einen Betreiber und einen Investor, stellte Plaum fest. Bei dem anderen Projekt wisse man, dass es sich um ein Hotel mit etwa 125 Zimmern handle. „Es mag ein tolles Projekt sein. Wir wissen aber weder, wer es baut, noch, wer es bezahlt.“

Mit fünf Ja- bei zwei Nein-Stimmen aus der SPD empfahl der Haupt- und Finanzausschuss dem Gemeindeparlament, eine Exklusivitätsvereinbarung mit Yilmaz zu schließen. Unter den Befürwortern war auch der zuvor skeptische Bernshausen. Die Abstimmung im Bau- und Planungsausschuss ergab vier Ja-Stimmen, erneut zwei Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung. Am 6. September steht die Entscheidung der Gemeindevertretung an.

Von Regina Tauer

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