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Hinterland Dejan Kovacevic umrundet Bodensee auf Kinderroller
Landkreis Hinterland Dejan Kovacevic umrundet Bodensee auf Kinderroller
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11:00 06.06.2022
266 Kilometer und 1 300 Höhenmeter in 26 Stunden: Mit Kinderrollern sind Dejan Kovacevic (links) und Patrick Oswald einmal um den Bodensee gefahren.
266 Kilometer und 1 300 Höhenmeter in 26 Stunden: Mit Kinderrollern sind Dejan Kovacevic (links) und Patrick Oswald einmal um den Bodensee gefahren. Quelle: Privatfoto
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Friedrichshafen

Um Verrücktheiten war Dejan Kovacevic aus Kleingladenbach noch nie verlegen. Ob er innerhalb von sechs Tagen von seiner Heimat im Hinterland bis auf den Gipfel der Zugspitze gelaufen oder mit einem Tretroller einmal quer durch die USA gefahren ist – das Extreme ist seine Passion. Und der hat er nun einmal mehr gefrönt.

Zusammen mit seinem Kumpel Patrick Oswald hat er innerhalb von 26 Stunden den Bodensee umrundet – und zwar auf einem Kinderroller. „Das hat noch keiner gemacht und irgendeiner muss es ja machen“, entgegnet der 47-Jährige lachend auf die Frage, wie man auf so eine Idee kommt.

Zumindest war es für die beiden nicht das erste Mal, dass sie die 266 Kilometer lange Strecke abgefahren sind. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie sich nach der langen Corona-Pause zu Hause gelangweilt und beschlossen, die Bodensee-Tour in Angriff zu nehmen. Damals waren sie allerdings mit einem Tretroller für Erwachsene unterwegs – nur eine Woche nachdem bei Kovacevic eine Thrombose im Bein diagnostiziert wurde.

Doch mit solchen Widrigkeiten hat der Kleingladenbacher längst gelernt umzugehen. Denn auch bei der aktuellen Tour lief nicht alles nach Plan, erzählt er. „Als wir in Friedrichshafen angekommen sind, ist mir aufgefallen, dass ich meinen Rucksack zu Hause vergessen hatte“, erinnert er sich. Also wurde der Proviant für die nächsten 24 Stunden kurzerhand an dem Roller befestigt. „Wofür Gaffer-Tape so alles gut sein kann“, lacht Kovacevic.

Und es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass sie das Klebeband benötigten. „Nach rund 80 Kilometern ist mir mitten in der Nacht die Höhenverstellung des Lenkers gebrochen“, erzählt er. Auch hier musste notdürftig geflickt werden. Ein Zuckerschlecken sei die Tour jedenfalls nicht gewesen. Auf den geschotterten Wegabschnitten komme man mit den Kinderrollern kaum vorwärts, und nachts habe es dann sogar noch ziemlich heftig angefangen zu regnen. „Da war ich wirklich mal kurz davor, zu sagen: ,Wenn das so weitergeht, höre ich auf’“, erzählt Kovacevic. Hat er natürlich nicht gemacht.

Beide zogen die Herausforderung durch und kehrten nach knapp 26 Stunden wieder zum Ausgangspunkt in Friedrichshafen zurück. Dabei war die Bodensee-Umrundung nicht einmal die forderndste Aufgabe, die Dejan Kovacevic in diesem Jahr bisher in Angriff genommen hat. Denn nur rund einen Monat zuvor war er mit Felix Baiker beim „Getting Tough Race“ im thüringischen Rudolstadt angetreten. Mit 300 Hindernissen auf einer Länge von 24 Kilometern gilt „The Race“ als der anstrengendste Hindernislauf Deutschlands.

Seine nächste Herausforderung hat Dejan Kovacevic bereits im Blick: Mit einem Spezialroller will er am Ironman in Frankfurt teilnehmen. Quelle: Emily Kovacevic

„Wir wollten ihn aber nicht nur einmal laufen, sondern dreimal“, berichtet Kovacevic. Zunächst habe der Veranstalter fassungslos den Kopf geschüttelt und mit Hinweis auf versicherungsrechtliche Gründe den Wunsch abgelehnt. „Aber weil er uns kennt und weiß, dass wir eh nicht nachgegeben hätten, hat er doch eingewilligt“, sagt der Kleingladenbacher und lacht. Lediglich das Versprechen, nachts die Wasserhindernisse auszulassen, weil das zu gefährlich wäre, hat er den beiden „Verrückten“ abgerungen, die ihre Ankündigung wahrmachten – und damit auch die anderen Teilnehmer an dem Rennen zum Kopfschütteln brachten. „Einige haben nicht mal eine Runde geschafft, und die konnten es nicht glauben, dass wir drei Runden gelaufen sind“, erzählt der 47-Jährige.

In den vergangenen Wochen war Dejan Kovacevic allerdings tatsächlich einmal zum Nichtstun gezwungen. Denn er hat gerade eine Corona-Infektion überstanden. „Eigentlich wollte ich ja den Vulkan-Ultra in der Eifel laufen, aber das hat ja leider nicht geklappt“, erzählt er.

Dabei ist das Training jetzt wichtiger denn je. Denn für Ende Juni ist er beim Ironman-Triathlon in Frankfurt angemeldet. Die Radstrecke von 182 Kilometern Länge will er dabei allerdings nicht mit dem Fahrrad absolvieren. Das wäre ja zu einfach. Stattdessen hat er sich mit dem Tretroller angemeldet.

Extra dafür hat sich Kovacevic ein spezielles aus Karbon gefertigtes Modell gesichert. „Das ist sowas wie der Mercedes unter den Tretrollern“, erklärt er. Einen ersten Testlauf hat er schon absolviert: Zusammen mit einem Freund ist Kovacevic zum Auftakt seines Trainings mit dem Roller von Kleingladenbach nach Gönnern gefahren.

Von Sascha Valentin