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Hinterland Experten: Deponie ist ungefährlich
Landkreis Hinterland Experten: Deponie ist ungefährlich
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20:42 27.09.2019
In der Straße „Im Tal“ im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen erkrankten drei Kinder an Krebs. Die Behörden gehen nach umfangreichen Untersuchungen nicht von einer Häufung von Krebsfällen aus. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Dautphe

Anfang März 2018 wurde dem Gesundheitsamt Marburg eine vermutete Häufung von Krebsfällen im 800 Einwohner zählenden Dautpher Ortsteil Mornshausen gemeldet. Eine Initiative aus Eltern von drei an Krebs erkrankten Kinder, die in der Straße „Im Tal“ lebten, hatte sich gegründet und den Kontakt zur Gemeindeverwaltung gesucht. Diese schaltete ihrerseits die zuständigen Behörden ein. Involviert waren außer dem Gesundheitsamt, das Regierungspräsidium Gießen sowie das Hessische Krebsregister.

Bürgermeister Bernd Schmidt hatte die Behörden beauftragt, den Verdachtsmomenten nachzugehen. Unter anderem auch, weil sich östlich der Straße „Im Tal“ eine Deponie befunden hatte. Dort, in einem ehemaligen Steinbruch, hatte die Altlastenbehörde vor Ort geprüft, ob es Emissionen gibt oder ob Sickerwasser aus tritt. Beides verneinte Ronja Schneider, Abteilung Umwelt RP Gießen.

Zudem wurden alte Akten geprüft. Schneider sprach von einer „historischen Recherche“. Es wurden Akten aus den 1970er-Jahren geprüft. Aus ihnen ging hervor, dass auf der Deponie Bauschutt und Erdaushub gelagert wurde, in den 1980er-Jahren dann nur noch Erdaushub. 2009 war die Ablagerungsphase beendet und das Gebiet wurde rekultiviert. Nach Informationen aus der Gemeindeverwaltung gab es dort auch keine illegale Entsorgung von schädlichen Stoffen.

Auch die Prüfung der Altflächendatei endete in einer Sackgasse. Bei den weiteren 14 Altflächen handelte es sich um ehemaliges Betriebsgelände. „Sämtliche Branchen können in keiner Weise mit potenziellen krebserregenden Stoffen in Verbindung gebracht werden“, sagte Schneider. Auch „statistisch gibt es keine Auffälligkeiten“, erklärte Dr. Stefan Gawrich vom Hessischen Krebsregister.

Als Vergleichsmaßstab bei den Kindern dienten Daten des Deutschen Kinderkrebsregisters. Für die Auswertung der Krebsfälle von Erwachsenen (88 sind statistisch erfasst) wurden die Daten durch die vom Robert-Koch-Institut erstellen Schätzungen der Erkrankungszahlen für ganz Deutschland verglichen.

„Zusammenfassend hat sich der Verdacht einer vermuteten Häufung von Krebserkrankungen in Mornshausen nicht bestätigt. Eine Veranlassung für weitere Untersuchungen ist derzeit nicht gegeben“, sagte Dr. Birgit Wollenberg, Ärztin im Gesundheitsamt. Auf Boden-, Luft- und Grundwasseruntersuchungen wurde aus diesem Grund verzichtet.

Sven Formhals, Kopf der Elterninitiative, hatte sich 2018 an die Verwaltung gewandt. Wie er sich fühlt, nachdem die Ergebnisse nun auf dem Tisch liegen? Die Krebsfälle sind da.  Für die Kinder, die die Krankheit besiegt haben, sei es jetzt ein völlig anderes Leben. Sein Sohn habe es nicht geschafft. „Ich werde mein Leben lang damit zu tun haben“, sagt er.

Es sei aber beruhigend zu wissen, dass von der Deponie keine Gefahr ausgeht. Dennoch hätte er sich gewünscht, dass auch Luft-, Boden- und Grundwasserproben untersucht worden wären.

„Der Aktendeckel ist nicht zu“, versicherte Wollenberg. Man nehme solche Verdachtsmomente sehr ernst und behalte die Situation im Blick, sagte die Ärztin.

von Silke Pfeiffer-Sternke