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Hinterland Ein neuer Baustein entsteht
Landkreis Hinterland Ein neuer Baustein entsteht
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21:43 07.03.2022
Der dreigeschossige Klinikanbau ist schon weit vorangekommen. Mit der Inbetriebnahme des Gebäudes rechnet die Geschäftsführerin der Hessischen Berglandklinik, Claudia Koller, noch in diesem Jahr.
Der dreigeschossige Klinikanbau ist schon weit vorangekommen. Mit der Inbetriebnahme des Gebäudes rechnet die Geschäftsführerin der Hessischen Berglandklinik, Claudia Koller, noch in diesem Jahr. Quelle: Regina Tauer
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Bad Endbach

Die Hessische Berglandklinik an der Landstraße wächst, das ist unübersehbar. Wo vor neun Monaten der erste Spatenstich erfolgte, ist ein Neubau entstanden, eine Erweiterung des bestehenden Gebäudekomplexes. Die Zahl der Betten wird um 33 auf rund 115 erhöht. Mit einer Tagesklinik erweitert die Berglandklinik zudem ihr therapeutisches Angebot. Claudia Koller, Geschäftsführerin der Klinik, und Chefarzt Dr. Hardo Lingad sprechen im Interview über das Projekt.

Die Hessische Berglandklinik als Akutkrankenhaus und Frühreha-Einrichtung investiert 5,8 Millionen Euro in ihre Erweiterung und Modernisierung. Ein Teil ­davon umfasst die Tagesklinik. Was versteht man darunter?

Claudia Koller: Es handelt sich um eine geriatrische Tagesklinik, die eine teilstationäre Versorgung bietet. Die Patienten sind tagsüber hier und abends wieder zu Hause. Die Patienten kommen aus einem Umkreis von 30 Kilometern. Bis zu zehn Patienten können versorgt werden.

Hardo Lingad: Wir arbeiten in der Tagesklinik mit den gleichen Berufsgruppen wie in der vollstationären Klinik. Die Tagesklinik ist für Patienten gedacht, die noch einen Rehabilitationsbedarf haben, die noch Funktionsdefizite haben. Diese können durch ein koordiniertes Vorgehen der Therapeuten verbessert werden. Es geht um Personen, bei denen eine einzelne Krankengymnastik nicht reicht. Jeden Tag findet eine ärztliche Visite statt.

Koller: In der Tagesklinik werden die Patienten von einem multiprofessionellen Team betreut. Das ist der Unterschied zur ambulanten Versorgung.

Sie bauen die erste Tagesklinik im Landkreis Marburg-Biedenkopf?

Koller: Wir werden mit diesem Konzept der erste und bisher einzige Anbieter im Landkreis sein. Gerade Corona hat gezeigt, wie wichtig solche Kliniken sind.

Lingad: Aus den Krankenhäusern und Kliniken der Maximalversorgung – wie hier in der Region das UKGM – kommen die Patienten in die nachgeordneten Einrichtungen, zur weiteren Akutbehandlung und zur Frührehabilitation. Die Hessische Berglandklinik gehört als Akutkrankenhaus und Klinik für Frührehabilitation dazu. Die Tagesklinik ist ein weiterer Baustein in der Versorgung.

Tageskliniken sind vermutlich auch aus Sicht der Krankenkassen vorteilhaft?

Lingad: Der Tagessatz in der Tagesklinik ist deutlich günstiger als der Tagessatz in der vollstationären Versorgung. Die Patienten müssen aber auch bestimmte Bedingungen erfüllen. Sie müssen mindesten 30 Minuten sitzen können, damit sie von zu Hause abgeholt werden können. Und sie müssen so wach und so fit sein, dass sie am Tag an fünf Stunden Therapie, verteilt auf zwei Blöcke vor und nach der Mittagspause, teilnehmen können. Eine weitere Bedingung ist, dass der Patient die Behandlung auch wünscht und genügend Kooperationswilligkeit mitbringt.

Was beinhaltet der Neubau der Berglandklinik neben der Tagesklinik noch?

Lingad: Im Neubau entstehen 33 zusätzliche Betten. In den neuen Stationen sind zwei Pflegestützpunkte vorgesehen. So können wir eine kleine Einheit sehr schnell als Isoliereinheit oder für andere spezielle Belange abtrennen. Beide Stützpunkte verfügen über gute pflegerische und logistische Voraussetzungen, sodass sie gut vom Pflegepersonal zu handhaben sind.

Koller: Ins Erdgeschoss des Neubaus zieht die Tagesklinik mit ihren maximal zehn Plätzen ein. Ebenerdige Eingangstüren machen es Menschen mit Beeinträchtigungen möglich, das Haus ohne fremde Hilfe zu betreten. Die Grünfläche davor soll so gestaltet werden, dass bei schönem Wetter Bewegungstherapie auch im Freien möglich sein wird. Große Fensterflächen holen zudem viel Tageslicht ins Gebäude. Die Tagesklinik verfügt über einen großen Therapieraum, über Ruheräume und eine Küche.

Was passiert sonst noch

an Bauvorhaben?

Koller: Die Sanierung des Mittelbaus ist nahezu abgeschlossen, die Erweiterung der Station 5 ist fertiggestellt. Auch fünf Gästezimmer für Angehörige wurden geschaffen. Insgesamt haben wir eine Umstrukturierung durchgeführt. Zwei- und Dreibett-Zimmer wurden zum Teil in Einbettzimmer umgewandelt. Mehr Einzelzimmer zu schaffen, ist schon lange ein Bestandteil unserer Zielplanung. Die Nachfrage nach einer Einzelunterbringung steigt. Während der Corona-Pandemie haben wir festgestellt, wie wichtig das auch ist, um Patienten schnell isolieren zu können. Unabhängig davon ist es aber auch sinnvoll, bei anderen Viren oder Keimen mehr Isoliermöglichkeiten zu haben.

Was tut sich genau im ­Außenbereich?

Koller: Die sehr beengte Krankenwagenzufahrt war einer der bedarfsauslösenden Gründe unserer Zielplanung. Es entstehen drei überdachte Stellplätze für die Krankenwagen. Der neue Aufzug an der Nahtstelle zwischen Altbau und Neubau ist direkt erreichbar. Wir sind froh, dass die beengten Verhältnisse für die Krankenwagen bald der Vergangenheit angehören.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Koller: Wir wollen auf jeden Fall in diesem Jahr den Neubau noch in Betrieb nehmen. Wir sind froh, dass wir in dieser doch etwas schwierigen Zeit, was die Bauabwicklung betrifft, auf sehr tatkräftige Firmen zurückgreifen konnten. Darunter sind sehr viele Firmen aus der Region. Von Engpässen bei der Belieferung mit Baumaterial sind wir bis dato weitgehend verschont geblieben.

Im Ortsbeirat Bad Endbach gab es jüngst Kritik, dass die Straßen rund um die Landstraße immer mehr zugeparkt würden, auch durch Angehörige der Klinik …

Koller: Wir haben auch während der Bauphase die Stellplatzverordnung der Gemeinde Bad Endbach immer eingehalten. Sicher kommt es vor, dass Mitarbeiter und Besucher der Klinik auch einmal in Nebenstraßen parken. Kurzfristige Engpässe gibt es während der Öffnungszeiten unseres Corona-Testzentrums zwischen 11 und 12 Uhr.

Warum gibt es an der Berglandklinik bislang keine Tempo-30-Zone?

Lingad: Wir haben das schon selbst mehrere Male bei der Gemeinde angeregt. Hier ­besteht eine Gefährdung, denn die Autofahrer geben Gas und fahren zum Teil mehr als 50. Dazu gibt es auch eine Geräuschbelästigung. Etliche Patienten haben sich schon wegen des Motorenlärms beschwert. Uns wurde immer gesagt, es handle sich um eine Landesstraße und hier kön­­- ne die Kommune nichts machen.

Von Regina Tauer

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