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Hinterland Ernüchterung kehrt nach dem Kauf ein
Landkreis Hinterland Ernüchterung kehrt nach dem Kauf ein
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18:00 21.02.2017
Ein Jahr nach dem eigenverantwortlichen Betrieb des Hauses kehrt ob der hohen Kosten Ernüchterung beim Kultur- und Heimatverein Weipolts­hausen ein. Foto: Gianfranco Fain
Ein Jahr nach dem eigenverantwortlichen Betrieb des Hauses kehrt ob der hohen Kosten Ernüchterung beim Kultur- und Heimatverein Weipolts­hausen ein. Quelle: Gianfranco Fain
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Weipoltshausen

Am 1. November 2015 übergab die Gemeinde Lohra das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) an den Kultur- und Heimatverein Weipolts­hausen (die OP berichtete). Doch die Freude währte nicht lang. Nach gut einem Jahr Eigenbetrieb fällt die erste Bilanz des 
Kultur- und Heimatvereins Weipoltshausen ernüchternd aus.

„Wenn es so wie bisher weiter geht, ist der Verein bis 2020 am Ende“, formulierte es Kassierer Michael Ganz am Samstagabend während der ersten Jahreshauptversammlung drastisch. In der Vereinskasse sei für das Jahr 2016 zwar ein kleiner Überschuss zu verzeichnen, der aber einzig Spenden und dem gemeindlichen Zuschuss für 
Sanierungsarbeiten geschuldet sei, erklärte Ganz.

Einnahmen erzielt der Verein durch die Vermietung der Räume. So zahlten zum Beispiel die Weipolts­häuser Chöre, die das Haus 120 Stunden im Jahr nutzen, je Belegungsstunde 2 Euro. Bei diesen Nutzungsgebühren legt der Kultur- und Heimatverein drauf, machte der Kassierer die Lage deutlich.

Zudem sei der Zuschuss der Gemeinde im ersten Jahr noch relativ hoch, werde in den kommenden Jahren aber kontinuierlich sinken, berichtete Ganz weiter, während die Stromkosten bestenfalls konstant bleiben. Knapp 17.000 Euro wendete der Kultur- und Heimatverein für den Kauf von Strom im vergangenen Jahr auf. Mit dieser Summe bildete die Energie, die größtenteils fürs Heizen des Gebäudes benötigt wird, auch den größten Haushaltsposten. Die hohen Stromkosten verursache hauptsächlich die antiquierte Elektroheizung, stellten die Vereinsverantwortlichen fest. Zudem reagiere die Heizung sehr träge und sei für kurzfristig anberaumte Veranstaltungen somit zu unflexibel.

Versammlung beschließt höheren Beitrag

Der Vorstand beriet in seinen monatlichen öffentlichen Sitzungen über den Einbau einer neuen Heizung. Experten raten zu einer Brennwert-Ölheizung. Die Kosten für den Einbau liegen bei etwa 20.000 Euro.

Doch Mitglieder des Vereins favorisierten während der Jahreshauptversammlung eine Pellets-Heizung. Dies sei eine zukunftsweisende Technologie, so ihre Argumentation. Die Kosten für den Einbau einer solchen Heizung belaufen sich auf rund 40.000 Euro. Die neue Heizung und danach ein Neuanstrich des Saals, um das Dorfgemeinschaftshaus attraktiver zu gestalten, damit es gerne und häufig gebucht wird, hätten Priorität im neuen Vereinsjahr, erklärte Waldschmidt.

Im vergangenen gelang es dem Vorstand nicht, der Dorfbevölkerung zu vermitteln, dass das Gemeinschaftshaus ihnen gehört und dass dieses verloren sei, falls der Verein scheitere, lautete das einhellige Statement des Vorstandes vor rund 30 Mitgliedern.

„Wir müssen unser Dorfgemeinschaftshaus erhalten“, forderte Daniela Rücker, Vorsitzende des TSV Weipoltshausen. „Wenn wir unser Dorfgemeinschaftshaus verlieren, verlieren wir uns selbst. Wir müssen alle Maßnahmen treffen, um das Haus zu erhalten“, sagte Ortsvorsteher Klaus Müller und beantragte die Erhöhung des jährlichen Vereinsbeitrags auf 25 Euro für Mitglieder und 250 Euro für Vereine. Der Verein hat 100 Mitglieder. Diesem Antrag stimmte die Versammlung bei zwei Enthaltungen zu.

Bürgermeister signalisiert Gesprächsbereitschaft

Zuvor gab Waldschmidt noch einen Ausblick auf die nächsten Bemühungen. Dem Vorstand sei klar geworden, dass mit Vermietungen die laufenden Kosten nicht zu decken seien, sagte der Vorsitzende. Er möchte mit der Gemeinde über einen jährlichen Kostenzuschuss ähnlich wie dem für das Waldschwimmbad Kirchvers verhandeln.

Bürgermeister Georg Gaul zeigte sich von der Entwicklung überrascht. Die Kostensituation sei in den Gesprächen thematisiert worden, aber es gebe auch die Erklärung aus der Gemeindevertretung, den Verein „nicht im Regen stehen zu lassen“. Gaul lädt den Vereinsvorstand dazu ein, das Gespräch mit dem Gemeindevorstand zu suchen, dessen Sprecher der parteilose Bürgermeister ist. Dann könne 

 besprochen werden, was machbar sei.

Vorsitzender Wolfgang Waldschmidt berichtete auch vom Ringen um richtige Entscheidungen und gelegentlichen Frustrationen in den monatlichen Vorstandssitzungen, aber auch vom Erreichten.

Im vergangenen Jahr ermöglichte eine Spende der„Aktiven Bürger“ den Einbau einer neuen Außentür, Sanierungsarbeiten in Küche und Abstellraum wurden erledigt, sowie der Flur gestrichen und durch neue Vorhänge verschönert.

Das Elisabeth-Bild im Flur ist repariert, die Toiletten saniert und Pflasterarbeiten vor dem Haus sind ebenso erledigt, wie viele weitere kleine Arbeiten am und im Gemeinschaftshaus. Diese erledigten hauptsächlich Vereinsmitglieder mit gespendetem Material.

  • Termine: 25. Februar: Kinderfasching, 29. April: Dorfnachmittag/-abend.

von Anita Ruprecht
 und Gianfranco Fain