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Hinterland Endet das Dorfladen-Experiment?
Landkreis Hinterland Endet das Dorfladen-Experiment?
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18:00 13.02.2020
Wegen mangelndem Umsatzes droht Udo Werther das Schließen des Dorfladens in Günterod an. Quelle: Nadine Weigel
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Günterod

Groß war die Freude im Dorf als Udo Werther Mitte November den Dorfladen eröffnete. In den Räumen einer ehemaligen Metzgerei richtete er ein Bäckerlädchen ein, in dem er seitdem auch ein Grundsortiment an Lebensmitteln wie Milch, Butter, Kaffee, Marmelade, Wurst und Weiteres anbot. Selbst Bürgermeister Julian Schweitzer reiste am ersten Öffnungstag aus Bad Endbach in das höhergelegene Dorf an.

Das Lädchen kam bei der Bevölkerung gut an, das Geschäft brummte. So schien es, denn die Freude währte beim Betreiber nicht lange und Udo Werther reagierte. Am Freitag fanden die Günteroder in ihren Briefkästen einen Handzettel vor. In trockenen Worten teilt Werther mit, dass das Lädchen vor dem Aus steht, wenn sich die Einnahmesituation innerhalb von drei ­Wochen nicht bessert.

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Der Handzettel

Information zu Udos Bäckerlädchen!! Seit November 2019 sind wir ein Teil von Günterod. Leider hat sich der erste Ansturm nicht gehalten .... Leider werden wir uns das nicht mehr lange so ansehen können. Das Wochenende ist super, jedoch unter der Woche ist das für uns nicht tragbar. Wir schauen uns das noch ca. 3 Wochen an, wenn es sich bis dahin nicht gebessert hat, werden wir den Laden leider schließen müssen. LG Udo Werther

Er verstehe, wenn die Leute im Ort sauer sind, aber er sei nun mal kein großer Redner, bekennt Werther gegenüber der OP. Auslöser seiner Handzettel-Aktion ist, dass sich seine wirtschaftliche Lage dramatisch entwickelt habe. „Die ersten beiden ­Monate war der Käuferzuspruch ­jeden Tag in Ordnung“, sagt der Rodenhäuser. Doch jetzt sind nur noch der Samstag „sehr gut“ und der Sonntag „gut“. Der Ansturm auf das neue Lädchen hat sich offenbar gelegt, die Aufrufe, den Dorfladen zu nutzen, sind unter den Günterodern zumindest an den Werktagen mittlerweile verhallt.

Zwei gute Verkaufstage, „das reiche nicht, um die Kosten der Miete und für die beiden Teilzeitkräfte zu decken“, erklärt Werther, von den Backwaren im Wert von 70 bis 80 Euro, die er am Ende der Werktage entsorgen müsse, ganz zu schweigen.

Dabei gab Werther schon zur Eröffnung an, dass der Dorfladen, täglich 300 bis 400 Euro einbringen müsse, um die Kosten wieder zu erwirtschaften. Woran der Rückgang des Kundenzuspruchs liegt, kann er sich nicht erklären. Schließlich habe das Lädchen jeden Tag von 6 bis 12 Uhr geöffnet, so dass selbst die Berufstätigen unter den 1.000 Einwohner zählenden Günterodern ihren Einkauf erledigen können.

Nun will Udo Werther beobachten, wie die Reaktion auf seine Handzettel-Aktion ausfällt. Etwas schlauer ist er schon: „Montag war erneut eine Katas­trophe, Dienstag war es schon besser.“ In zwei Wochen will er erneut Bilanz ziehen. Denkbar sei dann auch, nur einen Tag, wie zum Beispiel den besonders schwachen Montag, den Dorfladen geschlossen zu halten.

Einen Laden wünschten sich die Günteroder seit Jahren in den Ort zurück. Bis ins Jahr 2012 reichen die Bemühungen zurück, zwischenzeitlich war sogar das Dorfgemeinschaftshaus als Standort im Gespräch, denn der Laden sollte nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleisten, sondern auch als Begegnungsort im Dorf dienen.

von Gianfranco Fain