Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Eine Stimme für die Jugend
Landkreis Hinterland Eine Stimme für die Jugend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 08.02.2021
Jugendpfleger Karlheinz Nickel stellt eine Aktion für Jugendliche zur Kommunalwahl in Gladenbach vor.
Jugendpfleger Karlheinz Nickel stellt eine Aktion für Jugendliche zur Kommunalwahl in Gladenbach vor. Quelle: Michael Tietz
Anzeige
Gladenbach

Wann wird endlich der Bike-Park gebaut? Welchen Beitrag kann die Stadt zum Klimaschutz leisten? Und gibt es eine Chance, dass sich die Fast-Food-Kette „Mecces“ in Gladenbach ansiedelt? Diese und ähnliche Fragen und Wünsche können Kinder und Jugendliche aus Gladenbach nun (fast) direkt an Politiker richten.

Möglich macht dies eine Aktion der Stadtjugendpflege zur Kommunalwahl. Dazu benötigen die jungen Teilnehmer lediglich ein Handy.

„Ich möchte die Interessen der Jugendlichen in den Fokus rücken, sie in einen demokratischen Prozess einbinden und ihnen eine Stimme geben“, beschreibt Karlheinz Nickel das Ziel seiner Initiative. Der Stadtjugendpfleger will in Erfahrung bringen, welche Themen die jungen Gladenbacher besonders interessieren und welche Wünsche sie haben. Und mit diesen sollen sich dann auch die politischen Entscheidungsträger in der Stadt auseinandersetzen.

Um die Hemmschwelle möglichst niedrig zu halten, wählt Nickel einen einfachen Weg für die Kontaktaufnahme. Kinder und Jugendliche aus Gladenbach brauchen dafür nur ihre Smartphones in die Hände nehmen. Per WhatsApp können sie dann ihre Fragen und Wünsche an die Stadtpolitiker auf den Weg bringen. Die Nachrichten laufen zunächst alle bei Nickel ein. Bis Freitag, 12. Februar, ist der WhatsApp-Kanal für die Aktion geöffnet. Anschließend bündelt und anonymisiert der Stadtjugendpfleger die Mitteilungen der Kinder und Jugendlichen.

Die fünf meistgenannten Fragen und Wünsche leitet er schließlich an die vier Parteien weiter, die für die Kommunalwahl am 14. März Kandidaten für das Gladenbacher Parlament nominiert haben. Die Antworten von SPD, CDU, Freien Wählern und Junger Liste/Grüne sollen – so der Wunsch des Initiators – bis zum 25. Februar vorliegen. Die Ergebnisse der digitalen Fragerunde werden dann in dieser Zeitung veröffentlicht.

Mitmachen können alle jungen Gladenbacher im Alter von sechs bis 27 Jahren. „Ihre Grundfragen werden im politischen Schlagabtausch nicht immer berücksichtigt. Dabei ist die Zufriedenheit junger Familien ein wesentlicher Standortfaktor für die Zukunft jeder Kommune, insbesondere auf dem Land“, so Nickel.

Damit sich Kinder und Jugendliche in Gladenbach mehr Gehör verschaffen konnten, war vor etwa 15 Jahren eine offizielle Interessenvertretung für die jungen Einwohner der Stadt ins Leben gerufen worden. Sie nannte sich damals Jugendforum. Die Begeisterung der jungen Mitstreiter für die gemeinsame Arbeit nahm aber rasch ab, deshalb löste sich das kleine Parlament wieder auf. „Die Interessen der Jugendlichen verdienen es trotzdem, gehört zu werden“, betont Nickel.

Aus diesem Grund hatte er im Vorfeld der Bundestagswahl 2016 bereits eine ähnliche Aktion im Gladenbacher Café O-Läg gestartet. Damals konnten die jungen Besucher ihre Stimme für eine Partei abgeben – die meisten entfielen auf die AfD und SPD.

„Wir hatten hier viele interessante Diskussionen über das politische Tagesgeschehen“, erinnert sich Nickel. Im Fokus der Jugendlichen standen damals vor allem die Flüchtlingspolitik und allgemeine Zukunftsängste.

Auf regen Zuspruch hoff Nickel nun auch für die Fragerunde zur Kommunalwahl. Rückendeckung für die Aktion bekam er von Bürgermeister Peter Kremer (parteilos). Die Fraktionsvorsitzenden der vier im Gladenbacher Parlament vertretenden Parteien und Wählergruppen informierte der Stadtjugendpfleger Anfang dieser Woche über sein Vorhaben. „Natürlich freue ich mich, wenn sich die künftigen Mandatsträger dann auch nach der Wahl für die Belange der Kinder und Jugendlichen einsetzen“, sagt Nickel.

Von Michael Tietz