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Hinterland Ein neuer Arzt kommt nach Lohra
Landkreis Hinterland Ein neuer Arzt kommt nach Lohra
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20:59 31.10.2020
Gelungene Zusammenarbeit: Bürgermeister Georg Gaul (links) freut sich einen Frauenarzt von Lohra überzeugt zu haben, Dr. Johannes Reichelt ist sehr zufrieden mit der Unterstützung der Gemeinde. Quelle: Gianfranco Fain
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Lohra

Vor fast genau zwei Jahre startete Georg Gaul seine Werbeaktion, die einige Bürgermeisterkollegen argwöhnisch beäugten und zum Teil auch heftig kritisierten. Doch für die Gemeinde Lohra führte Gauls Initiative zum Erfolg. Vom 2. Dezember an praktiziert der Gynäkologe Dr. Johannes Reichelt in seiner neuen Praxis in Lohra. Darüber dürften sich auch Frauen des Hinterlandes und des Südkreises freuen, denn für sie gibt es im Süd-Westkreis seit 10 Jahren keine nahe gelegene Frauenarzt-Praxis mehr. Lange Anfahrten nach Biedenkopf, Marburg oder Gießen sind die Folge.

„Man sollte einer Schwangeren oder einer Seniorin nicht eine Stunde Fahrzeit zumuten, um zu einem Frauenarzt zu gelangen“, lautet Reichelts Überzeugung. Der 34-Jährige praktizierte vor seiner Entscheidung für Lohra in einer Marburger Praxis.

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„Das Echo auf mein Vorhaben unter den Patientinnen ist sehr positiv“, berichtet der gebürtige Gießener, viele würden auch zu ihm nach Lohra kommen wollen. Es gebe schon 110 Terminanfragen, ab Montag, 2. November, gibt es die Möglichkeit, Termine unter frauenarzt-lohra.de online zu vereinbaren.

Die virtuelle Reservierung von Terminen ist nicht die einzige Anforderung, die Reichelt an eine moderne Praxis stellt, die zudem auch nachhaltig sein soll. „Die Praxis ist voll digitalisiert“, erklärt Reichelt, was das Führen eines fast papierlosen Büros ermöglicht. Die Ausstattung des Gebäudes in der Biegenstraße reicht dank einer guten Kooperation mit dem Investor von einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach, über eine regenerative Anlage die Räume heizen oder kühlen kann, bis zu einer Belüftungsanlage mit HEPA-Filtern.

Ganz im Zeichen des digitalen Wandels bietet Dr. Reichelt auch eine Video-Sprechstunde an, was wiederum Frauen, die keiner Untersuchung für eine Rezeptverlängerung bedürfen oder nur ein Beratungsgespräch benötigen, den Anfahrtsweg erspart.

Durch die Praxis-Ansiedlung entstehen in Lohra auch Arbeitsplätze. Zu Beginn der Tätigkeit werden zwei Sprechstundenhilfen sowie eine Reinigungskraft im Einsatz sein. Sobald das Erweitern auf einen vollen Arztsitz möglich ist, kommt eine weitere Arzthelferin dazu und die Sprechstundenzeiten werden ausgeweitet, sagt Johannes Reichelt, der sich über die „sehr konstruktive Zusammenarbeit“ mit der Gemeinde freut. „Alles ging Hand in Hand, so gewinnt man Ärzte für den ländlichen Raum.“

Die Gemeinde hielt also alles ein, was sie vor zwei Jahren in den rund 700 Werbeschreiben versprach. Es gab einige Rückmeldungen, auch Angebote von Hausärzten, sich in Lohra niederzulassen, berichtet Georg Gaul. „Doch die Versorgung mit Allgemeinmedizinern ist in Lohra noch auf Jahre gesichert“, sagt der Bürgermeister. Was fehlt, sind Fachärzte.

Das habe auch eine Umfrage mithilfe der Landfrauenvereine des Südkreises und des Hinterlandes gezeigt. Die Auswertung der rund 500 Fragebogen habe nicht nur den Bedarf aufgezeigt, sondern auch, dass die Terminvergabe und Erreichbarkeit ausschlaggebend sind. Gaul und Reichelt gehen von einem Einzugsgebiet mit rund 25 000 Menschen aus, wovon annähernd 50 Prozent Frauen sein dürften. Als Reichelt sich meldete, „stimmte die Chemie von Beginn an“, sagt Gaul, „und wir haben die Ansiedlung unterstützt, wo wir konnten, da eine finanzielle Hilfe der Gemeinde für die Investition im guten sechsstelligen Bereich ausgeschlossen war.“

Von Gianfranco Fain

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