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Hinterland Erstmal keine Eckelshausener Musiktage
Landkreis Hinterland Erstmal keine Eckelshausener Musiktage
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17:00 25.03.2020
Das Archivfoto zeigt das Eröffnungskonzert der 28. Eckelshausener Musiktage im Buchenauer Manfred-Roth-Atrium. Quelle: Florian Gaertner
Eckelshausen

Noch Anfang des Monats waren die Veranstalter optimistisch und verschickten die Flyer mit dem Programm der 32. Eckelshausener Musiktage. Vom 23. Mai bis 1. Juni sollte es zwischen Biedenkopf und Marburg heißen: „Inspiration Beethoven“. Doch der allgemeine Stillstand aufgrund der Corona-Pandemie, dessen Ende nicht absehbar ist, zwingen den Vorstand des Fördervereins dazu, die Reißleine zu ziehen.

Voller Terminkalender

Von Absage mag Vorsitzende Mareile Zürcher allerdings nicht sprechen. „Wir verschieben die Musiktage“, sagt sie im Gespräch mit der OP. Ihr Wunschtermin sei Mai 2021, die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten, an denen das Festival seit seiner Gründung stattfindet. Ob das klappt oder ob die Woche nach Pfingsten gewählt wird wie schon einmal vor einigen Jahren, steht noch in den Sternen, sagt der künstlerische Leiter Julius Berger, der die bundesweit angeordnete Kontaktsperre in seinem Haus in der Nähe von Augsburg verbringt. Denn der Cellist und Hochschulprofessor hat ja bereits, wie es bei vielbeschäftigten Künstlern üblich ist, auf Jahre im Voraus einen vollen Terminkalender.

Außerdem möchte Berger so viel wie möglich von der für dieses Jahr aus Anlass des Beethoven-Jahres geplanten Konzertreihe in den Ersatztermin hinüberretten. „Ich war so richtig zufrieden über unser rundes Programm, das nicht wie andernorts eine historische Rückschau, sondern einen frischen Blick auf Beethoven bieten sollte“, berichtet er. Geplant war nämlich aufzuzeigen, welche „Inspiration“ der aus Anlass seines 250. Geburtstages weltweit gefeierte Jubilar aus dem Schaffen seiner Vorgänger schöpfte und wie wiederum er seine Nachfolger beeinflusste – vom Romantiker Johannes Brahms bis hin zur zeitgenössischen Südtiroler Komponistin Manuela Kerer, deren Konzert für zwei Violoncelli und Orchester „Penumbra“ (Halbschatten) Berger gemeinsam mit seiner Frau Hyun-Jung Berger im Buchenauer Manfred-Roth-Atrium uraufführen wollte.

Kulturpreis „Klang“ für Lars Vogt

Aber auch an den für dieses Jahr verpflichteten, mit ihm befreundeten Künstlerkollegen möchte Berger festhalten – wenn es deren Planungen erlauben.
Lars Vogt, nicht nur nach Bergers Einschätzung, einer der herausragenden Beethoven-Pianisten unserer Zeit, der in Buchenau das 1. Klavierkonzert des Jubilars spielen wollte, werde dies, „wenn es irgendwie geht“, auf jeden Fall möglich machen. Er soll dann auch den von der inzwischen 96-jährigen Festivalgründerin Annemarie Gottfried gestifteten Kunst- und Kulturpreis „Klang“ überreicht bekommen, zu dessen Trägern bisher Berger selbst und der Weltklassegeiger Gidon Kremer zählen.

Damit die erzwungene Pause den Musikfreunden nicht zu lang wird, denken Berger und Zürcher derzeit auch über ein Konzertwochenende für die Mitglieder des Fördervereins im Oktober dieses Jahres nach, an dem sich der künstlerische Leiter möglicherweise mit Beethovens Cello-Klavier-Sonaten beteiligen wird.

Zürcher, die ja mit den Musiktagen aufgewachsen ist, liegt zudem besonders am Herzen, Kinder und Jugendliche für die klassische Musik zu gewinnen. An der musikalischen Grundschule Biedenkopf hatte Musiklehrer und Trompeter Frank Rompf bereits damit begonnen, die 285 Jungen und Mädchen auf das für 28. Mai geplante Kinderkonzert des Blechbläserquintetts „Brasserie“ einzustimmen.

Spenden für das „Netzwerk Musik“

Und Ende April sollte der aus Marburg stammende Pianist Andreas Hering an der Lahntalschule, wo Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Höfer Musiklehrer ist, ein Gesprächskonzert geben – finanziert aus der beim vergangenen Adventsbenefizkonzert erspielten Spendensumme für das „Netzwerk Musik“.

Zürcher hofft, auch diese nun stornierten Angebote im kommenden Jahr fortführen zu können. Wann und in welcher Form die 32. Eckelhausener Musiktage über die Bühne gehen, hängt auch von der Finanzierung ab.
Für dieses Jahr rechnete Zürcher mit einem Etat von 110.000 Euro. Die Hälfte davon sollte über die Karteneinnahmen erwirtschaftet werden, der Rest über Spenden der Mitglieder, durch die öffentliche Hand und durch Sponsoring.

Dunkle Wolken am Himmel

Und gerade was die Zuwendungen durch heimische Firmen angeht, sieht Zürcher durch die noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie dunkle Wolken am Himmel aufziehen. „Wenn uns 20.000 bis 30.000 Euro fehlen, können wir das nicht mehr durch Rücklagen ausgleichen“, sagt sie.

Einstweilen blicken Berger und sie jedoch zuversichtlich nach vorne, wozu sie auch durch die „Flut der bisher eingegangenen Kartenbestellungen“ bestärkt werden. „Bereits gekaufte Karten werden selbstverständlich zurückerstattet oder gerne als Spende geführt“, heißt es in einem Schreiben an die Freunde und Gäste der Eckelshausener Musiktage.

von Michael Arndt