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Hinterland Eckelshäuser müssen noch warten und hoffen
Landkreis Hinterland Eckelshäuser müssen noch warten und hoffen
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18:58 06.02.2021
Die Eckelshäuser leiden seit Jahrzehnten unter dem Verkehr, der sich auf der Bundesstraße 62 durch den Biedenkopfer Stadtteil wälzt. Ebenso lang hoffen sie darauf, dass eine Umgehungsstraße entsteht und sie vom Lärm und Gestank entlastet.
Die Eckelshäuser leiden seit Jahrzehnten unter dem Verkehr, der sich auf der Bundesstraße 62 durch den Biedenkopfer Stadtteil wälzt. Ebenso lang hoffen sie darauf, dass eine Umgehungsstraße entsteht und sie vom Lärm und Gestank entlastet. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Eckelshausen

Die schier unendliche Dauer um das Entstehen der Umgehungsstraße für den Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen wird womöglich um ein Kapitel erweitert. Das im Jahr 2017 begonnene Planfeststellungsverfahren steckt noch immer im Bearbeitungsstau des hessischen Verkehrsministeriums. War das Erlangen des Baurechts nach mehreren Verzögerungen zum Ende des vorigen Jahres vorgesehen, so lautet das Ziel jetzt „Ende des ersten Quartals 2021“.

Dieses nennt Wolfgang Harms, stellvertretender Pressesprecher des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, auf Anfrage der OP. Den Grund der weiteren Verzögerung erklärt Harms damit, dass die mit der Prüfung befassten Mitarbeiter „derzeit durch Sonderaufgaben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sehr stark beansprucht sind“. Harms hat aber einen weiteren Wermutstropfen mitzuteilen. Das Erlangen des Baurechts durch den Abschluss des Planfeststellungsverfahrens hängt auch davon ab, „ob das Bundesverkehrsministerium der Kostenfortschreibung zustimmt“.

Dies, weil das Bauvorhaben sich verteuerte. Gingen die Planer zu Beginn des Verfahrens davon aus, dass die rund 2,7 Kilometer lange Umfahrung des Biedenkopfer Stadtteils von der bisherigen B 62 an der Erlenmühle bis zum neuen Anschluss zwischen Eckelshausen und Kombach rund 21,13 Millionen Euro kosten wird, so lässt die allgemeine Preissteigerung im Baugewerbe die Summe auf rund 26,15 Millionen Euro ansteigen. Das bedeutet ein Plus von rund fünf Millionen Euro in vier Jahren.

Zu dieser Hiobsbotschaft befragt, erklärt der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol, er sei sicher, dass die Umgehungsstraße entsteht. Auch, weil es sich weiterhin um ein förderwürdiges Projekt handelt, das zudem sinnvoll sei und sich im Nutzen immer noch im positiven Bereich befinde. „Deshalb erwarte ich, dass es noch in diesem Quartal zu einer Planfeststellung kommt“, sagt Bartol. Der SPD-Politiker ist als stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion für Verkehr und Wirtschaft zuständig und setzte sich bisher sehr für das Entstehen der Umgehungsstraße ein.

Für diese begann im Jahr 2017 das Planfeststellungsverfahren. Nach der im November 2018 beendeten Vorprüfung des Regierungspräsidiums in Gießen stellten die Prüfer im hessischen Verkehrsministerium fest, dass die Pläne nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrichtlinie, speziell hinsichtlich der Entwässerung, zu überarbeiten waren. Später ergab sich aus den von Hessen Mobil überarbeiteten Planungsunterlagen ein „zusätzlicher Kompensationsbedarf“ – ein erweiterter Ausgleich für den Eingriff in Natur und Landschaft, zum Beispiel das Aufforsten oder das Anlegen von Biotopen. Das für Anfang 2020 angekündigte erneute Offenlegen der Pläne erfolgte im August und September des Jahres, seitdem liegen die Pläne wieder im Wiesbadener Ministerium.

Die Eckelshäuser warten seit Jahrzehnten auf den Bau einer Umgehungsstraße, die den Biedenkopfer Stadtteil vom Verkehr entlastet. Täglich durchqueren bis zu 18 000 Fahrzeuge, darunter viele Laster, auf der B 62 den Ort.

Ortsumgehung Eckelshausen

Die geplante Umgehungsstraße wird nach Berechnungen von Hessen Mobil den Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen von 90 Prozent des Verkehrs entlasten, was die Verkehrssicherheit erheblich verbessert sowie die Lärm- und Schadstoffbelastung reduziert.

Baubeginn an der B 62 wird am Ende der Ortsumgehung Biedenkopf sein. Die 2,7 Kilometer lange Umgehung führt vor der Erlenmühle in einem engen Bogen über die Lahn und das Lahnvorland, führt dann parallel zur Bahnlinie und wird nach einer erneuten Lahnquerung die B 453 in Richtung Dautphe anschließen.

Dann führt sie südlich des Gewerbegebietes Eckelshausen vorbei und endet zwischen Eckelshausen und Kombach an der alten B 62, wo auch ein Anschluss für Eckelshausen entsteht.

Von Gianfranco Fain