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Hinterland „Der Laden macht nicht mehr auf“
Landkreis Hinterland „Der Laden macht nicht mehr auf“
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15:57 07.08.2020
Heruntergelassene Rollläden: Der Dorfladen in Günterod bleibt wohl geschlossen. Quelle: Regina Tauer
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Günterod

„Dieser Laden bleibt vorübergehend geschlossen“ steht auf dem Zettel im Schaufenster des Günteroder Dorfladens. Jetzt zeichnet sich ab, dass dieser Zustand länger dauern könnte. „Der Laden macht nicht mehr auf“, sagt Ortsvorsteher Jörg Jakob (SPD).

Der bisherige Betreiber des Bäckerlädchens Udo Werther habe nicht die Absicht, das Geschäft weiterzuführen. Werther habe wissen lassen, dass sich die Einnahmen aus dem Bäckerlädchen nicht rechneten.

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„Das ist seine kaufmännische Entscheidung“, sagt Jakob. 350 bis 400 Euro Tagesumsatz müsse das Bäckerlädchen mindestens erwirtschaften, damit es sich rechne, hatte Werther gegenüber dem Hinterländer Anzeiger im November klargemacht.

Laut Jakob stehen die Eigentümer des Gebäudes in der Dorfstraße 19 mit ein, zwei Bäckereien im Kontakt. „Spruchreif ist da aber noch nichts.“

Der Ortsbeirat hofft nun auch auf Anregungen der Bürger, denn der Wunsch vom Dorfladen bestand in Günterod schon Jahre, bevor das Bäckerlädchen im November 2019 eröffnet hatte.

Zu wenig Umsatz, zu wenige Kunden

Lange wurde in der Dorfgemeinschaft die Idee vom Laden in ehrenamtlicher Regie vorangetrieben. Als dann überraschend ein privater Investor vor der Tür stand, schien das die Lösung zu sein. Die Resonanz auf Werthers Absicht, einen Dorfladen zu eröffnen, war bei einer Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus im August 2019 mit 80 Besuchern zunächst groß.

Doch schon im Februar kündigte Werther – der Dorfladen war gerade mal gut drei Monate geöffnet – per Handzettel an, das Geschäft zu schließen, wenn sich in den nächsten drei Wochen nichts ändere.

Begründung damals: Zu wenig Umsatz, zu wenig Kunden – mit Ausnahme an Wochenenden. Die Günteroder wurden um ihre Meinung gefragt, als Problem wurden die Öffnungszeiten ausgemacht, fortan war das Lädchen auch mal nachmittags geöffnet. Verbessert hat dies die Einnahmesituation offenbar nicht grundlegend, die Kundenfrequenz war bescheiden.

Andre Reiers, Fachbereichsleiter für Hochbau bei der Gemeinde Bad Endbach und Günteroder, gehört zu denen, die täglich dort einkauften. Was er berichtet, bestätigt auf eine spezielle, aber sehr treffende Weise das geringe Kundenaufkommen. Reiers: „Selbst in der Zeit, als es wegen Corona kein Klopapier in den Supermärkten mehr gab, konnte man es im Dorfladen kaufen.“

Von Regina Tauer

05.08.2020