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Hinterland Der Traum vom neuen Hallenbad
Landkreis Hinterland Der Traum vom neuen Hallenbad
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11:00 10.12.2021
Nach der Schließung des Wallauer Hallenbades gab es noch das kleine Bad im Biedenkopfer Parkhotel. Doch aus Sicherheitsgründen wurde im Jahr 2020 auch dieses Bad gesperrt. Seither hat Biedenkopf gar kein Hallenbad mehr.
Nach der Schließung des Wallauer Hallenbades gab es noch das kleine Bad im Biedenkopfer Parkhotel. Doch aus Sicherheitsgründen wurde im Jahr 2020 auch dieses Bad gesperrt. Seither hat Biedenkopf gar kein Hallenbad mehr. Quelle: Archivfoto: Hartmut Bünger
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Biedenkopf

Das Stadtparlament will prüfen, ob es möglich wäre, ein neues Hallenbad zu bauen. Mehrheitlich haben die Stadtverordneten beschlossen, dass die Stadt in Gesprächen mit dem Landkreis und mit Nachbarkommunen ausloten soll, ob es Partner für das Großprojekt geben könnte.

So richtig daran glauben, dass es in absehbarer Zeit mit einem neuen Hallenbad klappen könnte, mochte im Parlament zwar kaum jemand. Denn das würde Millionen kosten – und der Stadtsäckel ist leer. Aber vom Tisch wischen wollten die Parlamentarier das als wichtig angesehene Thema auch nicht. Uwe Plack (FDP) hatte es auf die Tagesordnung gehoben.

Plack beantragte, mit einer Standortanalyse eine Fläche für ein neues Hallenbad zu finden. Für die Analyse müssten in einem der nächsten städtischen Haushalte 50 000 Euro bereitgestellt werden. Zudem solle die Stadt herausfinden, welche Betriebskosten ein Bad mit sich bringen würde, und ob es Fördermittel gibt. Und: Die Stadt solle prüfen, ob der Kreis als Schulträger und Nachbarkommunen als Partner für das Projekt gewonnen werden könnten.

Plack erklärte, dass die Stadt seit Schließung des Bades Wallau keine Möglichkeit habe, ohne größeren Aufwand Sport- und Schulschwimmen anzubieten. Er hob hervor, dass Biedenkopf mit 2 800 Schülern der zweitgrößte Schulstandort im Kreis sei. Aber auch Privatleute und die DLRG seien betroffen. Wenn Kinder nicht schwimmen lernten, könnten sie später nicht gefahrlos baden gehen. „Es ist daher unumgänglich, zu prüfen, ob ein Hallenbad, möglichst in Schulnähe, zu realisieren ist“, forderte Plack.

Eine Frage des Geldes

„Die Intention ist grundsätzlich unterstützenswert“, sagte BB-Fraktionschef Michael Miss. Zugleich fragte er, wo – angesichts der anderen anstehenden Großprojekte – noch Geld für ein Hallenbad herkommen soll. Miss verwies auf den geplanten Neubau des Kernstadt-Bürgerhauses, auf die nötigen Investitionen ins Straßennetz und ins Freizeitzentrum Sackpfeife.

Mindestens zehn Millionen Euro werde ein neues Bad kosten. Hinzu kämen Unterhaltungskosten, sagte Miss. Allein das Lahnauenbad koste die Stadt in diesem Jahr mehr als 300 000 Euro. Die Betriebskosten für ein ganzjährig geöffnetes Hallenbad könnten bei über einer Million liegen.

Die einzige Möglichkeit bestehe darin, solch ein Projekt mit anderen Kommunen umzusetzen, sagte Miss. Genau deshalb solle Biedenkopf aber nicht als Erstes den Standort suchen, sondern zunächst die Suche nach Partnern angehen. Wenn die Stadt andere Kommunen ins Boot holen wolle, dürfe sie den Standort nicht im Alleingang festlegen, sondern müsse sich mit den Partnern abstimmen.

Die Vertreter anderer Fraktionen sahen das ähnlich. „Uns fehlt jegliche Fantasie, wie wir uns den Bau und Betrieb eines Hallenbades leisten können“, sagte CDU-Fraktionschef Markus Doruch. Auch er sah den einzigen Weg in der interkommunalen Zusammenarbeit. Die Fraktionschefs von SPD und ZfB, Christoph Schwarz und Markus Plitt, betonten, wie wichtig vielen Bürgern ein Hallenbad wäre. Allein werde die Stadt das aber nicht stemmen können. „Ob es mit anderen gemeinsam geht, werden wir sehen“, sprach Schwarz.

Kritik aus der UBL

„Schwimmunterricht für die Kinder ist dringend erforderlich“, sagte auch Benjamin Sattler (Grüne). Er hat indes wenig Hoffnung, dass andere Kommunen für das Projekt gewonnen werden können. „Ob es klappt, ist fraglich.“ Sattler schlug vor, zugunsten des Hallenbades auf andere teure Projekte zu verzichten und nannte „sogenannte Prestige-Objekte oder Statussymbole – zum Beispiel das Bürgerhaus“.

Verärgert über den Antrag, einen neuen Hallenbad-Standort zu suchen, zeigte sich UBL-Fraktionschef Dirk Balzer. „Wir hatten bis 2006 ein funktionsfähiges Hallen- und Freibad in Wallau.“ Das sei außer Betrieb gesetzt und abgerissen worden. Und nun wolle das Parlament nach einem neuen Standort für ein neues Hallenbad suchen? „Wir brauchen nicht suchen, wir haben einen Standort“, sagte Balzer mit Blick auf das ehemalige Wallauer Badgelände. „Wir können direkt anfangen zu bauen.“ Angesichts der schwierigen Haushaltslage sei die Idee, ein „Zehn-Millionen-plus-x-Hallenbad“ zu bauen, allerdings „vollkommen realitätsfern“.

Die Mehrheit der Parlamentarier sprach sich am Ende dafür aus, nicht den ursprünglichen FDP-Antrag, sondern einen abgeänderten Antrag zu beschließen. Nach einem Hallenbad-Standort soll demnach vorerst nicht gesucht werden. Mehrheitlich beschloss das Parlament, dass die Stadt mit dem Landkreis und umliegenden Kommunen zunächst Gespräche führt, ob sie Interesse am Bau eines interkommunalen Hallenbades haben. Diesem geänderten Antrag stimmten 26 Parlamentarier zu. Es gab drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen – alle von der UBL.

Von Susan Abbe

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