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Hinterland Dautphetal macht sich für Ärzte-Stützpunkt stark
Landkreis Hinterland Dautphetal macht sich für Ärzte-Stützpunkt stark
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00:15 08.12.2012
Von Gianfranco Fain
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Dautphe

Nachdem die OP am 10. November von den Plänen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessens und der Ärzteschaft im Landkreis berichtete, brach ein Sturm der Entrüstung im Hinterland los. Allen voran die Bürgermeister wehren sich gegen die Pläne, die ärztlichen Bereitschaftszentralen in Gladenbach und Biedenkopf zum 1. April 2013 zu schließen und Patienten nach Sprechstundenende auf den weiteren Weg nach Marburg zu schicken.

Während die grundsätzliche Entscheidung der KV zur Umorganisation des Bereitschaftsdienstes erst bei einer Vertreterversammlung im nächsten Jahr getroffen werden kann - die Standesvertretung der Kassenärzte hat vorerst interne Probleme zu lösen (die OP berichtete) - lassen die Aktivitäten der Gemeindegremien nicht nach.

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Am Dienstagabend beschäftigte sich der Hauptausschuss der Dautphetaler Gemeindevertretung mit dem Thema. Grundlage waren ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion, um im Parlament eine Resolution zu verabschieden. Ziel: Die KV aufzufordern, ihre Pläne aufzugeben und die dezentralen Anlaufstellen zu erhalten, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Landesregierung und Kreistag sollen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Zugleich lag ein Prüfantrag der CDU/FW-Koalition vor. Laut diesem solle die Gemeinde prüfen, „ob in Dautphetal die Möglichkeit besteht, eine ,Notdienstzentrale Hinterland‘ einzurichten, in der die bisherigen Bereitschaftsdienste Biedenkopf und Gladenbach zusammengelegt werden“. Begründung: Kranken Menschen sei es nicht zuzumuten aus dem Hinterland mehr als 30 Kilometer bis zum Notdienst nach Marburg-Wehrda zu fahren. Eine Notdienstzentrale in Dautphetal würde den Weg erheblich verkürzen und die Ärzte des Hinterlands müssten in der Lage sein, wenigstens eine Zentrale zu erhalten.

Lange Wartezeiten im Pilotprojekt Fulda

Klaus Ronzheimer (FW) verstärkte die Argumentation, indem er von einem HR-Rundfunkbeitrag berichtete, in dem von Erfahrungen mit dem von der KV als erfolgreiches Pilotmodell im Landkreis Fulda berichtet wurde. Dort müssten die Patienten in der nun einzigen Zentrale bis zu acht Stunden warten, um mit einem Arzt zu sprechen. In der Diskussion machte CDU-Fraktionschef Dr. Horst Falk den Vorschlag, die beiden Anträge zu kombinieren. Das Vorhaben sei in Ordnung, urteilte Joachim Ciliox über den Koalitionsantrag, käme aber zu früh. Man wolle eine Gemeinsamkeit aufbauen und nicht signalisieren, Gladenbach und Biedenkopf aufzugeben. Es sei abzuwarten, was sich tut, und wenn es nur noch um einen Standort gehe, „dann können wir hier schreien“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

„Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es zu spät“, entgegnete Falk. Wenn es zumindest gelänge, aus zwei Zentralen eine zu gestalten, dann sei mit den Verantwortlichen zu sprechen, ob Dautphetal eine Option sein könne, denn die Gemeinde „liegt zufällig in der Mitte.“ Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) ergänzte, dass es „sicher einfacher wäre, für eine Zentrale Ärzte zu finden, die bereit sind, Nacht- und Notdienste zu übernehmen, als für zwei“. Doch Ciliox blieb bei seiner Meinung und enthielt sich bei der Abstimmung, sodass der kombinierte Antrag mit Resolution und Prüfauftrag mit 6 Jastimmen und somit einstimmig der Gemeindevertretung zur Annahme empfohlen wird. Abweichend vom CDU/FW-Antrag ist darin aber nur von einer „Notdienstzentrale Hinterland“ ohne weitere Ortsangabe die Rede.

von Gianfranco Fain

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