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Hinterland Dautphetal fördert Landärzte-Nachwuchs
Landkreis Hinterland Dautphetal fördert Landärzte-Nachwuchs
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11:57 02.07.2020
Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer. Mit einem Stipendium will die Gemeinde Dautphetal schon Medizinstudierende für eine spätere Tätigkeit auf dem Land gewinnen. Quelle: Oliver Berg/dpa/Archiv
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Buchenau

Als Hilfeschrei bezeichnete der Christdemokrat Dr. Horst Falk die am Montagabend von den Dautphetaler Gemeindevertretern einstimmig beschlossene „Richtlinie zur Förderung von Medizinstudenten und -studentinnen durch die Gemeinde Dautphetal“.

„Wir machen das aus der Not heraus, weil es zu wenig Hausärzte in Dautphetal und im gesamten Hinterland gibt“, fuhr der Fraktionsvorsitzende fort und verwies darauf, dass es im Bereich Biedenkopf derzeit 6,5 freie Arztsitze gebe.

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Nach dem Beschluss einer Prämienzahlung an Ärzte, die sich in der Gemeinde ansiedeln, setze die Gemeinde hiermit ihre Bemühungen fort, Ärzten die Ausübung ihrer Tätigkeit in der Gemeinde schmackhaft zu machen. Das Stipendium sei langfristiger angelegt, ein Erfolg werde sich erst in fünf bis acht Jahren zeigen. Es sei aber auch eine Investition in die Zukunft, um die Orte der Gemeinde lebenswert zu erhalten.

Damit gehe die Gemeinde einen anderen Weg als der Landkreis, der mit der Ärztegenossenschaft Prima zusammenarbeite. Diese kaufe Arztsitze auf, um sie dann „irgendwo in einem Medizinischen Versorgungszentrum zusammenzuführen und das wird vermutlich nicht Dautphetal sein“.

CDU-Abgeordneter wünscht mehr Einsatz vom Kreis

Dr. Falk wünscht sich vom Landkreis mehr Engagement, mehr Leidenschaft und mehr Mut. Das, was Dautphetal nun für die eigene Gemeinde anstoße, könne ein Modell für den ganzen Landkreis werden. „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir mehr Ärzte haben werden, als wir benötigen“, meint Dr. Falk, der auch betonte, wie wichtig es sei, diesen Beschluss in der Gemeinde „harmonisch und gemeinsam“ auf den Weg gebracht zu haben.

„Es gibt zwar noch andere Modelle, aber die sind nicht das, was wir vorantreiben wollen“, begründete Michael Honndorf die „vollumfängliche Unterstützung“ der Freien Wähler. SPD-Fraktionschef Joachim Ciliox mahnte die Landesregierung zudem an, endlich die seit Langem versprochene Landarztquote einzuführen.

Mediziner-Stipendium

Um Ärzte für eine Tätigkeit in der Gemeinde zu gewinnen, stellt Dautphetal für die Jahre von 2021 bis 2023 für insgesamt sechs Studentinnen oder Studenten eine monatliche Förderung in Höhe von je 400 Euro zur Verfügung. Die Förderung beginnt nach bestandenem Physikum und wird maximal 8 Semester lang gewährt.

Weitere Bedingungen sind die Beendigung des Studiums möglichst in der Regelstudienzeit von acht Semestern nach dem 1. Klinischen Abschnitt sowie die Verpflichtung zur Facharztweiterbildung im Landkreis sowie die Tätigkeit als niedergelassene oder angestellte Ärztin/Arzt oder auch im öffentlichen Gesundheitswesen für die Dauer von mindestens fünf Jahren in der Gemeinde Dautphetal.

Anträge auf Förderung sind bis zum 31. Januar oder 31. Juli eines Jahres in schriftlicher oder in elektronischer Form an den Gemeindevorstand in Dautphetal zu richten. Die Auswahl trifft ein Gremium der Gemeinde.

Werden die eingegangenen Verpflichtungen nach Ende des Studiums nicht erfüllt, ist die gesamte Fördersumme zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen.

Von Gianfranco Fain