Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Stiftung steht
Landkreis Hinterland Stiftung steht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 20.10.2019
Der Vorstand der Stiftung „Ortsgespräch 1244“ freut sich, dass alle Hürden überwunden sind (von links): Helmut und Ulrike Weigel, Ortsvorsteher Gerd Hartmann, Michael Schmidt, Vorsitzender des Trägervereins „IG Zur Waldeslust“, sowie Steuerberater Marco 
Scherer. Quelle: Gianfranco Fain
Dautphe

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Gespräch trafen sich am Dienstagabend die Vertreter der Stifterfamilie, die des Trägervereins und der weiteren beteiligten örtlichen Vereine, um auf den Erhalt der Gaststätte „Kamms“ als Dorftreff anzustoßen.

Vom Gespräch vor Jahresfrist berichtet Gerd Hartmann: Im Anschluss an Wolfgang Kamms Beerdigung hätten Helmut und Ulrike Weigel den Wunsch geäußert, dass der Nachlass ihres Onkels ganz in dessen Sinne der Dorfgemeinschaft zugutekomme. „Ich dachte, es würde einen Satz Gläser fürs Bürgerhaus oder etwas Ähnliches geben“, fährt der Ortsvorsteher fort und gibt zu, nicht im Traum daran gedacht zu haben, dass „so etwas“ entstehen würde.

Gemeint ist die Stiftung „Ortsgespräch 1244“, die das Gebäude der Gaststätte „Kamms“ an den Trägerverein „Zur Waldeslust“ verpachtet. Die Mitglieder des Trägervereins richteten das Haus und die Gaststätte wieder her und betreiben diese. Aus den Einkünften entrichtet der Trägerverein die Pacht, die für Erhaltungsarbeiten am Gebäude angesammelt wird, und tragen ihre sonstigen laufenden Kosten.

Die Bedingung der Stifterfamilie, dass sich möglichst viele Dautpher Vereine an der Arbeit der Stiftung beteiligen und ein Verein die Gaststätte fortführt, war im Mai erfüllt. Ende August eröffnete der Trägerverein die Gaststätte wieder, und mittlerweile liegt auch die Stiftungsurkunde des Regierungspräsidiums Gießen – der Anlass der Zusammenkunft – vor.

"Bei weitem unsere Vorstellungen übertrifft"

„Hiermit ist es amtlich“, sagt Ulrike Weigel vor den Vereinsvertretern in „Kamms“ Gastraum. Ihr ist die Freude darüber anzusehen, den Lebensinhalt ihres Onkels wieder als Treffpunkt zum Austausch von Gesprächen und dem Stärken der Dorfgemeinschaft dienen zu sehen.

Sie lobt namentlich alle acht Mitglieder der „IG Waldeslust“, die in rund 2.500 Arbeitsstunden und mit eigenem Kapital das Haus so wieder herrichteten, dass es „bei Weitem unsere Vorstellungen übertrifft“. Im Dank eingeschlossen werden auch Steuerberater und Schatzmeister Marco Scherer sowie Rechtsanwältin Michaela Detsch und alle beteiligten Dautpher Vereine für die Unterstützung der Stiftung. Bevor Bürgermeister Bernd Schmidt das Wort ergreift, gibt Ulrike Weigel noch einen Ausblick auf ein wichtiges Anliegen.

Im Frühjahr werde eine Rampe realisiert, damit das Haus auch Rollstuhlfahrern und Rollatornutzern offen steht. Bürgermeister Schmidt lobt die „tolle Idee, ein Stück Kultur- und Vereinsgeschichte der Dorfgemeinschaft zurückzugeben“. Denn diese Gemeinschaft sei das Wertvollste, was es im Ort zu erhalten gebe. Zum Schluss ruft Schmidt die Dautpher auf, die Gaststätte zu nutzen, weil sie ohne Leben nicht bestehen könne.     

von Gianfranco Fain

Zur Waldeslust "brummt" wie am ersten Tag       

„Wenn Ihr aufmacht, knallt’s ohne Ende“, habe ihm Helmut Weigel prophezeit, und genau so ist es gekommen, berichtet Michael Schmidt. Die Gaststätte „Zur Waldeslust“ werde sehr gut angenommen. „Von jung bis alt ist alles hier“, freut sich der Vorsitzende des Trägervereins „IG Zur Waldeslust“ und ergänzt: „So haben wir es uns vorgestellt.“ Womit die acht Mitglieder des Trägervereins nicht rechneten: Der Zuspruch auch von Gästen aus den Nachbarorten ist selbst nach rund sechs Wochen genauso groß wie am Tag der Wiedereröffnung, dem 31. August.

An jeweils drei Tagen der Woche – Mittwoch, Freitag und Samstag – ist „Zur Waldeslust“ abends geöffnet. Am meisten ist laut Schmidt bisher am Mittwoch los. Dann kommen regelmäßig 40 bis 50 Gäste. „Da ist es auch schon mal 2 Uhr geworden. Das war sehr heftig“, fügt der Vereinsvorsitzende an. Schließlich sind alle acht IG-Mitglieder, die sich die Dienste teilen, auch noch voll berufstätig.

Wurstplatten für den kleinen Hunger 

Freitags und samstags kämen dagegen nicht so viele Gäste wie mittwochs, dafür aber schon einige Stammkunden. Zum Glück helfen auch die Ehefrauen mit, sodass bisher alles gelang. Nachbarn hätten ebenfalls schon ausgeholfen. Dennoch würden sich die IG-Betreiber freuen, wenn sich Mitglieder anderer Vereine auch an den Diensten beteiligten. So wie es beim ersten Informationsabend angeboten wurde.

Die IG-Mitglieder versehen den Thekendienst und bedienen die Gäste. Für den kleinen Hunger bieten sie Wurstplatten an. Wollen größere Gruppen für Vereinssitzungen, Familienfeiern oder Klassentreffen die Gasträume nutzen, können diese beim örtlichen Metzger ihr Essen vorbestellen. Fahrradfahrer können ihre Bikes im derzeit nicht genutzten Biergarten abstellen, dessen Tor dann abgeschlossen wird.

  • Reservierungen sind telefonisch bisher unter der Nummer 0 64 66 / 9 11 54 94 möglich. Die jedermann bekannte Nummer von „Kamms“, die 12 44, soll ab dem 1. November wieder für die Gaststätte freigeschaltet sein.     

von Gianfranco Fain