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Hinterland Freibad wird in Etappen modernisiert
Landkreis Hinterland Freibad wird in Etappen modernisiert
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17:00 26.10.2019
Das Freibad Weidenhausen soll in zwei Abschnitten modernisiert werden, sagt ein beauftragter Architekt.  Quelle: Sascha Valentin
Weidenhausen

Bis Ende des Monats will Architekt Helmut Brück der Geschäftsführung der Bädergesellschaft SEB ein Konzept vorlegen. Erste Details und Ideen stellte Brück nun bereits dem Vorstand der Schwimmbadfreunde Weidenhausen sowie den Fraktionsvorsitzenden des Stadtparlaments und Magistratsmitgliedern vor.

Am 6. Juni hatte das Parlament sich einstimmig für den Erhalt des Freibads ausgesprochen. 105 Tage später wurde damit begonnen, diesen Grundsatzbeschluss umzusetzen. Der Aufsichtsrat der SEB beauftragte Helmut Brück mit einer Bestandsaufnahme. „Mir liegt sehr viel daran, dass dieses Bad ertüchtigt wird“, sagte der Architekt, der auch Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler ist. Nach den ersten Untersuchungen steht für ihn fest: Die Anlage könnte in zwei Abschnitten modernisiert werden.

Im ersten Schritt sollte das ­Gebäude mit Umkleidekabinen, sanitären Anlagen und Technik angepackt werden. „Hier sind die meisten Eigenleistungen möglich“, erklärte Brück. Bereits im Frühjahr hatten sich 45 Bürger aus Weidenhausen – darunter Handwerker – bereiterklärt, die Sanierung tatkräftig unterstützen zu wollen.

Abriss des Gebäudes kommt nicht in Frage

Für den Architekten kommt ein Abriss des Gebäudes nicht in Frage. Er schlägt vor, nur das Dach abzutragen und den Trakt aufzustocken. So könnten die Funktionsräume auf eine Ebene mit der Badelandschaft gebracht und ohne Treppen erreicht werden. Weiterhin schwebt Brück vor, das Kinderplanschbecken vom Rand der Anlage deutlich näher an das Nichtschwimmerbecken zu versetzen.

Aus seiner Sicht kommt in einem zweiten Schritt nur der Einbau von langlebigen Edelstahlbecken in Frage. ­Außerdem will er ­Wege aufzeigen, Energiekosten einzusparen. Die Bauarbeiten könnten vor und nach der Freibad-Saison über die Bühne gehen. Somit wäre ein Betrieb im Sommer voraussichtlich weiterhin möglich. Der Start des Umbaus hängt vor allem von der ­Finanzierung ab.

Die Stadt hat beim Land Hessen einen Zuschuss aus dem Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM) beantragt. Mit den Arbeiten darf aber erst dann angefangen werden, wenn ein Förderbescheid vorliegt. Dazu müssen die Baukosten ermittelt werden.

Auch das Vergabeverfahren mit Baufirmen nimmt einige Zeit in Anspruch. Um die Modernisierung Schritt für Schritt voranzubringen, ist laut dem Ersten Stadtrat Armin Becker ein „straffer Zeitplan“ unerlässlich. „Ich will es nicht mehr erleben, dass ein Gutachten erstellt wird und sich anschließend wochenlang gar nichts mehr tut“, sagte der Sozialdemokrat. Das unterstrichen auch die beiden Fraktionsvorsitzenden Hans-Hermann Ullrich (CDU) und Robby Jahnke (SPD).

"Am Geld wird's nicht scheitern"

Aufgrund des ersten von der SEB in Auftrag gegebenen Gutachtens sei wertvolle Zeit vergeudet worden. Damals hatten sich zwei Sachverständige lediglich mit einem kompletten Neubau beschäftigt. „Am Geld wird’s nicht scheitern – wir müssen aber endlich einmal innovativ und risikobereit sein“, sagte Edmund Zimmermann (Junge Liste/Grüne).

Armin Becker sprach sich dafür aus, dass sich der Förderverein von Anfang an in die Planungen einklinken solle. Brück will sich mit den Schwimmbadfreunden abstimmen, in welchem Umfang Eigenleistungen in die Auftragsvergabe eingebunden werden können.

Weidenhausens Ortsvorsteher Markus Wege (SPD) plädierte dafür, dass im Wirtschaftsplan 2020 der SEB bereits „ein gewisser Betrag“ für die Erhaltung des Schwimmbades aufgenommen wird. Am 12. November will sich der Aufsichtsrat der SEB mit dem ersten Konzept samt Kostenschätzung des Architekten beschäftigen. Das Gremium – sieben Parlamentarier, Bürgermeister und Erster Stadtrat – muss dann entscheiden, welche Schritte folgen sollen.

Absagen sorgen beim Verein für Verwunderung

Zu dem Treffen der Schwimmbadfreunde Weidenhausen mit Vertretern aus Parlament und Magistrat waren auch Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) und Günter Euler, Geschäftsführer der Bädergesellschaft SEB, eingeladen. Beide erschienen jedoch nicht.

Kremer hatte seine Absage ­einige Tage zuvor den Schwimmbadfreunden per E-Mail mitgeteilt. Als Grund gab er an, dass an diesem Abend die Bürgerversammlung in ­Weitershausen anstehe. An dieser Sitzung – sie begann um 18 Uhr – nahmen auch drei Fraktionsvorsitzende und der Erste Stadtrat teil, die anschließend pünktlich um 20 Uhr zu der Gesprächsrunde in Weidenhausen erschienen.

­Ohnehin gäbe es „noch nicht so dramatisch viel zu berichten“, ließ Kremer den Förderverein wissen. SEB-Geschäftsführer Euler teilte einen Tag nach dem Info-Treffen zum Freibad mit, dass er urlaubsbedingt nicht daran teilnehmen konnte. „Es ist schon ein komisches Gefühl für uns als Vereinsvertreter, wenn beide nicht zu der Sitzung kommen“, sagte Stefan Düppers, Vorstandsmitglied der Schwimmbadfreunde.

Der Förderverein stehe bei der angestrebten Modernisierung des Freibads in den Startlöchern. „Wir würden uns sehr freuen, wenn auch der Bürgermeister und Geschäftsführer mit im Boot wären“, sagte Düppers. Doch: „Wir haben nicht das Gefühl, als wären wir mit unseren Initiativen gerne­ gehört.“ Gleichwohl will der Förderverein Kremer und Euler erneut einladen.

von Michael Tietz