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Hinterland DRK impft auch seine Verwaltung
Landkreis Hinterland DRK impft auch seine Verwaltung
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11:58 18.02.2021
Führungskräfte in der Heimverwaltung des DRK-Kreisverbands Biedenkopf sind zum Teil geimpft worden. Die Vorstandsvorsitzende und der Landkreis sagen, sie gehörten zur Personengruppe, die „höchste Priorität“ bei der Impfung hat.
Führungskräfte in der Heimverwaltung des DRK-Kreisverbands Biedenkopf sind zum Teil geimpft worden. Die Vorstandsvorsitzende und der Landkreis sagen, sie gehörten zur Personengruppe, die „höchste Priorität“ bei der Impfung hat. Quelle: Foto: Hartmut Bünger
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Biedenkopf

In den vergangenen Wochen sind mehrfach Menschen geimpft worden, bei denen es zumindest fraglich ist, ob sie nach der Impfverordnung des Bundes schon an der Reihe gewesen wären. Das ist der Presse auch über die Impfaktionen in den beiden Seniorenheimen des DRK-Kreisverbands Biedenkopf in Wallau und Biedenkopf zugetragen worden: Nicht nur Senioren und Pfleger seien geimpft worden, sondern auch Führungskräfte des DRK, die mit der täglichen Pflegearbeit keine oder nur minimale Berührungspunkte hätten.

Dass die Impfdosen andernfalls verfallen wären, könne nicht das Argument sein, hieß es vonseiten der Informanten, gebe es in direkter Nähe doch das DRK-Krankenhaus samt dessen Intensivstation – den dortigen Mitarbeitern habe man jedoch keine Impfdosis angeboten.

Die Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbands bestätigte auf Nachfrage den Vorgang als solchen, wies die Vorwürfe jedoch zurück. „Alle Personen, die wir bislang impfen konnten, fallen unter die höchste Prioritätsstufe gemäß Paragraf 2, Absätze 1 bis 3 der Corona-Impfverordnung“, schreibt A. Cornelia Bönnighausen. Selbstverständlich würden darunter auch Führungskräfte fallen.

„Sie haben nicht nur eine wichtige Vorbildfunktion, sondern in einem Altenheim auch immer Bewohnerkontakt“, argumentiert die DRK-Vorstandsvorsitzende, die zu Beginn des Jahres 2018 die Nachfolge von Willy Welsch angetreten hat. „Somit haben wir selbstverständlich auch die Mitarbeiter der Heimverwaltung mitgeimpft, die dies gewünscht haben.“ Ob sie selbst auch zu diesen Geimpften gehörte, beantwortete sie nicht.

Bönnighausen berichtete darüber hinaus, man habe bei dieser Gelegenheit mit der sechsten Dosis der Ampullen, in Absprache mit der zuständigen Impfärztin, 17 Mitarbeiter geimpft, die zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus Dienst gehabt hätten und die sich dort seit Monaten um die Covid-Patienten kümmern würden.

Der stellvertretende Pressesprecher des Landkreises, Sascha Hörmann, bestätigt auf Nachfrage, dass während der Impfungen in den Seniorenheimen des DRK Biedenkopf niemand geimpft worden sei, der nicht zur höchsten Prioritätsstufe zähle. Neben den Bewohnern und dem Personal, das in der Pflege eingesetzt wird, seien zwar sieben Ärzte der Covid-Station des DRK-Krankenhauses mit geimpft worden, da die vorhandene Impfstoffmenge nach den Impfungen dafür noch ausgereicht habe. Aber: „Krankenhäuser mit Covid-Stationen gehören zur ,höchsten Priorität‘. Insofern erfolgte anlässlich der Termine in den Einrichtungen keine Impfung außerhalb der höchsten Priorität.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass bei anderer Gelegenheit nicht doch schon Menschen geimpft worden sind, die nicht zur höchsten Prioritätsstufe gehören. Sascha Hörmann erklärt das folgendermaßen. Manchmal komme es vor, dass nach der Impfung der angemeldeten Personen noch vereinzelt Impfdosen übrig sind. Das passiere etwa deshalb, weil sich aus einer Ampulle bekanntermaßen mehrere Impfdosen ergeben. „Werden also beispielsweise nur zwei Dosen für die angemeldeten Impflinge gebraucht, bleibt fertig angemischter Impfstoff übrig“, schreibt der stellvertretende Kreispressesprecher, „der muss allerdings innerhalb einer Stunde verimpft werden und darf auch nicht weiter transportiert werden“.

Geimpfte namentlich erfasst

In solchen Fällen versuche man zunächst, die Besatzung eines Rettungswagens, also anderen Berechtigten der höchsten Priorität, kurzfristig in die Einrichtung kommen zu lassen, um sie zu impfen. Könne kein Zugehöriger zur Gruppe der höchsten Priorität erreicht werden, würden impfwillige Anwesende geimpft. Hörmann: „Schlichtweg deshalb, weil wir uns weigern, übrig gebliebenen Impfstoff wegzuschmeißen und diese wertvolle Ressource zu verschwenden.“

Im Gesundheitsamt des Kreises wird namentlich genau erfasst, wer geimpft worden ist. Genaue Angaben zu der Zahl der Geimpften gehen darüber hinaus an das Land Hessen und das Robert Koch-Institut.

Von Hartmut Bünger

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