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Hinterland Corona verschärft die Krise
Landkreis Hinterland Corona verschärft die Krise
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17:56 02.06.2020
Die Herstellung der Waschgelegenheiten für die einzelnen Gemeinden des Ngara-Districtes sowie Reverend Oscar und Reverend Theobard bei der Übergabe der Waschgelegenheiten. Quelle: privat
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Niedereisenhausen

Der Tansania-Arbeitskreis (TAK) des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach hat angesichts der durch die Corona-Pandemie ausgelösten dramatischen Lage in den tansanischen Partner-Distrikten ein Nothilfe-Programm beschlossen.

Außerdem richtet das Gremium um Dekan Andreas Friedrich und die Partnerschafts- und Ökumenereferentin des Dekanats, Marion Schmidt-Biber, eine dringende Spendenbitte an die Öffentlichkeit.

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Bereits im März hatte der TAK eigentlich für Seminare im Kituntu- und Ngara-District angewiesene Mittel in Höhe von zusammen 4.000 Euro für Präventionsprojekte freigegeben.

Weitere 2.000 Euro, die ursprünglich für den Kauf von medizinischem Gerät für die Krankenstation Katenga verwendet werden sollten, mussten für Schutzmaßnahmen wie Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel, Thermoscanner und die Errichtung zusätzlicher Waschgelegenheiten verwendet werden.

Handel ist praktisch zusammengebrochen

„Seit Beginn der Corona-Pandemie sind auch in Tansania die Preise für Materialien wie Masken und Handschuhe und Desinfektionsmittel stark angestiegen“, sagt Schmidt-Biber. Nach Auskunft von Yoram Karusya, dem Generalsekretär der Karagwe-Diözese, sind auch die Preise für Lebensmittel in die Höhe geschnellt.

Durch geschlossene Grenzen zu Nachbarländern und die Einstellung des Flugverkehrs fehle es an Nachschub, die Regale in vielen Läden seien leer, der Handel sei praktisch zusammengebrochen.

„Die Auswirkungen von Corona sind derzeit noch schlimmer für die Menschen als die Seuche selbst“, sagt die Ökumenereferentin. Offiziell bestätigt sind in den Partnerschafts-Regionen nur wenige Coronafälle. „Die Lage ist unübersichtlich, es gibt keine genauen Zahlen“, sagt Schmidt-Biber. Fehlende Testmöglichkeiten und die hohe Auslastung des einzigen von der Regierung beauftragten Testzentrums in Dar es Salaam seien Gründe dafür.

Einmalige Nothilfe beschlossen

Einen kompletten Lockdown gebe es in Tansania nicht, doch Schulen, Kindergärten und Universitäten seien seit März geschlossen, erläutert Schmidt-Biber. Zum Schutz vor der weiteren Ausbreitung haben einige Kirchen, darunter die Karagwe-Diözese, Gottesdienste bis auf weiteres ausgesetzt.

Da aufgrund der fehlenden Kollekten und Einnahmen die kirchlichen Mitarbeitenden und Lehrer der dazugehörigen Schulen keine Gehälter erhalten, sieht der TAK dringenden Handlungsbedarf.

Die Mitglieder des Gremiums haben eine einmalige Nothilfe über insgesamt 11.300 Euro für die kirchlichen Mitarbeitenden im Kituntu- und Ngara-District, in Nkwenda und der Tegemeo-Schule beschlossen, aus der jeder der knapp 150 Betroffenen einmalig 200.000 Tansanische Schillinge erhält – das entspricht etwa 80 Euro, was knapp einem halben Monatsgehalt der Lehrer und Pfarrer entspricht.

Handhygiene ohne fließendes Wasser?

„Rechnet man die Preise für jeweils ein Kilo von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais, Zucker und Öl zusammen, kommt man auf einen Betrag von etwa 3,50 Euro“, so Schmidt-Biber. „Wie weit eine sechs- bis achtköpfige Familie damit kommt, mag man sich ausrechnen.“

Außerdem erhalten die Distrikte Kituntu und Ngara orientiert an der Zahl ihrer Kirchspiele zunächst 2.500 beziehungsweise 2.000 Euro zur Unterstützung notleidender Familien und jeweils noch einmal die gleiche Summe für das Beschaffen weiterer Präventionsmittel wie Desinfektionsmittel, Handschuhe, Masken und Waschgelegenheiten.

„Die Handhygiene ist sehr schwierig in Gegenden, in denen es vielerorts kein fließendes Wasser gibt“, macht die Referentin bewusst. Auch die Schulen müssten umfangreiche Vorsorge treffen, um die Kinder bei der Wiederaufnahme des Unterrichts zu schützen.

Kleiner Beitrag sichert tägliches Überleben

Für zusätzliche Waschgelegenheiten und das Beschaffen von Schutzartikeln wie Desinfektionsmittel stellt der TAK jeweils 2.000 Euro zur Verfügung. Möglich wird die Nothilfezahlung durch nicht zweckgebunden festgelegte Rücklagen der Partnerschaftsarbeit, die für Projektanfragen oder Notlagen vorgehalten werden.

Um die Corona-bedingten Notlagen in den Partnergemeinden und -distrikten abmildern und auch weiterhin Projekte fördern zu können, benötigen Dekan Friedrich und Ökumenereferentin Marion Schmidt-Biber im Namen des Tansania-Arbeitskreises Spenden.

„Angesichts der Not ist unsere Spende zwar nur ein kleiner Beitrag, aber er sichert für viele Menschen das tägliche Überleben für eine Zeit“, appellieren sie. Mehr Informationen stehen im Internet auf dekanat-big.de.

Von Klaus Kordesch

Der Autor ist Öffentlichkeitsreferent des evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach.

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