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Hinterland Hessische Corona-Regeln in Gastronomie
Landkreis Hinterland Hessische Corona-Regeln in Gastronomie
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11:00 20.09.2020
Patrick (links) und Karl-Hermann Werner leiten den Catering-Betrieb Werner im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen. Dazu gehören auch ein Hotel und eine Gaststätte. Quelle: Mark Adel
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Mornshausen/D

In geselliger Runde ein Bier in der Kneipe trinken? Mit der Familie essen gehen? Die Konfirmation feiern und ein leckeres Buffet aufbauen? Kein Problem, sagen die Gastronomen Karl-Hermann und Patrick Werner. Vater und Sohn führen einen weit über das Hinterland hinaus tätigen Betrieb und sagen: Die Menschen lassen sich zu sehr verunsichern.

Vor allem mit Catering verdienen die beiden Unternehmer ihr Geld. Zusätzlich führen sie ein Hotel mit Restaurant und Biergarten. Der Lockdown und die Einschränkungen haben das Geschäft einbrechen lassen: Die zehn Mitarbeiter sind seit März in Kurzarbeit.

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„Uns fehlen 60 bis 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Seniorchef Karl-Hermann Werner. Nur langsam gehe es aufwärts.

Dabei könne inzwischen wieder einiges gemacht werden, berichtet er. Doch Kunden sagten immer wieder ab, gerade erst eine Konfirmation. „Die Leute werden von Freunden und Bekannten in Hysterie versetzt“, ärgert er sich. „Da kursieren gigantische Fehlinformationen.“

Kuchen mitbringen ist kein Problem

So glaubten Ausrichter von Feiern zum Beispiel, Gäste dürften keinen Kuchen fürs Buffet mitbringen. „Dabei ist das kein Problem.“ Gerade erst hat der Traditionsbetrieb das Catering bei einer Hochzeit in Wetzlar übernommen. „Da werden die Abstände eingehalten, außerhalb des Tischs tragen die Gäste ihren Mundschutz“, sagt Patrick Werner. Was viele auch nicht wüssten: Man kann sich am Buffet selbst bedienen, ebenfalls mit Mundschutz.

Eine andere Hochzeit hingegen sei gerade abgesagt worden, „die Braut hat unter Tränen angerufen“, sagt Karl-Hermann Werner. „Das wäre in einer Riesen-Halle gewesen.“

Die Behörden tragen aus der Sicht der Werners einen erheblichen Teil zur Verunsicherung der Menschen bei. Denn die würden Regeln oft viel schärfer umsetzen, als vom Gesetzgeber gefordert. „Das ist von Ordnungsamt zu Ordnungsamt unterschiedlich“, sagt der Seniorchef.

Zu viele Fehlinterpretationen

Oft seien die alten Regeln aus der Anfangszeit der Pandemie immer noch in den Köpfen. „Das ist ruinös“, ärgert sich der Seniorchef. Und der Umsatz sei unwiederbringlich verloren: „Das Schnitzel, das im April nicht bestellt wurde, wird ja nicht zweimal gegessen“, sagt Patrick Werner.

Dabei könne man im Restaurant längst wieder normal einkehren: „Wie man sich zu Hause verhält, verhält man sich als Familie auch in der Restauration“, erklärt der Juniorchef.

Es werde zu viel fehlinterpretiert, man lasse sich zu sehr verunsichern. Probleme wie falsch ausgefüllte Anwesenheitslisten gebe es kaum. „Das liegt im Promillebereich“, sagt Karl-Hermann Werner. „Aber damit wird das Stimmungsbild nachhaltig negativ beeinflusst.“

Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass Konfirmationen stattfinden, viele Kommunen aber die Bürgerhäuser für ­Familienfeiern weiterhin noch geschlossen haben. Stattdessen werde dann in viel engeren Räumen zu Hause gefeiert. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen, denn die Vereine dürfen ja rein“, findet Patrick Werner.

Dehoga informiert regelmäßig

Ein weiteres Problem sei, dass viele Gastronomen selbst nicht auf dem aktuellen Stand seien, weil sie nicht dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) angehörten. Der informiere regelmäßig über die geltenden Richtlinien. „Es gibt Gastwirte, die Ehepartner 1,50 Meter auseinandersetzen“, berichtet Karl-Hermann Werner.

Die Mornshäuser Gastronomen rechnen zwar damit, dass im nächsten Jahr der Terminkalender aus allen Nähten platzt, weil Feiern verschoben werden. Doch sie rechnen weiter mit Problemen, etwa, weil Zeltverleiher die Krise nicht überstehen: „Manche nehmen schon keine Reservierungen mehr entgegen, weil sie nicht wissen, ob sie nächstes Jahr noch da sind“, sagt Patrick Werner.

„Wir hingegen werden mit zwei blauen Augen durchkommen“, sagt der Juniorchef. „Wenn kein zweiter Lockdown kommt.“

Hintergrund

Laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gelten in Hessen unter anderem folgende Regeln:

  • Zu den wichtigsten Grundregelnfür die Gastronomen zählt der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen Gästen. Ausnahmen: Gruppen bis zehn Personen oder zwei Hausstände, also in einem Haushalt zusammenlebende Personen. Im Innen- und Außenbereich müssen die Gästedaten erfasst werden. Um Warteschlangen zu vermeiden, sollen die Wirte eine sinnvolle Wegeführung erarbeiten, zum Beispiel eine „Einbahnstraße“.
  • Mund-Nase-Schutz: Eine grundsätzliche Vorschrift, dass Gäste eine Maske tragen müssen, gibt es nicht. Gastronomen dürfen aber darauf bestehen – besonders, wenn die Abstandsregel nicht oder nur schwer eingehalten werden kann. Damit sollen auch andere Gäste und Mitarbeiter geschützt werden. Kellner und Servicekräfte müssen eine Mund-Nase-Bedeckung oder Visiere tragen. Für Mitarbeiter der Küche gilt diese Pflicht schon seit Juli nicht mehr.
  • Theke: Gäste dürfen an der Theke sitzen – unter Einhaltung der Grundregeln. Das heißt: Gruppen bis zehn Personen oder zwei Hausstände müssen keinen Abstand halten, ansonsten gilt die 1,50-Meter-Regel.
  • Hausrecht: Der Dehoga empfiehlt den Wirten, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, wenn Gäste sich zum Beispiel weigern, ihre Adresse zu hinterlassen.
  • Trennwände: Wenn das Einhalten von 1,50 Meter Abstand nicht möglich ist, können die Wirte Trennwände einziehen.
  • Öffentliche Veranstaltungen: Es gelten die Abstandsregeln. Maximal 250 Teilnehmer sind ohne gesonderte Genehmigung möglich. Empfohlen wird, dass pro Person drei Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung stehen – vorgeschrieben ist das aber nicht. Ein Hygienekonzept muss vorhanden sein. Bei Konzerten oder ähnlichen Aufführungen muss es einen namentlichen Sitzplan geben. Das gilt aber nicht für Tischgesellschaften, zum Beispiel bei Hochzeiten.
  • Private Zusammenkünfte: Sie unterliegen keinen besonderen Regeln. Voraussetzung: Es handelt sich um einen „überschaubaren Personenkreis“, in dem sich alle kennen. Eine Familienfeier in einer Gaststätte kann ­also wie gewohnt stattfinden. Es gibt keine Beschränkung der Personenzahl, die an einem Tisch sitzen darf. Die Hygieneregeln müssen aber beachtet werden.
  • Tanzen: Tanzveranstaltungen sind noch verboten, gegen einen Tanz des Brautpaars spricht aber nichts.
  • Buffets: Es gibt keine Einschränkungen mehr für das ­Anbieten von Buffets. Auch Salz- und Pfefferstreuer oder Dekoration dürfen wieder auf den Tischen stehen.
  • Hotels: Es gibt keine Beschränkungen zur Auslastung von Beherbergungsbetrieben, ansonsten gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

Weitere Informationen, welche Vorgaben wegen der Corona-Pandemie in der Gastronomie gelten, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Internet unter www.dehoga-corona.de zusammengefasst.

von Mark Adel