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Hinterland Schnelle Hilfe für Heime
Landkreis Hinterland Schnelle Hilfe für Heime
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09:58 23.01.2021
Die Corona-Krise setzt Pflegern und Pflegebedürftigen zu.
Die Corona-Krise setzt Pflegern und Pflegebedürftigen zu. Quelle: Themenfoto: Angelika Warmuth/dpa
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Bad Endbach

Alten- und Pflegeheime geraten bei einem Corona-Ausbruch personell schnell an ihre Grenzen. Welche Möglichkeiten der Unterstützung sieht die Betreuungs- und Pflegeaufsicht beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales in Gießen, angesiedelt beim Regierungspräsidium (RP).

Werden grundsätzlich alle Infektionsausbrüche in Pflege- und Altenheimen an das Regierungspräsidium gemeldet?

Pflegeheime sind nach § 11 Abs. 2 des Hessischen Gesetzes über Betreuung- und Pflegeleistungen (HGBP) verpflichtet, ein Infektionsgeschehen mit Sars-CoV-2 unverzüglich gegenüber der örtlich zuständigen Betreuungs- und Pflegeaufsicht (BPA) anzuzeigen.

Für den Landkreis Marburg-Biedenkopf ist die BPA beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales (HAVS) Gießen zuständig. Sie beurteilt, ob der Betreiber einer Einrichtung die Anforderungen des Hessischen Gesetzes über Betreuung- und Pflegeleistungen erfüllt.

Welche Möglichkeiten sieht das RP, die Versorgung der Heimbewohner in von Corona-Ausbrüchen betroffenen Altenheimen wie der Einrichtung „Waldesruh“ in Bad Endbach zu sichern?

Der ordnungsgemäße Betrieb einer Einrichtung steht in der alleinigen Verantwortung des jeweiligen Betreibers. Die Unterstützungsmöglichkeiten werden einzelfallbezogen von der BPA bewertet und ergriffen. So können beispielsweise Möglichkeiten zur vorübergehenden Personalakquise aufgezeigt und Kontaktdaten vermittelt, strukturelle Hilfen für die Einrichtung geschaffen, notwendige Prozessschritte gemeinsam mit der Einrichtung und allen Beteiligten festgelegt und Ansprechpartner in der Region kontaktiert werden.

Was geschieht, falls die Bemühungen des Betreibers nicht ausreichen, zusätzliches Personal extern zu rekrutieren?

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat einen Corona-Koordinierungsstab und eine Taskforce „Pflege und Corona“. Diese ist beim Gesundheitsamt des Landkreises angesiedelt. In enger Zusammenarbeit mit der BPA Gießen können Einrichtungen so dabei unterstützt werden, zum Beispiel qualifiziertes Personal für die Bereiche Pflege, Reinigung, Küche und Haustechnik zu gewinnen. Daneben gibt es unterschiedlichste Ansätze und Möglichkeiten, um auf drohende Personalengpässe in Einrichtungen zu reagieren:

Größere Betreiber mit mehreren Einrichtungen können aus nicht betroffenen Einrichtungen Personal in betroffene Einrichtungen verschieben. Ambulante Pflegedienste können Unterstützung leisten. Eine weitere Möglichkeit ist, über Personaldienstleister Leiharbeitnehmer zur Überbrückung von Personalengpässen zu gewinnen.

Auch kommt in einzelnen Einrichtungen die Bundeswehr unterstützend zum Einsatz, neben den weiteren Hilfsorganisationen wie Technisches Hilfswerk oder Deutsches Rotes Kreuz.

Was gibt es noch für Angebote?

Das Land Hessen empfiehlt einerseits die Vermittlungsplattform pflegereserve.de, über die Unterstützung gewonnen werden kann. Des Weiteren vermittelt das Land über einen Pool an registrierten Medizinstudenten Unterstützung an Einrichtungen.

Wie kann landkreisübergreifend gehandelt werden?

Durch den Zuständigkeitsbereich der BPA Gießen arbeitet diese auch mit den umliegenden Landkreisen eng zusammen. Somit können auch immer wieder landkreisübergreifende Unterstützungsangebote oder Kontakte genutzt werden. Beispielsweise hat nicht nur der Landkreis Marburg-Biedenkopf einen Personalpool eingerichtet, sondern auch der benachbarte Landkreis Gießen. Die BPA Gießen vermittelt regelmäßig den Kontakt zueinander.

Das RP Gießen als Obere BPA hat zudem die hessenweite Fachaufsicht über die sechs örtlichen Betreuungs- und Pflegeaufsichten. Dadurch können Unterstützungsangebote gesammelt und gebündelt weitergegeben werden. So soll ein zielgerichtetes Handeln möglich sein, das sich nicht nur starr auf die festgelegten Zuständigkeitsbereiche beschränkt.

Von Regina Tauer

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