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Hinterland Ebbe in vielen Freibädern
Landkreis Hinterland Ebbe in vielen Freibädern
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09:55 08.10.2020
Das Lahnauenbad im Corona-Modus: Damit Schwimmer Abstand halten können, gab es zwei Kreisverkehre. Die Besucher schwammen auf einer Bahn hin, tauchen unter der Leine zur benachbarten Bahn durch und schwammen dort zurück. Quelle: Susan Abbe
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Viel Platz im Freibad: Corona-Beschränkungen und kühles Wetter in den Sommerferien haben dazu geführt, dass sich in den vergangenen Monaten deutlich weniger Badegäste als sonst üblich ins kühle Nass gestürzt haben. Das berichten die Betreiber der Freibäder im Hinterland.

Knapp 30 Prozent weniger Badegäste als im Vorjahr kamen ab Mitte Juni ins Freibad in Weidenhausen, sagt Günter Euler, Geschäftsführer der Stadtmarketing-Energie-Bäder Gladenbach GmbH (SEB).

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Die Saison endete aufgrund des schönen Spätsommerwetters zwar erst am 20. September, doch in den letzten drei Betriebswochen zählte das Freibad insgesamt nur noch 1.000 Gäste. Zum größten Teil habe es sich dabei um Inhaber von Dauerkarten gehandelt, zusätzliche Einnahmen seien dadurch weitgehend ausgeblieben, sagt Euler.

Auf eine Beschränkung der Badegästezahl hatte die Stadt Gladenbach wegen der 2.500 Quadratmeter großen Liegefläche verzichtet, erläutert Euler. Auch an den heißen Tagen im August habe man daher keinen Badegast abweisen müssen.

Private Pools als Problem

Im Gladenbacher Erlebnisbad Nautilust fällt das Minus noch größer aus als in Weidenhausen. Vom 17. Juni, dem Tag der Wiedereröffnung, bis zum 6. September, ging die Besucherzahl im Vergleich zu 2019 um knapp 37 Prozent zurück. Gerade ältere Menschen, darunter viele Stammgäste, seien aus Sorge um ihre Gesundheit weggeblieben, hat Euler beobachtet.

Daneben dürfte die sprunghaft gestiegene Zahl privater Pools einen Anteil daran haben, dass die Besucherzahl im Freibad sank, vermutet Euler. Familien mit kleinen Kindern sähen sie gerade in der Corona-Zeit als Alternative. Man habe den Eindruck „überall in der Nachbarschaft plätschert Wasser“.

Außerdem habe es in diesem Jahr einen Run auf die Badeseen gegeben, die „restlos überfüllt“ gewesen seien. Eines ist für den SEB-Geschäftsführer klar: Die Bäder zu öffnen, sei richtig. Mit diesem Angebot erfüllten Kommunen schließlich eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Online-Anmeldung nur mäßig erfolgreich

Auch im kleinen Niederdietener Freibad ist die Besucherzahl um etwa zwei Drittel gegenüber den Vorjahren gesunken. Maximal 155 Besucher durften zeitgleich ins Bad, was die Gemeinde Breidenbach über ein Ticket-System gewährleisten wollte, bei dem die Karten vorab online gekauft wurden.

Das wurde zwar genutzt, erwies sich aber als schwer händelbar, sodass es nach und nach aufgeweicht wurde. „Für viele war die Anmeldung über das Internet schwierig“, sagt Bürgermeister Christoph Felkl (SPD). Auffällig war in seinen Augen, dass vor allem weniger Familien mit kleinen Kindern gekommen seien.

Insgesamt gab es nur drei Hochsommertage, an denen die Liegewiesen über den Tag verteilt mit rund 280 Gästen belegt waren. „Sonst ist es das Doppelte an Leuten“, sagt Pächter Georg Höhenwarter.

Dass die Badesaison in diesem Jahr anders werden würde, als jede zuvor, war der Gemeinde Steffenberg und dem Pächter des Freibades, Ali Sahan, von Anfang an klar. Nun liegt jedoch das Ergebnis vor: Unterm Strich bleibt Sahan etwa ein Drittel der Einnahmen aus dem Vorjahr.

Ärger um Wildbaden im Dimbergsee

Es seien einfach verschiedene Faktoren zusammengekommen, sagt Bürgermeister Gernot Wege (parteilos). Natürlich gehöre auch Corona dazu. „Es wäre sicherlich ein wenig blauäugig gewesen zu denken, dass wir nach der Öffnung denselben Zuspruch haben würden, wie in einem normalen Jahr“, gesteht Wege.

Hinzu komme, dass das Bad aufgrund der lange Zeit unklaren Vorgaben der Landesregierung zur Pandemie erst Mitte Juli öffnen konnte. Das durchwachsene Wetter sieht Wege als einen weiteren Faktor für das schlechte Ergebnis, ebenso wie die Zunahme privater Pools. Dennoch glaubt er, dass es richtig war, das Bad zu öffnen – wenn es auch nur für sechs Wochen war.

Ansonsten hätte das Wildbaden etwa im Dimbergsee in Steinperf noch größere Ausmaße angenommen, befürchtet er. Das Hygienekonzept für das Schwimmbad habe aber wunderbar funktioniert. Teilweise seien die Maßnahmen, wie etwa, dass keine Bahnen, sondern nur Runden geschwommen werden durften, um Begegnungsverkehr auszuschließen, bei den Badegästen sogar sehr gut angekommen.

Biedenkopf: Unter den Umständen ein Erfolg

Knapp 14.200 Besucher hat die Stadt Biedenkopf im Lahnauenbad gezählt. Im Vergleich: 2019 waren es mit gut 37.300 Badegästen mehr als zweieinhalb Mal so viele. Allerdings war das Bad im Vorjahr mit 107 Tagen auch viel länger geöffnet. Im Corona-Sommer verschob sich der Badestart auf Anfang Juli. Am Ende wurden es aber immerhin noch 70 Öffnungstage im Lahnauenbad.

Wolfgang Müller, Leiter des Fachbereichs Freizeit, Erholung und Kultur der Stadt Biedenkopf, ist unter den gegebenen Umständen mit der Saison zufrieden. „Diese Anzahl von Badegästen bewerten wir für diese Saison unter Pandemiebedingungen als einen schönen Erfolg“, sagt Müller.

Auch die Umsetzung des Hygienekonzepts habe „sehr gut geklappt“. Die Badegäste hätten mitgezogen, berichtet Müller. Bis zu 300 Leute durften sich laut Konzept gleichzeitig im Lahnauenbad aufhalten. Nur „an einigen wenigen Spitzentagen in den Sommerferien“, sei diese Obergrenze erreicht worden.

Herzhausen vermeldet: „Lief super“

Die Hälfte der zwölf Dautphetaler Ortsteile verfügt über ein eigenes Schwimmbad – und alle werden von Fördervereinen betrieben. Für das größte Bad in der Gemeinde war es ein bewegter Sommer – nicht nur wegen Corona. „Unsere Energie- und Modernisierungsmaßnahmen sind gut verlaufen“, sagt Karl-Heinz Grebe, Vorsitzender des Hallenbadvereins Buchenau.

Lediglich eine Woche später als geplant sei der Betrieb wieder aufgenommen worden. Nachdem die Sommerferien für die Renovierung genutzt wurden, schwimmen nun wieder Schüler im Hallenbad – denn zehn Schulen aus der Region stellen die wichtigste Klientel für die Buchenauer Einrichtung. Nun wolle der Verein das Bad wieder für Vereine und Aquakurse öffnen. „Natürlich alles unter Einhaltung des Hygieneplans, den wir beim Kreis eingereicht haben“, so Grebe.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Saison“, sagt auch Johannes Wege, Vorsitzender des Fördervereins Freibad Herzhausen. Diese dauerte von Mitte Juni bis Anfang September und „lief super“, meint er. Trotz Pandemie: „Die Nachfrage war wie gewohnt“, sagt Wege.

Neues Kinderbecken kommt gut an

Ähnliches weiß Kerstin Weber, Vorsitzende des Trägervereins Hallenbad Friedensdorf, zu berichten: „Wir verzeichnen eine 70-prozentige Auslastung – allerdings ist unser Bad erst seit zweieinhalb Wochen geöffnet.“ Auch in Friedensdorf sind Schulen und Vereine die Zielgruppe: „Öffentliches Schwimmen werden wir in diesem Jahr vermutlich nicht anbieten“, sagt Kerstin Weber. „Aber was das restliche Angebot angeht, so merkt man, dass die Leute schwimmen wollen.“

Wie in allen Bädern in Dautphetal gelten auch im Freibad Dautphe die üblichen Hygieneregeln. „Zunächst dachten wir, dass wir bei 5.000 Quadratmetern Liegefläche ohne eine Begrenzung auskommen“, berichtet der Fördervereinsvorsitzende Marco Schmidtke. „Aber dann haben wir die Besucherzahl auf 250 begrenzt.“

Die Besucher waren vor allem vom neuen Kinderbecken begeistert: „Die erste Saison mit diesem neuen Angebot ist super gelaufen“, freut sich Schmidtke. In einem kürzeren Zeitraum als gewohnt – nämlich im Juli und im August – seien mehr Besucher verzeichnet worden. Und auch aus den umliegenden Ortschaften seien Gäste gekommen.

Maximale Auslastung unter 60 Prozent

Besucher gab es im Freibad Allendorf in dieser Saison – während der Sommerferien – nicht. „Wir hatten diesmal ein reines Mitglieder-Bad“, erklärt Gunhild Krämer-Kornja, Vorsitzende der DLRG, die für die Aufsicht in der Allendorfer Einrichtung zuständig ist. Das bedeutet: Wer nicht zum Förderverein oder zu den Lebensrettern gehört, musste draußen bleiben.

Den größten Einzugsbereich der Dautphetaler Schwimmbäder hat sicher das Waldschwimmbad Holzhausen. Ein Blick in die Statistik bestätigt das: Aus 99 Kommunen in der Region kamen die Besucher während der siebenwöchigen Saison. Zusammengestellt hat die Zahlen Michael Schieferstein vom Vorstand des Fördervereins. „Wir haben entschieden, dass maximal 500 Menschen auf das Gelände dürfen“, erläutert er das Hygienekonzept.

„Diese Zahl wurde allerdings nie erreicht – gleichzeitig waren es maximal 290.“ Alle Gäste werden am Eingang per Scanner erfasst, zudem durften diesmal nur die 2.100 Besitzer einer Jahreskarte das Waldschwimmbad aufsuchen – das erklärt, weshalb der Verein über detaillierte Zahlen verfügt.

Von Regina Tauer, Mark Adel, Susan Abbe, Markus Engelhardt und Sascha Valentin