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Hinterland Sonderpreis für kluge Schulleitung
Landkreis Hinterland Sonderpreis für kluge Schulleitung
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13:58 27.03.2021
Die MPS Hartenrod hat für ihre digitale Lernplattform eine Auszeichnung erhalten.
Die MPS Hartenrod hat für ihre digitale Lernplattform eine Auszeichnung erhalten. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Hartenrod

Die Mittelpunktschule Hartenrod (MPS) hat den Sonderpreis für Schulleitungen der Berliner Cornelsen-Stiftung gewonnen. Dieser Sonderpreis wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs um den Zukunftspreis vergeben. Ausgezeichnet wird damit das digitale Klassenzimmer, das die MPS mit ihrer Lernplattform „mps2go“ vor einem Jahr in Windeseile auf den Weg gebracht hatte.

Die Hartenroder Antwort auf die Pandemie und ihre Folgen für die Schule beeindruckte die Jury des Wettbewerbs sehr. „Was an der Mittelpunktschule Hartenrod folgte, war eine beispielgebende Zusammenarbeit verschiedener Akteure, die in gut aufeinander abgestimmten Schritten Lösungen erarbeitete“, sagte der Jury-Vorsitzende Professor Bernd Ralle. Die Laudatio wurde per Livestream übertragen.

„Der Mittelpunktschule Hartenrod gelang es durch eine beherzte und pädagogisch kluge Initiative der Schulleitung, den Herausforderungen zu begegnen, die sich infolge der Pandemie für das schulische Leben stellten“, lobte der Professor für Didaktik der Chemie aus Dortmund. Entstanden sei in „äußerst kürzester Zeit ein hochwertiges, auf die konkreten Bedingungen der Schule ausgerichtetes digitales Klassenzimmer “, sagte Ralle. Der Juror hob auch die Zusammenarbeit mit einem Wirtschaftsunternehmen – der Werbeagentur Provinzglück in Gladenbach – hervor.

70 Schulen aus Deutschland hatten sich für den Zukunftspreis beworben. Vier wurden ausgezeichnet. In Hartenrod verfolgte die Arbeitsgruppe „bildung.digital“ um die kommissarische Schulleiterin Sabine Stoll die virtuelle Preisverleihung gemeinsam in der Aula. Die Spannung war groß. Nacheinander wurden die Preisträger vorgestellt, Platz 3 eroberte eine Klassenlehrerin der Freien Umweltschule Angern bei Magdeburg, für ein Homeschooling-Projekt für Erstklässler. Der zweite Platz ging an das Hamburger Walddörfer Gymnasium. Schüler setzten sich mit der Nutztierhaltung und ethischen Fragen auseinander.

Der erste Preis landete beim Bamberger Kaiser-Heinrich-Gymnasium – „Fridays for Facts“ überzeugte die Jury. Im Mittelpunkt des Unterrichtsmodells stehen Fakten und Fake News zum Klimawandel.

Dann war klar, der Sonderpreis geht nach Hartenrod. Zuerst flimmerte das in der Schule erstellte Präsentationsvideo über den Bildschirm. Schüler freuen sich darin über ihr digitales Klassenzimmer, sind froh, dass der Kontakt zur Schule in Zeiten des Lockdowns nicht ganz verloren geht. Lehrer erzählen, wie alles begann.

Die Freude war groß in der Aula über das Erreichte. Per Live-Schalte nach Berlin wurden die Gewinner vom Moderator der Preisverleihung interviewt. „Sie wissen schon, dass Sie mit ,mps2go’ alle Kultusminister der Länder irre blass aussehen lassen“, sagte er. „Wir wollten möglichst schnell für unsere Schüler und unsere Kollegen ein möglichst gut verwendbares System entwickeln“, sagte Stoll. Unterricht sollte – wenn auch in veränderter Form – möglich sein.

Lehrerin Frauke Schnabel schilderte, wie das digitale Klassenzimmer nach zwei Wochen in den Regelbetrieb überging. Die Eltern seien immer um ihr Einverständnis gebeten worden, sagte Stoll mit Blick auf den Datenschutz. Alle Schüler und Lehrer seien mit Endgeräten versorgt worden. Die digitale Nutzung bezieht in Hartenrod auch die Eltern mit ein, erklärte Stoll. Als im Februar Eisregen einen Elternabend gefährdete, habe man diesen einfach als Videokonferenz abgehalten.

Die Digitalisierung geht an der MPS weiter. Das Preisgeld in Höhe von 2 000 Euro will das Team „bildung.digital“ in Beamer und Lautsprecher investieren, so MPS-Lehrer Carsten Jung.

„Sie haben sehr deutlich herausgestellt, dass Sie sich nicht mit dem Mangel arrangiert haben“, lobte Professor Wolf-Rüdiger Feldmann, Beiratsvorsitzender bei der Cornelsen-Stiftung. „Sie sind pragmatisch, engagiert und zielorientiert in die Lösungsfindung gegangen.“ Die Bildungsexperten wunderten sich, dass das Modell noch keine Nachahmer gefunden hat. Das könnte sich mit der Preisverleihung möglicherweise ändern.

Von Regina Tauer

26.03.2021