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Hinterland Lob für Werner Waßmuth, 100 Prozent für Nachfolger
Landkreis Hinterland Lob für Werner Waßmuth, 100 Prozent für Nachfolger
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12:00 03.08.2021
Wechsel an der Spitze der CDU Lohra: Werner Waßmuth (links) gibt das Amt nach 34 Jahre ab, zu seinem Nachfolger wählte die Partei Christian Heubel (rechts). 
Wechsel an der Spitze der CDU Lohra: Werner Waßmuth (links) gibt das Amt nach 34 Jahre ab, zu seinem Nachfolger wählte die Partei Christian Heubel (rechts).  Quelle: Stefan Dietrich
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Lohra

Es ist das Ende einer Ära: Nach 34 Jahren ist Werner Waßmuth nicht mehr Vorsitzender der Lohraer CDU. Trotz dieser langen Zeit und trotz des sichtlichen Bedauerns seiner Parteifreunde über den Rückzug verlief der Wechsel an der Spitze am Freitagabend im Lohraer Bürgerhaus reibungslos. Christiane Weimer und Jan Birkenstock hatten als Wahlhelfer die Stimmzettel der 15 anwesenden Mitglieder schnell ausgezählt: Es waren 100 Prozent für den neuen Vorsitzenden Christian Heubel, der der einzige Kandidat für das Amt war. Heubel dankte augenzwinkernd für das „sozialistische Ergebnis“ und überreichte im Namen des CDU-Gemeindeverbandes seinem Vorgänger Waßmuth ein Präsentkorb. „Schone dich wirklich“, riet er Waßmuth, der aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten will, „es wird dir sicher schwerfallen, loszulassen.“

Heubel war in der Lohraer CDU seit April Mitgliederbeauftragter. Auch wenn der 57-Jährige in der Lohraer Politik bisher nicht in vorderster Reihe stand, kann er doch schon einiges an kommunalpolitischer Erfahrung vorweisen: Er war bis 2006 in Marburg zehn Jahre lang Vorsitzender der CDU und der CDU-Fraktion im Stadtparlament. Er habe „im ,roten’ Stadtteil Ockershausen 1997 wegen großem Ärger über Rot-Grün einen CDU-Ortsverband gegründet“, erzählte Heubel von seinem politischen Werdegang. Der gelernte Kaufmann und studierte Jurist ist als Regierungsdirektor beim Regierungspräsidium Gießen tätig.

Heubel: CDU muss Ansprechpartner für alle Generationen sein

„Ich bin der Liebe wegen nach Lohra gekommen“, erzählte Heubel. Seit 2009 wohnt er in Kirchvers, dort hat er ein Haus saniert. „Das ist der Grund, warum man relativ wenig von mir gehört hat, obwohl ich seit zehn Jahren hier wohne“, erläuterte er. Sein oberstes Ziel als Parteivorsitzender formulierte Heubel so: „Die CDU muss in allen Ortsteilen präsent sein. Wichtig ist, dass wir als Ansprechpartner wahrgenommen werden und zuhören, und zwar von allen Generationen.“ Die Partei dürfe nicht nur mit denen reden, die „laut sind“, sondern müsse „den normalen Bürger vertreten“. Und innerhalb der CDU wolle er mit einem Team arbeiten, da er als Vorsitzender unmöglich alles alleine erledigen könne.

Zuvor hatte Waßmuth auf wichtige Ereignisse in der Arbeit der Lohraer CDU während seiner 34 Jahre als Vorsitzender zurückgeblickt. „34 Jahre reichen“, sagte er. „Die Zeit hat großen Spaß gemacht, aber manchmal gibt es Gründe, die einen zwingen, etwas kürzerzutreten – bei mir sind es gesundheitliche Gründe.“ Waßmuth erinnerte an Vorhaben, die die CDU durchgesetzt habe, darunter den Bau einer Sportanlage im Jahr 1992, die Übertragung des Kirchverser Waldschwimmbades an einen Förderverein, den Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal, den heftig diskutierten – und schließlich aus dem Kreisausgleichsstock finanzierten – Neubau eines Kindergartens. „Als Parteivorsitzender vergisst man das nie, weil sehr viel Herzblut da reingeflossen ist“, sagte er. Den politischen Weggefährten in Lohra dankte Waßmuth: „Wir sind ein gutes Team und wollen das auch bleiben.“

Heck und Zachow danken Waßmuth

39 Wahlkämpfe – von der Gemeinde- bis zur Europaebene – hatte die CDU Lohra in seiner Amtszeit bestritten. 2002 war Waßmuth selbst als Bundestagskandidat der CDU angetreten. Für das Direktmandat reichte sein Ergebnis damals zwar nicht, aber er habe 55 000 Erststimmen bekommen. So viele seien es nie wieder gewesen, sagte Waßmuth – und bat den anwesenden CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Stefan Heck, der zum erneuten Mal für das Direktmandat kandidiert, um Verzeihung für diese Feststellung. Heck dankte Waßmuth als Kreisvorsitzender: „Auf dich war und ist immer Verlass. Ich kann mir eine CDU Marburg-Biedenkopf ohne dich gar nicht vorstellen.“ Er freue sich deshalb, dass Waßmuth der CDU-Kreistagsfraktion weiterhin erhalten bleibe. „Du hast für deine Gemeinde gekämpft und hast mit Erfolg gekämpft“, lobte auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). „Du warst großartig für Lohra und die CDU.“

Seine anderen politischen Ämter, unter anderem im Kreistag, will Waßmuth weiterhin ausführen. Auch im Vorstand der CDU bleibt bis auf den Wechsel an der Spitze zunächst alles beim Alten – erst im Herbst soll der komplette Vorstand neu gewählt werden.

Von Stefan Dietrich