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Hinterland Künftig Glatze für den guten Zweck
Landkreis Hinterland Künftig Glatze für den guten Zweck
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18:00 31.07.2019
Der Doc als Headbanger: Carsten Wenzel mimt bei seinen Auftritten mit der Band „Side Of Soul“ auch den Rocker.  Quelle: Michael Tietz
Gladenbach

Kindern helfen, die ihr Haar durch Krankheit verloren haben – dieses Ziel verfolgt der Verein „Die Haarspender“. Und genau den möchte Carsten Wenzel mit seiner Aktion unterstützen. Außerdem will der Entertainer und Zahnarzt auf die Arbeit der Initiative aufmerksam machen.

Die sammelt Haar- und Geldspenden. Davon werden dann maßgeschneiderte Perücken für unter Krebs oder Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) leidende Kinder angefertigt. „Eine tolle Sache. Den Kindern kann auf diesem Weg vielleicht ein Stückchen Normalität während ihrer Krankheit zurückgegeben werden“, sagt Wenzel.

Seine Haare sind mehr als 40 Zentimeter lang, gemessen hat er sie noch nicht. „Schuld, dass ich lange Haare habe, ist eigentlich mein Papa“, erzählt Wenzel mit einem Schmunzeln. Denn der habe ihm früher immer die Haare geschnitten – meist viel kürzer, als es der Sohnemann wünschte.

Deshalb stand für Carsten Wenzel fest: „Irgendwann will ich mal die Haare lang haben.“ Mit 35 Jahren habe er diesen Worten dann Taten folgen lassen, sprich: die Haare wachsen lassen. „Das sollte eigentlich nur fünf Jahre dauern – jetzt bin ich 50“, sagt Wenzel und lacht.

"Wenn sie abkommen, dann komplett"

Ein Erlebnis in seinem Bekanntenkreis ließ ihn intensiver über seine Haarpracht nachdenken. Als einer Frau während der Chemotherapie die Haare ausfielen, habe sich ihr Ehemann aus ­Solidarität eine Glatze rasiert, berichtet Wenzel: „Das hat mich sehr berührt.“

Etwas später stieß der Zahnarzt dann auf die Möglichkeit der Haarspende für kranke Kinder. Der Gladenbacher erinnerte sich an den Song „Kinder an die Macht“ von Herbert Grönemeyer – und ergriff die Initiative. Die Kinder müssten schwere Schicksalsschläge wegstecken. Da könnte eine Echthaarperücke die Nöte der kleinen Patienten zumindest ein Stück weit lindern, dachte Wenzel sich.

Deshalb informierte er sich über den Verein „Die Haarspender“. Der arbeitet mit knapp 200 Partnersalons im deutschsprachigen Raum zusammen. Dort können sich die Spender ihre Haare schneiden lassen. Zu diesem Kreis gehört der Friseursalon von Jessica Meinhardt-­Vogel in Marburg. Den besuchte Wenzel und bekam sofort grünes Licht für seine Spende. Die grauen Haare seien kein Problem, Länge und Fülle seien ideal.

Die Anregung der Friseurin „Dann machen wir dir ­eine schöne Kurzhaarfrisur“ will Wenzel allerdings nicht folgen. „Wenn sie abkommen, dann komplett. Das wird bestimmt am Anfang krass aussehen, aber ich möchte ein klares Statement abgeben. Und da meine Haare glücklicherweise nach wie vor sprießen, habe ich kein ­Problem damit“, sagt er.

Musiker wollen Geldspenden sammeln

Geschehen soll dies am 8. August. Dann gastiert Wenzel mit seiner Band „Side Of Soul“ bei „Donnerstags in Gladenbach“. Auf der Bühne – zwischen zwei Programmblöcken – will sich der Sänger von seiner Haarpracht trennen. „Gladenbach ist für unsere Band ein Stück Zuhause, die Auftritte hier waren immer toll“, erzählt Wenzel.

Hinzu kommt: Das von Christa und Norbert Becker organisierte Sommer-Musikfestival feiert sein zehnjähriges Bestehen, ebenso wie „Side Of Soul“. Beruflich wie auch privat fühle Wenzel sich in der Stadt ebenfalls pudelwohl. Deshalb sei Gladenbach genau der richtige Ort für die Aktion.

Für seine Haarspende nutzt er bewusst die große Bühne. „Möglichst viele Menschen sollen so das Projekt kennenlernen. ­Außerdem möchte ich ­Betroffenen zeigen, dass es ­eine Möglichkeit gibt, kostenlos eine Echthaarperücke zu bekommen“, sagt Wenzel. Und vielleicht finden sich an diesem Abend sogar Nachahmer, die sich dann ebenfalls für eine Haarspende entscheiden.

Geldspenden wollen die Musiker während des Konzertes ebenfalls für die Aktion sammeln. Denn um eine Echthaarperücke herstellen zu können, werden 360 Euro benötigt. „Ich hoffe, dass wir diesen Betrag zusammenbekommen – gerne­ ­natürlich auch mehr“, sagt ­Wenzel.

von Michael Tietz