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Hinterland Ein Orden für Einsatz mit Herzblut
Landkreis Hinterland Ein Orden für Einsatz mit Herzblut
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16:00 01.09.2021
Elisabeth Dörr zeigt stolz die Urkunde zum Bundesverdienstorden, zu dessen Verleihung sie Ehemann Heinrich nach Wiesbaden begleitete.
Elisabeth Dörr zeigt stolz die Urkunde zum Bundesverdienstorden, zu dessen Verleihung sie Ehemann Heinrich nach Wiesbaden begleitete. Quelle: www.Riehl-Art-Pictures.de
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Wiesbaden

Sie drängte sich nie in die vorderste Reihe und tritt aus ihren Lieblingspositionen jetzt „langsam den Rückzug an“. „Irgendwann ist Schluss, jetzt steht ein Generationenwechsel an“, sagt Elisabeth Dörr. Die Liste der Ehrenämter, die die Willershäuserin in rund 30 Jahren ausfüllte, ist sehr lang. Sie reicht vom Gemeindevorstand über den Kreistag, dem sie seit 2006 angehört, bis zur Schöffin beim Land-, Sozial- und Verwaltungsgericht. Sie war unter anderem auch Patientenfürsprecherin, im Vorstand des VdK und des Familien- und Seniorenrates aktiv und gehörte 1999 zu den Gründungsmitgliedern der Erwin-Ney-Stiftung, deren Geschäftsführerin und stellvertretende Vorsitzende sie seitdem ist.

Wie es ist, wenn die 69-Jährige ihren Platz nicht mehr einnimmt, war schon in der vergangenen Wahlperiode der Gemeindevertretung zu beobachten. Plötzlich saß jemand auf dem Platz, den Elisabeth Dörr 1994 bei der Kommunalwahl gewann. Zur Politik fand sie der Liebe wegen. Als sie im Schatten von Kirche und Rathaus am Lindenplatz in Lohra aufwuchs, entwickelte sie kein Interesse für Politik. Das änderte sich, als sie in eine „politische Familie einheiratete“, ihr Ehemann Heinrich war Ortsvorsteher von Willershausen.

Den Startpunkt für ihre Politikkarriere setzten aber unfreiwillig die Bürgermeister der Gemeinden Weimar und Lohra. „Karl Krantz und Hermann Brandt wollten in den 1980er-Jahren zwischen Kehna und Willershausen eine Mülldeponie einrichten“, erinnert sich Elisabeth Dörr nur zu genau. Es entstand eine Bürgerinitiative. Und weil Hermann Brandt ein Sozialdemokrat war, wandte sich Elisabeth Dörr an Werner Waßmuth und somit der CDU zu.

Jetzige Generation muss Arbeit fortführen

In der Partei habe sie nie etwas angestrebt, berichtet sie, vielmehr fielen ihr die Aufgaben zu, meint Elisabeth Dörr und sagt: „Wenn was anfiel, habe ich mich reingekniet, habe immer versucht, alles zu 100 Prozent auszufüllen.“ Das vollführte sie vorwiegend als „Organisatorin in der zweiten Reihe“. Dabei sei sie immer bemüht gewesen, dass die Familie nicht darunter leidet. „Beschwert haben sie sich nie“, erinnert sich die Kommunalpolitikerin und ist dankbar, dass die Familie ihr Engagement mittrug. In all den Jahren habe sich die Gemeinde Lohra gut entwickelt, meint die Willershäuserin. Nun müsse die jetzige Generation diese Arbeit fortführen. Für sie ist der Zeitpunkt zum Ausstieg gekommen, will mehr ihren Hobbys im Fitnessstudio und im Schwimmbad nachgehen und mit ihrem Ehemann „noch überall hin, wo wir hinwollen“, zum Beispiel demnächst nach Lüneburg. Elisabeth Dörr bekennt, wunschlos glücklich zu sein, und möchte, dass „alles noch ein paar Jahre so bleibt, wie es ist“.

Einen Höhepunkt erlebte sie Ende Juli in der Dienstvilla des hessischen Ministerpräsidenten in Wiesbaden. Dort überreichte ihr Staatssekretär Dr. Stefan Heck im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. „Es ist bewundernswert, mit wie viel Herzblut und Tatkraft sich Elisabeth Dörr seit Jahrzehnten für ihre Mitmenschen einsetzt. Sie hat sich in ganz besonderer und langjähriger Weise für unsere Gesellschaft und das gesellschaftliche Miteinander engagiert. Ihr Wirken, sowohl in der Kommunalpolitik als auch im sozialen Bereich, verdient allergrößten Respekt und unsere Bewunderung“, sagte Heck.

Von Gianfranco Fain

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