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Hinterland Der Vorreiter des organisierten Ehrenamtes
Landkreis Hinterland Der Vorreiter des organisierten Ehrenamtes
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21:00 10.10.2021
Im Büro des Ortsvorstehers ist Andreas Feußner für Buchenau im Einsatz.
Im Büro des Ortsvorstehers ist Andreas Feußner für Buchenau im Einsatz. Quelle: Gianfranco Fain
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Buchenau

Als „Krone der Politik“ bezeichnet Andreas Feußner seine Leidenschaft, der er auch mit 70 Jahren noch nachgeht, die ihm immer noch Spaß macht, weil „ich etwas für die Menschen bewegen kann“ – in der Kommunalpolitik. Für seinen Einsatz für die Menschen in seinem Heimatort Buchenau und in der Gemeinde Dautphetal verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Andreas Feußner den Bundesverdienstorden, den ihm Staatssekretär Dr. Stefan Heck Ende Juli in der Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten überreichte. Dort umschrieb Heck den Christdemokraten als Vorreiter des organisierten Ehrenamtes in Dautphetal.

Die Gemeinde ist seine Wahlheimat, genau genommen der zu Dautphetal gehörende Ort Buchenau, in den der in Marburg geborene Feußner mit seinen Eltern und drei Geschwistern zog, nachdem er seine ersten 12 Lebensjahre in Schönstadt aufwuchs. Im Grenzgangsort betrieb sein Vater eine Autowerkstatt, seine Neigung ließ ihn aber eine Lehre als Rechtsanwalt- und Notarfachangestellter absolvieren. Nach vier Jahren als Zeitsoldat arbeitete Feußner vier Jahre am Biedenkopfer Amtsgericht, wechselte dann zur Kreisverwaltung ins Landratsamt, wo er bis zum Renteneintritt zuletzt in der Verkehrsbehörde eingesetzt war.

Zur Verleihung des Bundesverdienstorden an Andreas Feußner begleitete ihn Ehefrau Heike nach Wiesbaden in die Staatskanzlei. Quelle: www.Riehl-Art-Pictures.de

Als junger Mann war Feußners Leidenschaft der Sport. Er spielte Handball im örtlichen Verein und leitete bis 1987 auch Spiele als Schiedsrichter. Zu dieser Zeit nahm das Interesse an der Lokalpolitik zu. Den Einstieg vollzog Feußner 1975 mit dem Eintritt in die CDU. Anlass war sein Ärger über die aufgezwungene Gebietsreform. „Der Zuschnitt passte nicht“, fand er damals und beschloss in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. Dazu hatte er sich die passende Partei ausgesucht, denn „in den 1970er Jahren fand die CDU hier nicht statt“, erinnert sich Feußner. Was der Christdemokrat schon damals schätzte: „Es gab zwar unterschiedliche Vorstellungen, wie für Dautphetal etwas zu erreichen wäre, aber nie starre Fronten.“

Im Jahre 1988 zog Feußner erstmals in die Gemeindevertretung ein, leitete unter anderem das Gremium mit dem Sozialdemokraten Gerd Raach, dessen Stellvertreter er war. Drei Jahre länger als seine Zeit als Gemeindevertreter wirkt Andreas Feußner im Ortsbeirat Buchenau mit, ist seit 15 Jahren auch der Ortsvorsteher. In dieser Zeit sei für Buchenau viel erreicht worden. Das Alte Rathaus, ein Einzeldenkmal, wurde über die Dorferneuerung zum Dorftreff umgebaut. „Das hat sich gelohnt, weil es gut genutzt wird“, sagt der Ortsvorsteher. Die Ortsmitte ist umgestaltet, der Straßen- und Kanalbau angegangen, ebenso das Sanieren des Bürgerhauses.

Aber es gibt auch noch Baustellen. Eine führt mitten durch den Ort, die Bundesstraße 62. Zwar hat sich Andreas Feußner von der Vorstellung verabschiedet, noch über eine Umgehungsstraße des Ortes fahren zu können, doch eine Teilumgehung ins Industriegebiet Richtung Elmshausen, „könnte kurzfristig verwirklicht werden, wenn man guten Willens wäre“, meint der Ortsvorsteher. Sehr unzufrieden ist Andreas Feußner auch darüber, dass der Landkreis und Hessen Mobil keine weiteren Fußgängerüberweg auf Höhe von „Nettes Lädchen“, wo sich ein kleines Einkaufszentrum bildete, zulassen wollen. „Das ärgert mich, da gebe ich keine Ruhe“, kündigt Feußner an.

Betrüblich findet er auch die grenzgangslose Zeit. Seit 1983 gehört er dem Vorstand des Grenzgangvereins Buchenau an, aber das kam noch nie vor. Zweimal mussten wir das Fest wegen der Corona-Pandemie verschieben, hoffen nun, es mit Änderungen im nächsten Jahr durchführen zu können“, sagt Feußner. Diese Ungewissheit nagt am 70-Jährigen.

Worauf er sich verlassen kann, weiß er allerdings: Im Grenzgangsort lernte er seine Ehefrau Heike kennen und lieben. Sie stand und steht mit Rat und Tat an seiner Seite, „macht alles mit“.

Ob nun sein Einsatz für den Erhalt des Hallenbades als Mitbegründer und späterer Vorsitzender des Fördervereins, die Tätigkeit als Kassierer des Partnerschaftsvereins Dautphetal-Cikó oder seine Tätigkeit als Beisitzer im Dorfverein Buchenau. Auch zur Verleihung des Bundesverdienstordens begleitete sie ihn nach Wiesbaden, denn „ein Teil des Ordens gehört ihr“.

Von Gianfranco Fain