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Hinterland Wahlkampf zur Mittagszeit
Landkreis Hinterland Wahlkampf zur Mittagszeit
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14:00 17.11.2020
Warben als Ortsbeirats-Aspiranten für sich und für den Bürgermeisterkandidaten Robert Wolfgram (hinten rechts): Anna-Katharina Rau (von links), Jörg Lange-Drewlies und Gudrun Rau. Quelle: Gianfranco Fain
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Mornshausen/S

Der leckere Duft von Gekochtem und Gebackenem zieht durch die Straßen des Gladenbacher Stadtteils. Mittagszeit ist an diesem Samstag in Mornshausen auch Wahlkampfzeit, deshalb geht Robert Wolfgram von Haus zu Haus, um gut eine Woche vor dem Stichwahltermin für sich zu werben.

Ihn begleiten drei Mornshäuser, die Werbung in eigener Sache betreiben und somit auch für den Bürgermeisterkandidaten. Denn Wolfgram sei der Mann, mit dem sie als Bürgermeister am liebsten zusammenarbeiten würden, erklären Jörg Lange-Drewlies, Anna-Katharina und Gudrun Rau.

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Die drei stellen sich als Kandidaten für die Ortsbeiratswahl vor, die im März des nächsten Jahres stattfindet. Den parteilosen Wolfgram halten sie für den geeigneteren Bürgermeister, damit die Kommunikation besser wird und die Stadt nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet werde, erklären sie bei jedem Kontakt.

Das Quartett sticht. Fast nach jedem Klingeln kommen die vier Kandidaten mit den Bewohnern des Hauses ins Gespräch – man kennt sich im Ort und Wolfgram ist vielen auch schon bekannt.

Gesprächsbedarf hält sich in Grenzen

„Ich habe Sie im Amtsblättchen schon gesehen“, verrät Brigitte Teutsch, die auch gleich ein Anliegen an den potenziellen Bürgermeister hat: „Ich würde mich freuen, wenn hier in der Straße die Geschwindigkeit öfter kontrolliert würde“, sagte Brigitte Teutsch, die sich nicht nur um ihren Urenkel, sondern die vielen Kinder sorgt, die auf der Straße toben, in der aber auch „die Autofahrer zu schnell fahren“. Wolfgram verspricht, im Falle einer Wahl das Anliegen nicht zu vergessen.

Das Angebot Wolfgrams, über Anliegen zu sprechen, nehmen nur wenige wahr. „Im Moment nicht, aber wenn, dann komme ich auf Sie zu“, erklärt eine Frau, die gerade Bananen-Kekse backt und schon per Brief wählte. Keine Frage habe er, sagt Detlef Heilmann, „aber wenn Sie mir bei der Arbeit helfen wollen ...“

Wolfgram beendet jedes Gespräch mit der Bitte, am Sonntag, 22. November, auf jeden Fall wählen zu gehen. Diese Bitte erspart er sich bei denjenigen, die schon per Brief ihre Wahl getroffen haben und auch bei Dennis Dahm. „Ich habe schon beim ersten Mal gewählt und werde es wieder tun“, sagt der junge Mann, der auf Facebook alle Videos Wolfgrams verfolgte.

Ein handfestes Anliegen

Die nächste ältere Dame hat ein handfestes Anliegen. Sie stören die Fichten, die auf der gegenüberliegenden ehemaligen Bahnstrecke in den Himmel wachsen und ihr die Aussicht ins Salzbödetal rauben. Außerdem stehe das Essen auf dem Herd, entschuldigt sie sich. Anita Ruprecht will dagegen vom Kandidaten wissen, ob ihn jetzt eine Partei unterstütze. Das könne jeder gerne tun, antwortete Wolfgram, der Schulungen für Menschen im Kundenservice anbietet. Er wisse aber nicht, ob und wie sich freie Wähler, Grüne und SPD positionieren.

Um das Salzbödetal und die Höhenzüge dreht sich das Gespräch mit der nächsten Dame. Sie gibt sich als politisch interessiert und ehemalige Stadtverordnete zu erkennen, habe auch schon von Margarethe (die ehemalige Ortsvorsteherin Kuhrt, A.d.R.) gehört, wie es in Gladenbach läuft. Die geplanten Windräder würden zum Problem für uns werden. „Mornshausen trifft’s“, sagt sie. Er sei auch für die Nutzung alternativer Energien, erklärt Wolfgram, und hinsichtlich der Kommunikation mit den Gremien sei es ihm wichtig, dass man miteinander rede.

Dies praktiziert er auch mit Martin Paul. Der Feuerwehrmann äußert sich über die Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Bürgermeister zufrieden und will von Wolfgram wissen, ob dies auch weiterhin so sein werde, falls es einen Wechsel gibt. Er werde auf jeden Fall wie der jetzige Amtsinhaber an einem Feuerwehr-Lehrgang teilnehmen, um einen Einblick in die Arbeit und die Bedürfnisse der Aktiven zu bekommen, erklärt der Bürgermeister-Kandidat.

Wolfgram ist mit dem Verlauf des Rundgangs und der Gespräche zufrieden, will in dieser Woche noch einmal für sich auf Werbetour gehen.

Von Gianfranco Fain

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