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Hinterland Leerstand: Was sehen Sie?
Landkreis Hinterland Leerstand: Was sehen Sie?
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09:52 16.11.2020
Quelle: Gianfranco Fain
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Robert Wolfgram: Leerstand bewältigen

Ein wichtiger Anziehungsmagnet in unserer Stadt, der Kernstadt und den Stadtteilen, sind auch unsere Fachgeschäfte. Dazu finde ich auch sehr wichtig, eine gute Auswahl an Gastronomie, die einlädt zum Genießen.

Im Moment haben wir, da bin ich froh, nicht sehr viel Leerstand von Geschäftsräumen und wenn sind die meisten schon wieder mit einer Nachfolge in Planung, wie es z.B. bei der „Cantina“ und dem ehemaligen „Reisebüro Blankenstein“ der Fall ist. Nichtsdestotrotz sollten wir vorausschauend sein. Zusammen am „runden Tisch“ mit dem Gewerbeverein, dem gesamten Einzelhandel – und dabei im regelmäßigen Austausch zu planen und zu schauen, wobei die Stadt mit unterstützen kann. Dazu gehört für mich, nicht nur kurzfristige Ideen und Maßnahmen umzusetzen, sondern Projekte für die Zukunft z.B. wie können wir das Innenstadtbild und Aushängeschild Marktplatz gemeinsam gestalten und verbessern.

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Zum Thema Ideen, dabei kam kürzlich erst ein Beitrag von einem Bürger, mit der Idee „wie kann ich mit dem Leerstand des alten Kioskes am Busbahnhof umgehen, es mit Leben zu füllen und einfach als Pilotprojekt auszuprobieren, und schauen, wie es von den Fahrgästen angenommen wird.“ Andere Kommunen machen es vor. Das finde ich super. Das ist jedenfalls auch immer wieder meine Denke, man muss das Rad nicht neu erfinden, aber schauen, wie machen es andere und das für uns angepasst nutzen und umsetzen. Wie es auch zu Corona-Zeiten die Stadt Marburg mit einer Idee gemacht hat und die Aktion „Marburger-Hilfsgutscheine“ ins Leben gerufen hat.

Als Stadt kann ich nicht sagen, dafür bin ich nicht zuständig oder einfach nur das geht nicht, dafür haben wir kein Geld. Natürlich auch mit Blick auf den Geldhaushalt zu schauen, was ist möglich und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ja das ist Arbeit, die sich aber für uns lohnt. Es ist wichtig das wir kein „Innenstadtsterben“ erleiden, wie es in anderen Kommunen und Städten passiert. Wir müssen unsere Attraktivität in der Stadt Gladenbach gemeinsam erhalten und verstärken.

Peter Kremer: Kostenfreies Parken und neuer Busbahnhof

Gewerbliche Immobilienleerstände sind ein stadtprägendes Problem, dem allerdings nur sehr schwer begegnet werden kann. In Gladenbach ist es noch nicht so stark ausgeprägt. Besonders betroffen ist immer der stationäre Handel. Viele inhabergeführte Geschäfte, die keine Nachfolge in den eigenen Familien finden, stehen in wenigen Jahren vor der Frage einer Schließung oder Vermietung an Dritte. Vermieten ist nicht immer gewollt – nicht selten ist im gleichen Gebäude die eigene Wohnung verortet. Ursache für mangelnde Lust zur Geschäftsübernahme in der Familie sind sicherlich all die Schwierigkeiten, mit denen die derzeitigen Eigentümer zu kämpfen haben. Allem voran ist da sicherlich das Einkaufen im Internet zu nennen. Zunehmend werden die Händler als Informationsmedium missbraucht, um dann für ein paar Euro günstiger im Internet einzukaufen. Das kann nicht funktionieren und ist von den Käufern sehr kurzsichtig gedacht.

Ausbildungs- und Arbeitsplätze gibt es nämlich nicht im Internet. Wenn die dann fehlen, sind längere Fahrten zur Arbeit in die Zentren notwendig. Das „eingesparte Geld“ aus dem schnellen Internetkauf kann da ganz schnell zum Bumerang werden. Einkaufen muss ein Erlebnis sein, dafür braucht es Attraktivität. Ist die nicht gegeben, folgen weitere Leerstände. Eine teuflische Spirale. Es müssen also Attraktivitätsmerkmale geschaffen werden, für die Stadt wie auch für den Handel. Erst seit 5 Jahren ist Gladenbach Mitglied im Gewerbeverein, vorher leider noch nicht. Obwohl man doch ein gemeinsames Ziel hat.

Zur Verbesserung der Infrastruktur wird sich in naher Zukunft das Gesicht des Marktplatzes und des Busbahnhofs verändern, wir halten fest am kostenfreien Parken, an regelmäßigen Veranstaltungen, Wochenmarkt, um Gladenbach lebensattraktiv zu halten. Eine Gründerförderung könnte ein wichtiger Baustein gegen Leerstand sein. Auch der bestehende Handel muss sich attraktiv präsentieren, mit Aktionen, Veranstaltungen etc. Wir werden das gemeinsam schaffen.

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