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Hinterland Frauenschaft Muth besteht seit 50 Jahren
Landkreis Hinterland Frauenschaft Muth besteht seit 50 Jahren
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11:08 24.01.2020
In hellroten Shirts präsentiert sich die Frauenschaft im Jahr des Grenzgangs 2020. Privatfoto
In hellroten Shirts präsentiert sich die Frauenschaft im Jahr des Grenzgangs 2020. Quelle: privat
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Buchenau

Ob am Arbeitsplatz oder zu Hause: Frauen schaffen tagtäglich. Doch was genau schafft eigentlich eine Frauenschaft? Da müssen Tina Weigand und Andrea Noll nicht lange überlegen: „Geselligkeit.“ Und: „Grenzgang.“ Und das schon seit geraumer Zeit. Die 44-jährige Weigand ist die Vorsitzende der Frauenschaft Muth, die 37-jährige Noll ihre Stellvertreterin.

Beide stecken in der Vorbereitung zur Feier des Jubiläums der Frauenschaft. Die besteht in diesem Jahr seit 50 Jahren und war 1970 die erste Frauengesellschaft im Hinterländer Grenzgangsort.

Am 25. Dezember beschlossen 28 Frauen während einer Weihnachtsfeier der Männergesellschaft Muth „aus einer Laune heraus“, die gleichnamige Frauengesellschaft zu gründen, erzählt Tina Weigand. Bis dahin war der Grenzgang reine Männersache, und Frauen durften am Straßenrand winken oder höchstens am Ende des Zuges mitgehen.

Das sollte sich nun ändern, und darüber waren die Herren Muth den Überlieferungen zufolge nicht sehr erfreut. Noch schlimmer traf es wohl einige Männerseelen, als die Frauen im siebten Jahr nach der Gründung das Degenschießen gewannen und somit das Recht, die Trophäe im Grenzgangszug zu tragen.

Pionierarbeit fruchtet

Mittlerweile ist das aber alles Schnee von gestern. Die Pionierarbeit der Muth-Frauen fruchtete, mittlerweile gibt es mehrere Frauen- und auch Mädchengesellschaften im Ort. Bei allen dreht sich in den Jahren vor dem Grenzgang alles um denselben. So haben die derzeit rund 70 Muth-Frauen ihr Motiv für den Wagen zum diesjährigen Fest schon festgelegt, die Bekleidung ebenso, und müssen bis zum Juli nur noch die Kostüme schneidern und den Wagen gestalten.

So wie bisher vor jedem Grenzgang. Bei diesem pflegen die Muth-Frauen die Freundschaft zu den anderen Gesellschaften. Sie besuchen sich am Frühstücksplatz gegenseitig, treffen sich mit den anderen weiblichen Gesellschaften am Grenzgangsmontag auf dem Kirchplatz, ziehen als Erste ins Festzelt ein und führen einen kleinen Sketch oder etwas anderes zur Unterhaltung der Festgesellschaft auf.

Mittlerweile ist die Buchenauer Frauenschaft so gefestigt, dass sich die Mitgliedschaft an den Gesellschaften der Männer orientiert. Junge Frauen treten in eine Mädchengesellschaft ein und wechseln nach der Heirat in die Frauenschaften. Darin Mitglied zu sein hilft, sich besser kennenzulernen, sind Tina Weigand und Andrea Noll überzeugt.

"Beigefreite" gehören dazu

Beide sind „Beigefreite“ – also Buchenauerinnen aus Liebe –, stammen aus Dautphe beziehungsweise Todenhausen. Sie fanden beide im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends nach Buchenau, wo ihre Ehemänner selbstverständlich einer Männergesellschaft angehören.

Und was macht eine Frauenschaft, wenn kein Grenzgang ansteht? Dann kommt der Geselligkeitsaspekt noch stärker zum Tragen. Bis zu sechs Mal im Jahr treffen sich die Frauen, mal bei offiziellen Vereinsversammlungen, mal für eine Wanderung, mal für eine Tagesfahrt oder zum Sommer-Event an der Vereinshütte auf der „Borg“ und auch zum Heringsessen im Herbst.

Die Zukunft der Frauenschaft Muth ist jedenfalls gesichert. Zu den 57 aktiven Frauen und 13 Ehrenmitgliedern, darunter einige aus den Gründerjahren, sind jetzt „viele junge Mütter hinzugekommen“, berichtet Tina Weigand. 

von Gianfranco Fain