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Hinterland Noll: Macht keinen eigenen Grenzgang
Landkreis Hinterland Noll: Macht keinen eigenen Grenzgang
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08:58 04.07.2020
Mark Noll, Bürgeroberst des Buchenauer Grenzgangs 2020/21, berichtet, was die Verschiebung des Heimatfests für den Verein bedeutet. Quelle: Carolin Acker
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Buchenau

Bereits Anfang März entschlossen sich die Verantwortlichen des Grenzgangvereins Buchenau, den Grenzgang wegen der heraufziehenden Corona-Pandemie auf das Jahr 2021 zu verschieben.

Gefeiert wird nun vom 15. bis 19. Juli 2021. In welcher Form und in welchem Umfang bleibt abzuwarten. Im Gespräch mit dieser Zeitung lässt Mark Noll, Vorsitzender des Grenzgangvereins, die vergangenen Wochen und Monate Revue passieren und wirft einen Blick in die nahe Zukunft.

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Im Januar 2019 hat Sie die Buchenauer Bürgerschaft zum Bürgeroberst gewählt. Wie war das damals für Sie?

Für mich ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen, und das ist schon ’ne tolle Sache, wenn du ein einstimmiges Votum erhältst und dann den größten Verein in Buchenau führen darfst.

Wir haben das Grenzganglied gemeinsam gesungen und den Grenzgang 2020 hochleben lassen. Anschließend folgten viele Sitzungen der Ausschüsse und des Komitees, wir haben die Repräsentanten gewählt, Verträge geschlossen, Kapellen verpflichtet und uns auf die Tage vom 9. bis 13. Juli gefreut.

Und dann kamen Februar und März 2020. Wie hat sich Ihre Gefühlslage geändert?

Zuerst haben wir, wie wohl sehr viele in diesem Land, die Lage unterschätzt. Ende 2019 schien noch alles in Ordnung, das Grenzgangfieber stieg. Die Repräsentanten haben die ersten Gesellschaften besucht, die Stimmung war super und jeder fieberte dem Fest entgegen.

Was folgte, kann ich eigentlich gar nicht so richtig beschreiben. In vielen Sitzungen des Vorstands und der Gremien sahen wir uns plötzlich nicht mehr in der Lage, das historische Heimatfest mit vielen Tausend Besucherinnen und Besuchern sicher durchzuführen.

Das Corona-Virus hat uns ausgebremst und gestoppt. Deshalb haben wir am 15. März offiziell mitgeteilt, dass der Grenzgang um ein Jahr verschoben wird.

Damals gab es doch noch gar kein Verbot von Großveranstaltungen, die ja jetzt mindestens bis in den Herbst verboten sind.

Stimmt, aber Vorstandskollegen hatten sich bereits gut informiert, was passieren könnte. Und sie sollten Recht behalten – wie die Geschichte zeigt. Wir konnten unmöglich die Verantwortung übernehmen, deshalb haben wir uns schweren Herzens zur Verschiebung entschlossen. Das war eine der bittersten Entscheidungen, die wir treffen mussten. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Wie wird Buchenau nun die Tage vom 9. bis 13. Juli dieses Jahres verbringen?

Hoffentlich ruhig. Ich kann nur an die Bürgerschaft appellieren, an diesen Tagen keine größeren Zusammenkünfte auf den Frühstücksplätzen oder im Wald/Grenze durchzuführen.

Wir als Grenzgangverein können es natürlich nicht verbieten, aber wir richten wirklich einen dringenden Appell an Buchenau, den Grenzgang erst im nächsten Jahr zu feiern. Wir vom Engeren Komitee planen am Grenzgang-Wochenende in diesem Jahr nichts.

Gibt es denn trotzdem irgendwelche Ideen?

In der jüngsten Sitzung des Werbeausschusses haben wir beschlossen, an den Grenzgangtagen vom 9. bis 13. Juli die „Neue Landstraße“ sowie die „Elmshäuser Straße“ mit Fahnen zu schmücken – als Erinnerung – an den Grenzgang 2020. Zudem wird es in absehbarer Zeit Autoaufkleber geben mit dem Hinweis auf das historische Heimatfest im Jahr 2021.

Wie laufen die Planungen für 2021 denn jetzt weiter?

„Engeres Komitee“ und die Ausschüsse können ja jetzt mit Mindestabstand und unter Einhaltung der Hygienevorschriften tagen. Und da ist schon wieder viel bewegt worden. Die wichtigsten Weichen für 2021 sind gestellt, mit Brauerei und Kapellen wurde gesprochen, Verträge geändert und neue abgeschlossen, von unserer Seite aus können wir feiern.

Wenn man die Geschichte des Grenzgangs in Buchenau betrachtet, sieht man, dass das Fest zwei Mal ausfiel.

Stimmt. Grenzbegehungen in Buchenau gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert, schriftlich erwähnt ist das erste Grenzgangfest im Jahr 1886. Seitdem wurde im Abstand von sieben Jahren gefeiert. Ausgefallen ist der Grenzgang nur wegen der beiden Weltkriege. Und jetzt wegen der Pandemie. Wir verschieben ja nur, gefeiert wird 2021 trotzdem.

Zum Schluss noch etwas Persönliches, wie sieht es eigentlich mit Ihrer Grenzgang-Gefühlslage aus?

Das kann man sich doch wohl vorstellen, ich kann es nicht in Worte fassen. Das hat es in der langen Geschichte des Grenzgangs noch nicht gegeben, und wir haben noch vor einigen Monaten gedacht, dass es so etwas nicht geben kann. Pustekuchen.

Corona hat uns eines Besseren belehrt. Wir müssen nun das Beste aus der Situation machen und die Grenzgangstimmung wieder neu aufbauen. Ich bin mir ganz sicher, dass uns das in Buchenau gelingt. Der Grenzgang 2020, der im Jahr 2021 gefeiert wird, er lebe hoch, hoch, hoch!!!

Von Michael Acker

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